07. Juni 2018 / 10:39 Uhr

SV Bruchhausen-Vilsen: Geschichte wiederholt sich

SV Bruchhausen-Vilsen: Geschichte wiederholt sich

Thorin Mentrup
Hatte wieder Grund zum Jubeln: Für Co-Trainer und Spieler Lutz Wiederhold ist der Aufstieg eine richtige Erfolgsstory.
Hatte wieder Grund zum Jubeln: Für Co-Trainer und Spieler Lutz Wiederhold ist der Aufstieg eine "richtige Erfolgsstory". © JONAS KAKO
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Frank Fischer, Andreas Mann und Lutz Wiederhold steigen mit dem Kreisligisten nach 19 Jahren erneut auf

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Die Parallelen sind unverkennbar und schnell gefunden. Die Mannschaft ist sogar mit demselben Traktor und Fahrer durch den Ort gefahren – wie schon vor 19 Jahren. Damals wie heute machten die Fußballer des SV Bruchhausen-Vilsen den Aufstieg in die Bezirksliga perfekt. Die Teams sind dagegen gänzlich andere. Spieler verließen den Verein oder hörten später ganz mit dem Fußball auf, um sich anderen Dingen zu widmen. Doch für drei Vilser aus der alten Aufstiegsmannschaft hat sich jüngst Geschichte wiederholt: Denn sowohl 1999 als auch 2018 waren Lutz Wiederhold, Frank Fischer und Andreas Mann mit von der Partie und durften einen außergewöhnlichen Triumph feiern.

„Es war schon ein Déjà-vu, als wir auf dem Anhänger durch den Ort fuhren und uns in den Armen lagen“, sagt Wiederhold über die Aufstiegsfahrt durch Bruchhausen-Vilsen. Er selbst spielte damals in der Innenverteidigung der Lila-Hemden und musste mit seinem Team 1999 den Weg über die Relegation gehen, um aufsteigen zu können. Mit 2:1 gewannen die Vilser das Duell gegen den SV 09 Nienstädt. „Der Gegner war wirklich stark, und der Druck war natürlich im Entscheidungsspiel sehr hoch“, erinnert sich Wiederhold, der vor zwei Jahren erneut beim SVBV anheuerte – dieses Mal allerdings als Co-Trainer und Spieler.

Ihn freut es vor allem, dass seine Mannschaft den Aufstieg vor heimischem Publikum am finalen Spieltag eingetütet hat. „Es passte einfach. Eine richtige Erfolgsstory. Dass ich das noch einmal erleben darf, ist ein besonderes Privileg“, freut sich der ehemalige Verteidiger. Der 42-Jährige wird in der kommenden Saison in der Bezirksliga nicht mehr als Trainer am Spielfeldrand stehen. „Es macht mich umso glücklicher, dass ich mich so verabschieden kann. Die Zeit habe ich sehr genossen und bin dankbar für das Vertrauen vom Verein.“ Im Gegensatz zum Aufstieg vor 19 Jahren sah er sich dieses Mal mehr in der Pflicht. „Damals war ich nur Spieler und konnte mich auf das Spiel konzentrieren. Als Trainer hast du viel drumherum, aber Frank und ich haben uns wirklich gut ausgetauscht und ergänzt“, zollt Wiederhold seinem Chefcoach Respekt.

Freut sich auf die Chance in der Bezirksliga: Torwart-Trainer Andreas Mann (3.v.l.).
Freut sich auf die Chance in der Bezirksliga: Torwart-Trainer Andreas Mann (3.v.l.). © JONAS KAKO
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Neue Taktik bringt Erfolg

Diese Achtung bringt Trainer Frank Fischer auch seinem Co entgegen. „Lutz hat einen engeren Kontakt zum Team, und wir können uns so sehr gut ausgleichen“, sagt der Übungsleiter, der wie Wiederhold seit zwei Jahren bei den Lila-Hemden wieder an der Seitenlinie steht. Zuvor war er Trainer beim TuS Syke, TSV Bassum, SV Heiligenfelde und TVE Nordwohlde. Mit dem TSV und dem SVH schaffte Fischer ebenfalls den Aufstieg in die Bezirksliga.

Vor dem finalen Spiel der gerade beendeten Saison gegen den TuS Wagenfeld (3:0) spürte er mit seinen Vilsern keinen Siegzwang. „Es war eher eine positive Anspannung“, wie es der Aufstiegstrainer formuliert. Er weiß, dass sich die Zeiten im Fußball geändert haben. „Früher kamen wir mit 14 Spielern aus, heute brauchst du pro Saison knapp 30. Das sind ganz andere Mannschaften“, erklärt Fischer, der sich selbst immer wieder hinterfragt und seine Taktiken an neue Gegebenheiten anpasst – ein Geheimnis seines Erfolgs. Damals wie heute. So spielte er in der Aufstiegssaison 1998/1999 mit einer Viererkette.

Heutzutage fest etabliert im Spielsystem, damals vollkommen neu: „In der Gruppenphase der WM (1998 in Frankreich, d. Red.) spielte Norwegen gegen Brasilien mit einer Viererkette und gewann mit 1:0. Und Norwegen war kein Topfavorit“, nennt Fischer den Grund für seinen Systemwechsel und Parallelen zu seinem Herzensverein, der sich in den Jahren zuvor eher im Mittelfeld der Tabelle platziert hatte. Er habe das Spiel auf Video aufgenommen und immer wieder angeschaut. Dann setzte er das System um. Eine gewagte Vorgehensweise, zumal der Trainer mit seinen damals 34 Jahren teilweise jünger war als seine Spieler.

Trainer Frank Fischer dirigierte schon 1999 sein Team von der Seitenlinie.
Trainer Frank Fischer dirigierte schon 1999 sein Team von der Seitenlinie. © Thorin Mentrup

Einzigartige Konstellation

Doch das Konzept ging auf, Vilsen feierte den zweiten Platz und damit die Teilnahme an der Relegation. Es folgte der Aufstieg. Die taktische Variabilität und das Ausprobieren neuer Methoden schätzt auch Torwart-Trainer Andreas Mann an Fischer: „Er ist einer der kompetentesten Trainer, die ich kenne.“ Mann hielt vor 19 Jahren das Tor sauber und war ein starker Rückhalt, dieses Mal konnte er nur zuschauen. Für ihn sei die Aufgabe an der Seitenlinie „viel nervenaufreibender“, weil er selbst nicht eingreifen könne. Die Leistung seiner Mannschaft vor heimischem Publikum freute ihn: „Man sah bei den Jungs den Willen, dass sie gewinnen wollten. Schöner kann eine solche Geschichte nicht sein.“ Mit seinem Sohn Mathis, der sein erstes Herrenjahr bei den Lila-Hemden bestritt, sieht er bereits die nächste Generation auf dem Feld. „Das ist schon etwas Besonderes“, sagt Mann, der über die Jahre einen engen Kontakt zu seinen alten Weggefährten gepflegt hat – so auch zu Wiederhold und Fischer: „Diese Konstellation ist schon einzigartig.“

Das sehen auch die anderen beiden Aufsteiger so. Die Mannschaft sei damals allein durch ihre geringe Kadergröße familiärer gewesen. „Es haben sich jahrzehntelange Freundschaften entwickelt. Man grüßt und schätzt sich“, sagt Fischer. Besonders freut es Wiederhold, dass zum jüngsten Endspiel um den Aufstieg auch alte Teamkameraden erschienen: „Es ist schon toll, dass die Leute von damals vorbeikommen, mitfiebern und einem gratulieren.“

Auf die kommende Saison in der Bezirksliga freuen sich die drei – trotz der vielen Arbeit. „Wir sind auf dem richtigen Weg. Vielleicht kommt der Aufstieg ein Jahr zu früh, aber wir nutzen die Chance“, kündigt Andreas Mann an. Das sieht auch Frank Fischer so: „Es war vielleicht etwas zu früh, daher müssen wir uns sehr gut vorbereiten, um das Abenteuer Bezirksliga zu bestehen.“ Lutz Wiederhold wird seine ehemaligen Schützlinge in seiner neuen Rolle als Zuschauer anfeuern: „Die Aufstiege waren beide unglaublich toll. Aber die Zeit damals ist abgeschlossen, jetzt haben wir eine andere Zeitrechnung. Ich freue mich auf interessante Derbys vor Ort.“

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