10. Juni 2018 / 20:54 Uhr

Thomas Helmer: „Hertha BSC fehlt das gewisse Etwas“

Thomas Helmer: „Hertha BSC fehlt das gewisse Etwas“

Stephan Henke
In der ersten Halbserie der Saison 1999/2000 spielte Thomas Helmer (r., gegen Hakan Sükür von Galatasaray Istanbul) für Hertha BSC.
In der ersten Halbserie der Saison 1999/2000 spielte Thomas Helmer (r., gegen Hakan Sükür von Galatasaray Istanbul) für Hertha BSC. © dpa
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Bundesliga: Der Ex-Berliner spricht im Interview über seine Zeit in der Hauptstadt, wie er der WM 1994 in den USA hinterher trauert und die verspätete Aussprache über das Phantomtor.

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Am Dienstag (18.30 Uhr, Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark) bestreitet Thomas Helmer mit dem FC Diabetologie um Kult-Trainer Christoph Daum gegen den FC Bundestag ein Benefizspiel, um auf die Volkskrankheit Diabetes aufmerksam zu machen. Der ehemalige Profi von Hertha BSC moderiert bei Sport1 die Kultsendung „Doppepass“ und spricht im Interview über Grätschen gegen Politiker, seinen Fast-Wechsel zum 1. FC Köln und den Ehrgeiz von Jörg Heinrich.

Sie spielen am Dienstag gegen den FC Bundestag, welchen Politiker würden Sie gerne einmal umgrätschen?

Thomas Helmer: Mein Problem ist, dass ich politisch echt eine Niete bin. Ich kann nicht mal sagen, gegen welche Politiker wir genau spielen werden.

Fühlen Sie sich denn fit genug?

Sie können mich zum Glück nicht sehen, ich habe gerade meine Achillessehne verbunden. Ich komme gerade aus Shanghai, wo wir mit der Nationalmannschaft von Dieter Burdenski gespielt haben. Da haben wir es geschafft, von sechs Teams Sechster zu werden. Stefan Effenberg war dabei, Richard Golz, Mike Hanke ist trotzdem Torschützenkönig geworden. Solche Sachen machen dann natürlich Spaß.

Jörg Heinrich, Ex-Trainer von Falkensee-Finkenkrug, war auch dabei.

Ja, wenn wir verlieren, dreht er durch, der ist noch so fit. Es ist immer super, ihn zu treffen, ein toller Typ.

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Am Dienstag werden Sie von Christoph Daum trainiert.

Auf ihn freue ich mich sehr. 1988 hatte er mich eigentlich schon nach Köln geholt. Er hat mich, so wie er eben ist, gefangen für sein Projekt Köln. Ich war damals ein junger Spieler und sogar schon zweimal bei ihm zu Hause, habe mich dann aber doch dafür entschieden, in Dortmund zu bleiben.

Warum?

Man muss eben Entscheidungen treffen als junger, unerfahrener Spieler. Wenn man einen Fehler macht, lernt man doch viel mehr, als wenn man alles richtig macht.

Dann war die Absage ein Fehler?

Nein! Es ist alles gut, so wie es gekommen ist.

Über Sunderland zu Hertha BSC

Nach der Station Dortmund folgte Bayern München, ehe der AFC Sunderland sie 1999 direkt weiter an Hertha BSC verlieh. Welche Erinnerung haben Sie daran?

Zum Ende meiner Karriere wollte ich noch einmal Champions League spielen. Das war sensationell, als wir in der ersten Gruppenphase gegen den FC Chelsea und den AC Mailand gewonnen haben und in die Zwischenrunde eingezogen sind. Dort war ich dann allerdings verletzt und konnte keine Spiele mehr machen. Aber ich habe für Hertha mein letztes Bundesligator geschossen. Das war eine Kopfball-Bogenlampe aus 16 Metern, weil ich nicht so schnell nach vorne gekommen bin (lacht). Kai Michalke hat damals einen Freistoß von der Mittellinie getreten.

Sie haben mit Trainer Pal Dardai und Manager Michael Preetz zusammen gespielt. Wie schätzen Sie die Arbeit der beiden ein?

Pal war kürzlich bei mir in der Sendung und hat erzählt, wie grandios seine Söhne sind. Die können ja im Gegensatz zu ihm Fußball spielen (lacht). Pal und Michael holen wirklich das Maximum aus der Mannschaft raus, das muss man hoch anerkennen. Als Verein aus der Hauptstadt fehlt nur das gewisse Etwas, der Glamour-Faktor, auch wenn das im Fußball ein bisschen blöd klingt. Fragt man nach Persönlichkeiten, fallen mir nicht viele ein. Da hat Hertha noch Entwicklungspotenzial.

Am Donnerstag beginnt die WM in Russland, sie haben 1994 und 1998 an Weltmeisterschaften teilgenommen, beide Male war im Viertelfinale Schluss. Grämt Sie das?

Ich habe kürzlich Lothar Matthäus beim Pokalfinale getroffen. Wir waren uns einig, dass wir 1994 die WM hergeschenkt haben. Wir hatten von den Einzelspielern die beste Mannschaft, waren aber kein Team. Es gab drei, vier Grüppchen, darunter die Weltmeister von 1990. Im Finale standen Italien und Brasilien, was für ein langweiliges Spiel. Das hätten wir wirklich schaffen können, die Erinnerung daran ist bitter. 1998 hab ich mich mit einer Verletzung durchs Turnier geschleppt, im Viertelfinale saß ich gegen Kroatien auf der Bank, da hätte ich der Mannschaft auch nicht helfen können.

Wie sehen Sie Deutschlands Rolle beim anstehenden Turnier?

Ich glaube, dass wir Favorit sind, das sagt die Mannschaft ja auch, das finde ich gut. Es gibt aber auch ein paar andere Nationen wie Spanien oder Frankreich, die in den letzten Testspielen sehr stark waren.

Können Sie nachvollziehen, dass Joachim Löw Supertalent Leroy Sané aussortiert hat?

Ich bin da zwiegespalten. Von der Veranlagung her muss er eigentlich mit. Er ist sehr schnell, kann auch mal eine entscheidende Aktion kreieren. Auf der anderen Seite ist er ein Typ, den man immer wieder antreiben muss. Wenn das nicht von ihm selbst kommt, gerade bei so einem Turnier, kann man das der Mannschaft nicht vermitteln. Ich glaube, das ist der Grund. Er denkt, er ist schon der beste Spieler, das passt nicht zur deutschen Mannschaft. Die kann seine Abwesenheit kompensieren, so stark war er zumindest in der Nationalelf bislang nicht.

Sind Sie bei WM-Tippspielen gut?

Ich mache zwar immer mit, meist für einen guten Zweck, aber liege eigentlich immer völlig daneben. Und mir ist es dann auch zu aufwendig, alle Spiele durch zu tippen und zu schauen, wer im Viertel- oder Halbfinale überhaupt auf wen treffen könnte.

Die erste Assoziation mit Ihnen ist häufig, dass Sie 1994 gegen den 1. FC Nürnberg das Phantomtor geschossen haben. Ärgert Sie das?

Es gab sogar mal Leute, die wollten daraus eine Marke machen. Ich bin da nicht stolz drauf. Beim Spiel Bremen gegen Dortmund hab ich vor kurzem den damaligen Schiedsrichter Hans-Joachim Osmers das erste Mal wieder getroffen. Wir hatten zuvor noch nie über das Spiel geredet. Wir haben uns zusammengesetzt, ein Bierchen getrunken, ein Versöhnungsselfie geschossen und darüber gesprochen, wie doof wir eigentlich waren, weil wir damals auf dem Feld nicht schon miteinander geredet haben. Das wird ihn genauso wie mich immer begleiten. Ich verstehe auch, dass alle Nürnberger Fans noch sauer sind. Ich habe damals einen Fehler gemacht.

Europameister und Uefa-Pokal-Sieger


Thomas Helmer, am 21. April 1965 in Herford geboren, hat in seiner Karriere Erfolge gefeiert. Der größte war der EM-Titel 1996. Der Verteidiger gewann dreimal mit Bayern München die Deutsche Meisterschaft und 1996 den Uefa-Pokal. Jeweils einmal war er mit Bayern München und Borussia Dortmund im DFB-Pokal erfolgreich.

1999 wechselte er auf Leihbasis für die erste Hälfte der Saison vom FC Sunderland zu Hertha BSC. Nach seiner Karriere wurde er Moderator des Fußball-Talks „Doppelpass“ bei Sport1 und lebt mit seiner Frau, Schauspielerin Yasmina Filali, in Hamburg.

* Beim Benefizspiel des FC Bundestag* gegen den FC Diabetologie morgen (18.30 Uhr, Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark) spielt Helmer bereits zum zweiten Mal mit. „Ich finde die ganze Geschichte spannend. Ich bin zwar nicht unmittelbar betroffen, aber habe viele Bekannte, die sich damit auseinandersetzen müssen“, sagt Helmer zu seinem Engagement.

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