17. November 2018 / 06:30 Uhr

Thomas Müller nur noch Ersatz in der Nationalmannschaft: Das nächste Auslaufmodell?

Thomas Müller nur noch Ersatz in der Nationalmannschaft: Das nächste Auslaufmodell?

Heiko Ostendorp
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Thomas Müller (hier mit Sebastian Rudy und Mats Hummels) saß im Testspiel der Nationalmannschaft gegen Russland nur auf der Bank.
Thomas Müller (hier mit Sebastian Rudy und Mats Hummels) saß im Testspiel der Nationalmannschaft gegen Russland nur auf der Bank. © imago/ActionPictures
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Auch gegen Russland nur auf der Bank: Für FC-Bayern-Star Thomas Müller bleibt unter Bundestrainer Joachim Löw nur noch die Jokerrolle – stattdessen begeistern junge Wilde im DFB-Team.

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Wenn jemand vor einigen Jahren Thomas Müller prophezeit hätte, dass er im November 2018 beim Klassiker Deutschland gegen die Niederlande auf Schalke sein 100. Länderspiel für die Nationalmannschaft bestreiten kann, hätte der Offensivallrounder vermutlich sofort unterschrieben. Müller hätte wohl sein spitzbübisches Lächeln aufgesetzt und einen seiner Sprüche rausgehauen. Vielleicht in etwa so: „Wer weiß, ob ich dann überhaupt noch lebe?“ Oder: „100 Länderspiele für Deutschland? Nicht schlecht für einen, der eigentlich kein Fußball spielen kann, oder?“

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Nun ist es in der Tat so, dass der Bayern-Star am Montag in Gelsenkirchen sein Dienstjubiläum feiern kann. Und als er nach dem 3:0-Sieg gegen Russland in Leipzig damit konfrontiert wurde, huschte ihm natürlich ein Grinsen übers Gesicht. Doch seine Worte klangen ungewohnt ernst: „Es ist eine Zahl, auf die geschaut wird. Mir persönlich ist das Sportliche wichtiger“, sagte er unmüllerisch trocken. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Müller hat gerade ganz andere Sorgen.

Gnabry, Sané, Havertz und Brandt erhalten den Vorzug

Auch gegen den WM-Viertelfinalisten Russland musste er zunächst auf der Bank Platz nehmen. Die schwarz-weiße Ringelmütze hatte er tief ins Gesicht gezogen. Müller sah, wie die neue, junge, wilde Offensivreihe im DFB-Team die Russen in der ersten Halbzeit aufmischte und eine lockere 3:0-Führung herausspielte. Beim 1:0 legte Serge Gnabry für Leroy Sané auf. Das 2:0 von Niklas Süle hatte Joshua Kimmich per Ecke vorbereitet. Und den letzten Treffer erzielte Gnabry nach herrlichem Pass von Kai Havertz. Es war – wohl auch für Müller – wirklich schön mitanzusehen, was dort geboten wurde. Als er dann selbst in der 73. Minute ins Spielgeschehen eingreifen durfte, war die Partie längst gelaufen. Müller verstolperte gleich den ersten Ball, seine wenigen Aktionen wirkten – bis auf eine Hackenvorlage für Julian Brandt – unglücklich. Wie zuletzt so häufig. Es scheint, als verkomme der 29-Jährige langsam, aber sicher zum Auslaufmodell im Nationalteam.

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Auch wenn Joachim Löw immer, wenn er auf seinen kommenden Jubilar angesprochen wird, dessen ungebrochene Bedeutung für die Mannschaft hervorhebt, klingt es anders, als noch vor einigen Jahren. „Thomas Müller hat sich vielleicht zuletzt nicht so gezeigt. Aber er ist ein Antreiber, der viel mit den jungen Spielern spricht. Von daher ist Thomas weiter absolut wichtig.“ Als Anführer, als Ansprechpartner, als Gute-Laune-Onkel. Aber gilt das auch noch für sportliche Belange?

Das sagt Thomas Müller über seine Reservistenrolle

Müller selbst sagt: „Ich habe mit dem Trainer ein absolut gutes Verhältnis. Ich glaube, er weiß um meine Wichtigkeit. Das betont er auch intern in der Mannschaft. Auch weil ich immer versuche, meine Mitspieler zu pushen. Bei mir steht immer die Mannschaft an vorderster Stelle.“ Womit er unbestritten recht hat. Es ist sein einwandfreier Charakter, der ihn als Teamplayer auszeichnet.

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Aber auf dem Platz sind inzwischen andere Qualitäten gefragt, die nicht unbedingt zu seinen Stärken zählen: Tempo, Dribblings, Zweikampfhärte. Müller war hingegen immer ein Schlitzohr. Der Mann, der aus wenig viel machte. Mit einem feinen Gespür dorthin zu gehen, wo es brannte. Garniert mit einem Torriecher.

Bei den Weltmeisterschaften 2010 und 2014 war er mit jeweils fünf Treffern bester deutscher Torschütze. Insgesamt traf er in 99 Länderspielen 38-mal, lieferte dazu 36 Vorlagen – eine grandiose Bilanz. Allerdings liegt sein letzter Treffer mittlerweile schon über acht Monate zurück – im März traf Müller beim 1:1 gegen Spanien. Bei seinem Klub FC Bayern prägte Ex-Trainer Louis van Gaal einst den Satz: „Müller spielt immer.“ Lange Zeit galt dies auch in der Nationalmannschaft. Doch die Zeiten haben sich geändert. Einfacher wird es für Müller in Zukunft sicher nicht – weder bei Niko Kovac in München noch bei Joachim Löw im DFB-Team.


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