31. Januar 2018 / 19:28 Uhr

SV-Babelsberg-03-Präsident Archibald Horlitz: "Das gibt einen Flächenbrand"

SV-Babelsberg-03-Präsident Archibald Horlitz: "Das gibt einen Flächenbrand"

Stephan Henke
Beim Spiel zwischen Babelsberg und Cottbus kam es vergangenen April zu schweren Ausschreitungen.
Beim Spiel zwischen Babelsberg und Cottbus kam es vergangenen April zu schweren Ausschreitungen. © imago
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Regionalliga Nordost: NOFV droht wegen versäumter Strafzahlungen Ausschluss der Babelsberger vom Spielbetrieb - Verein kündigt Konsequenzen an.

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Am Dienstag traf in der Geschäftsstelle des SV Babelsberg 03 Post ein, die bei Archibald Horlitz deutliche Verärgerung hervorrief. Das Kuvert enthielt die zweite Mahnung des Nordostdeutschen Fußball-Verbands (NOFV), dass der Regionaligist die 7000 Euro Strafe bezahlen soll, zu der er nach dem Skandalspiel Ende April gegen den FC Energie Cottbus verurteilt wurde.

"Werden noch mehr Öffentlichkeit herstellen"


Damals zündeten beide Fanlager Pyrotechnik, Cottbuser Anhänger stürmten außerdem den Platz, zeigten den Hitlergruß und skandierten antisemitische Parolen. „Man will uns durch die Androhung des Ausschlusses aus dem Spielbetrieb zwingen, zu bezahlen. Wenn wir gezwungen werden, dann werden wir noch mehr Öffentlichkeit herstellen. Wir haben eine kreative Fanszene und viele Unterstützer. Das gibt einen Flächenbrand, das kann ich dem NOFV versprechen“, sagte Horlitz, der Präsident des Babelsberger Vereins.

Denn Bezahlen – die Frist endet am morgigen Freitag – kommt für die Babelsberger nicht in Frage, die Relation der Strafe stimme nicht, sagt Horlitz. So sei Cottbus nach den Ausschreitungen in Babelsberg für Vergehen aus insgesamt drei Spielen zu 16 000 Euro Strafe verurteilt worden. Dazu sollten die Cottbuser ein Spiel ohne Zuschauer („Geisterspiel“) absolvieren, was einen Einnahmenausfall von rund 100 000 Euro bedeutet hätte – macht eine Gesamtsumme von 116 000 Euro.

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Dagegen hatten die Cottbuser erfolgreich Revision eingelegt. So blieben 6000 Euro Strafe für Cottbus, zusätzlich wurden 4000 Euro auf Bewährung verhängt. „Bei uns sind es 7000 Euro Strafe und das, obwohl wir nur für Vergehen aus einem Spiel bestraft wurden. Dazu kommt noch die Androhung eines Geisterspiels. Da stimmt die Relation nicht. Der NOFV tut sich derzeit dadurch hervor, dass er Strafen auf Bundesliga-Niveau ausspricht“, sagte Horlitz.

Auch die Babelsberger hatten Revision gegen das Urteil eingelegt, diese wurde allerdings wegen eines Formfehlers (einer fehlenden Unterschrift) abgewiesen. Die Revision bezog sich dabei auf Teile der Urteilsbegründung. Dort stand unter anderem: „Eine Person mit rotem Punkerhaarschnitt [rief] aus dem Babelsberger Fanblock in Richtung des Cottbusser Fanblockes: ,Nazischweine raus’.“ So entstand der Eindruck, dass die Babelsberger neben der Pyro-Vergehen auch dafür bestraft wurden, weil ein Fan „Nazischweine raus“ gerufen hatte.

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Beim NOFV zeigt man sich diesbezüglich einsichtig. „Da sind wir auch Manns genug, das klar darzustellen – das hätte man besser rausgelassen. Weil das hat ja nur zu Unklarheiten und Verwirrung geführt und zu dem durchaus nachzuvollziehenden Vorwurf des Vereins, wir hätten genau diese Äußerung bestraft. De facto ist dieses nicht geschehen“, sagte Stephan Oberholz, der zuständige Verbandsrichter, dem Deutschlandfunk.

In der Urteilsbegründung stand allerdings nichts von den Hitlergrüßen und Gesängen der Cottbuser Anhänger wie „Arbeit macht frei, Babelsberg 03“. Weder Schiedsrichter noch Spielbeobachter hatten dies in ihren Berichten erwähnt, obwohl Bilder und Videos die Szenen belegen. „Das war ja die Krux in dem Verfahren, dass in diesen genannten Berichten mit keiner Silbe die Rede war von irgendwelchen rassistischen Äußerungen, von irgendwelchen Nazigebärden, Nazi-Verhalten. Da wussten wir nichts von, schlicht und ergreifend“, sagt Oberholz.

"Die zweite Mahnung ist die letzte Warnung"


Für Horlitz ist das schlicht eine „Lüge“. So schritt der Deutsche Fußball-Bund ein und forderte den NOFV auf, Ermittlungen gegen Cottbus einzuleiten und verurteilte die Lausitzer noch einmal, dieses mal für die rassistischen Verfehlungen. Die Cottbuser gingen erneut in Berufung, der NOFV nahm das Urteil zurück. Jetzt liegt der Fall sogar beim DFB-Bundesgericht.

Dass die rassistischen Vorkommnisse nicht erwähnt wurden, sei ein Fehler, sagt auch Rainer Milkoreit. „Man muss sagen, wir müssen unseren Aufgaben so nachkommen, dass wir allen Ansprüchen gerecht werden. Und in dem Fall war das nicht so“, erklärt der NOFV-Präsident. Das ändere aber nichts daran, dass Babelsberg die Strafe bezahlen müsse. „Babelsberg ist gut beraten, sich so zu bewegen, wie es in diesen Fällen sonst üblich ist“, sagt Milkoreit. „Die zweite Mahnung ist die letzte Warnung, die letzte Chance.“ In der Geschichte des NOFV sei noch nie eine Mannschaft vom Spielbetrieb freigestellt worden.

Gemeinsame Erklärung von Babelsberg und Chemie


Am Freitag (19 Uhr, Karl-Liebknecht-Stadion) empfangen die Babelsberger Chemie Leipzig zum Auftakt ins neue Fußballjahr. Die Fanszene von Chemie wird wie die von Babelsberg dem linken Spektrum zugeordnet. Die Leipziger wurden vom NOFV-Sportgericht kürzlich zu 10 000 Euro Geldstrafe wegen Fanvergehen beim Derby gegen Lok Leipzig verurteilt. Im Spielbericht der NOFV-Beobachter fehlten auch hier die rassistischen und antisemitischen Verfehlungen von Lok-Fans.

„Man kann davon ausgehen, dass bei beiden Fanlagern, die sich bei der Haltung gegenüber dem NOFV sehr einig sind, unbändige Wut hochkocht. Ich habe die große Befürchtung, dass die Aktionen der Fans nur bedingt kontrollierbar sein werden“, sagte Babelsberg-Präsident Horlitz. Beide Vereine veröffentlichten am Mittwoch eine gemeinsame Erklärung. „Wir [rufen] nachdringlich dazu auf, nur friedliche, kreative und legitime Mittel des Protestes zu nutzen, um die bestehenden Verhältnisse anzuprangern“, heißt es darin.

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