07. November 2018 / 14:20 Uhr

Sven Jablonski - Zwischen Ehrgeiz und Gelassenheit

Sven Jablonski - Zwischen Ehrgeiz und Gelassenheit

Olaf Dorow
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Der Bremer Sven Jablonski pfeift seine zweite Saison in der Bundesliga. © Michael Weber / Imagepower
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Der 28 Jahre alte Bremer Schiedsrichter begreift seinen Job als Referee als Lebensschule / Jablonski: "Habe das Gefühl, die Akzeptanz bei den Spielern ist da"

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Weder Borussia Mönchengladbach noch Eintracht Frankfurt gelten in der Bundesliga als Mannschaft, die besonders aggressiv zu Werke geht. Sie taugen nicht für die Bezeichnung Klopper-Truppe, sie suchen spielerische Lösungen. Dass sie den Zweikampf eher scheuen und stets brav zurückziehen, muss man nicht gleich annehmen. Und dass vom Schiedsrichter keine einzige Karte gezückt werden muss, wenn sie aufeinandertreffen, das hat auch keine besonders hohe Wahrscheinlichkeit.

Am fünften Spieltag dieser Saison war es aber so. Nach den 90 Minuten standen zwar vier Tore in der Statistik, drei für Borussia, eines für Eintracht. 18 Fouls standen auch drin, aber keine Karte. Keine Gelbe, geschweige denn eine Rote. Und vielleicht lag das nicht nur an den Gladbacher und Frankfurter Spielern, vielleicht lag das auch am Schiedsrichter. An ­diesem Schiedsrichter. Sven ­Jablonski pfeift seine zweite Saison in der ersten Liga, und er ist dort in den acht Spielen, in denen er der Spielleiter war, mit durchschnittlich zwei Karten ausgekommen. Niemand kam mit weniger aus.

Das heißt natürlich nicht automatisch, dass Sven Jablonski der beste Referee von allen war. Das weist aber zumindest darauf hin, dass dieses Premierenjahr ganz gut gelaufen sein dürfte für den erst 28 Jahre alten – jungen – Bremer, den aktuell jüngsten deutschen Bundesliga-Schiedsrichter. Für Ex-Referee Markus Merk war er in dessen Bilanz als Sky-Experte der Newcomer des Jahres. Die Benotungen in Fachmagazinen und Portalen waren gut, das Feedback der DFB-Schiedsrichterkommission um Lutz Fröhlich auch. In Bremen sagt Torsten Rischbode, Vorsitzender des Verbandsschiedsrichterausschusses: „Fürs erste Jahr: Hut ab! Der Junge wird uns noch viel Freude machen.“ Ein Mann rückt in den Fokus, weil er nicht im Mittelpunkt steht. Es gibt schlechtere Aussagen über einen Schiedsrichter.

Läuft also. In den zehn Spielen der laufenden Saison wurde SvenJablonski, der ja auch in der zweiten und dritten oder als Video­assistent beauftragt wird, bereits viermal als Hauptschiedsrichter eingesetzt. Bleibt die Frequenz so, hätte er am Ende doppelt so viele Partien geleitet wie in der vorigen Saison. Pfeift er bald international, als Fifa-Schiedsrichter? Das könne er nicht beeinflussen, er könne nur schauen, wie er immer alles tut, was er tun kann für eine gute Leistung. 
„Und bevor man immer weiter und weiter guckt, sollte man nicht vergessen zufrieden zu sein mit dem, was man erreicht hat“, sagt er.

Der Satz hört sich nicht nur gut an. Der scheint auch gut zu ihm zu passen. Er ist jemand, der auf eine gewisse Balance achtet. Auch auf die zwischen Ehrgeiz und Gelassenheit. „Wir Schiedsrichter sind ja Leistungssportler“, sagt er. Er trainiert täglich, er muss fit genug sein, um auch noch in der Nachspielzeit ein Höchstmaß an Konzentration aufbringen zu können. Er läuft in den Spielen oft mehr als elf Kilometer. Er bereitet sich akribisch vor, er nutzt dazu intensiv die Online-­Plattform Wyscout. Welche Freistoß­varianten haben die Teams drauf, spielen sie viel und schnell über die Außenbahnen? „Ich will ­vorbereitet sein, ohne vorbelastet zu sein“, sagt er. Auch das ist quasi so eine Balance-­Sache. Balance ist oft das Stichwort, wenn Sven ­Jablonski über seinen Job an der Pfeife spricht.

Für den sei sein Job in der Bank auch keine Belastung. Sondern Bereicherung. „Eine Win-win-Situation“, sagt er. Er findet das gut, dass der DFB seinen Schiedsrichtern freigestellt hat, ob sie arbeiten oder nicht. Die DFB-­Referees werden mit 60 000 Euro Grundgehalt plus 5000 Euro pro Einsatz vergütet, sie müssten nicht zwingend arbeiten. Sven Jablonski hat bei der Bremer Commerzbank derzeit auf 50 Prozent reduziert, er ist sogenannter ­Office-Manager. Er organisiert Kundenveranstaltungen, Mitarbeiter-Events, er ist für seinen Arbeitgeber und DFB-Premium-Partner unterwegs in Schulen.

Umgang mit Charakteren, Führung von Menschen, Verantwortung, soziale Kompetenz – um all das geht es ja auch auf dem Platz. Vereinfacht könnte man sagen: Er lernt im ­Leben für den Platz, und auf dem Platz fürs Leben. Beim Blumenthaler SV kickte er selbst, bis er 15 war, das helfe ihm jetzt im Umgang mit den Spielern. Mit 13 begann die Schiedsrichterei, und er könne jedem jungen Menschen nur raten, das mal zu probieren. „Für mich ist das wie eine Lebensschule“, sagt ­Jablonski.

In der er offenbar ziemlich gut gelernt hat. „Wie Sven in jungen Jahren schon mit gestandenen Spielern umging, da konnte man schnell erkennen, dass das mal einer werden wird“, sagt Rischbode. Er beschreibt Jablonski als jemanden, der authentisch ist und eine Autorität verkörpert, ohne autoritär zu sein. Jablonski selbst spricht davon, mit den Spielern möglichst respektvoll umzugehen. „Wenn du jemanden so behandelst, bekommst du auch viel wieder“, sagt er. Seine Tür würde immer offen stehen, und nach den Spielen würden nicht nur die Meckerer kommen. „Ich habe das Gefühl, dass die Akzeptanz bei den Spielern da ist“, sagt er.

Er hat auch das Gefühl von mehr Sicherheit und mehr Selbstbewusstsein nach dieser ersten Spielleiter-Saison im Oberhaus. Sein erstes Jahr fiel ja immerhin zusammen mit dem ersten Jahr Videobeweis. Reizthema, Dauerthema. Jablonski ahnt, dass das noch länger so bleiben wird. Er sieht aber eine Entwicklung. In der Rückrunde sei es schon besser gelaufen, die Transparenz steige. Und die Klarheit. Vorbild WM: Dort sei nach dem Motto ‚Weniger ist mehr‘ verfahren worden. Der Video­beweis sei nicht da für Situationen aus der Kann-man-so-kann-man-so-sehen-Schublade. „Das sollte der Weg sein, dass klare Fehler beseitigt werden. Und ich glaube, dass wir das hinkriegen“, sagt Sven Jablonski. Man darf ihn wohl eher zu dem Glas-halb-voll-Typ dazurechnen.

Wenn er so über das Schiedsrichtern spricht, entsteht der Eindruck: Da ist jemand, der sich freut, wenn er zum Stadion fährt und dann als Erster den Rasen der großen Arena betritt. Der sich aber bei aller Begeisterung, allem Stolz, allem Lob auch, nicht so wichtig nimmt und seine Rolle in dem Spiel schon einzuordnen weiß. Er will selbstreflektiert bleiben, das muss er auch in dem Metier. Er muss ständig lernen und sich selbst überprüfen, er ist ja weiß Gott nicht fehlerfrei. Er will auch demütig bleiben. Er scheut sich nicht zu sagen, dass die wahren Helden der Schiedsrichterei diejenigen seien, die alles so unmittelbar und bisweilen in voller Wucht abbekämen. Die aus den unteren Ligen, die aus den Kreisligen. Hört sich super an. Aber es wirkt nicht so, dass Sven Jablonski das jetzt wegen der tollen Wirkung sagt.

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