12. September 2018 / 06:00 Uhr

Exklusiv: Timo Horn erklärt seine Treue zum 1. FC Köln - DFB-Team bleibt Thema

Exklusiv: Timo Horn erklärt seine Treue zum 1. FC Köln - DFB-Team bleibt Thema

Andreas Kötter
Timo Horn gilt als einer der besten deutschen Keeper - mit dem 1. FC Köln ging er den Weg in die 2. Liga. Im Interview mit dem SPORTBUZZER spricht er über seine Entscheidung und auch über das DFB-Team.
Timo Horn gilt als einer der besten deutschen Keeper - mit dem 1. FC Köln ging er den Weg in die 2. Liga. Im Interview mit dem SPORTBUZZER spricht er über seine Entscheidung und auch über das DFB-Team. © imago/Team 2
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Im Interview spricht der Keeper des 1. FC Köln mit dem SPORTBUZZER über seine Vertragsverlängerung beim FC trotz Bundesliga-Abschieds, die Euphorie in der 2. Liga und seine Ambitionen auf eine Nominierung für die deutsche Nationalmannschaft.

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SPORTBUZZER: Herr Horn, der FC steht ungeschlagen an der Tabellenspitze. Ist der direkte Wiederaufstieg Pflicht?

Timo Horn (25): Das ist alles andere als eine einfache Pflichtaufgabe. Wir haben in der Vorbereitung ein neues Spielsystem einstudiert. Dass das nicht von jetzt auf gleich funktionieren konnte, hat man in den Testspielen gesehen. Nach dem Unentschieden gegen Union Berlin haben mir besorgte Fans gesagt: „So steigen wir nicht auf.“ Zwei Wochen und zwei Siege später mag nun zwar vieles positiv aussehen. Uns ist aber bewusst, wie schnell das umschlagen kann.

Muss man sich nach sechs Abstiegen in 20 Jahren damit abfinden, dass der FC für die 2. Liga zu groß, für die Bundesliga aber vielleicht zu klein ist?

Betrachtet man die Bundesliga, muss man sagen, dass sich bis auf drei, vier Vereine keiner wirklich sicher sein kann, nicht doch mal in Schwierigkeiten zu geraten. Das ist etwas, dass wir in der vergangenen Saison schmerzhaft lernen mussten. Man kann nicht in eine Vorbereitung gehen und sagen: „Okay, wir haben Europa erreicht. Alles Weitere wird schon von allein laufen.“ Rückblickend haben wir schon damals in der Vorbereitung hier und da ein paar Prozent liegen lassen.

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Kann man das damit vergleichen, was mit der Nationalmannschaft vor und bei der WM geschehen ist?

Ich war da natürlich nicht dabei, glaube aber, dass es oft ein schleichender Prozess ist, der zu solchen Einbrüchen führt. Erst ruft man im Training nicht immer hundert Prozent ab, dann nimmt man die Testspielergebnisse nicht so ernst, und automatisch macht man auch den einen Schritt extra im Pflichtspiel nicht mehr. Es sind diese Kleinigkeiten, die sich fast unmerklich einschleichen, die in der Summe aber über eine ganze Saison entscheiden können. Vielleicht war es bei der Nationalmannschaft ähnlich.

So lief bisher die Köln-Saison

Scheitert man beim FC bisweilen auch am Glauben an die eigene Großartigkeit?

Die Gefahr besteht. Es ist ja nicht nur die lokale Presse, die einem immer wieder suggeriert, wie gut alles läuft – wenn es läuft. Im Supermarkt, beim Bäcker, an der Tankstelle, überall wird man als Spieler des 1. FC Köln dann mit dieser großen Euphorie konfrontiert.

Nationalmannschaft abgehakt? "Ich sehe mich ohnehin erst in zwei, drei Jahren auf dem mir möglichen Toplevel"

Sie haben Ihren Vertrag trotz des Abstiegs verlängert.

Ich bin in mich gegangen und habe mich gefragt: „Was willst du eigentlich, was ist dir wirklich wichtig?“ Und ich habe auf mein Herz gehört. Ich glaube, das ist der Fehler, den viele in so einer Situation machen: dass sie nicht auf ihr Herz hören. Es gibt genügend Spieler, die zu ihrem Heimatklub zurückgekehrt sind, nachdem sie woanders mehr oder weniger gescheitert sind.

Haben Sie damit die Nationalmannschaft abgehakt?

Angesichts der Torhüter, die wir in Deutschland haben, ist es so schon schwierig genug, in diesen Kreis aufgenommen zu werden. Dass es nun, in der 2. Liga, noch deutlich schwieriger wird, ist mir klar. Ich versuche dennoch, mich als Spieler zu verbessern, und ich sehe mich ohnehin erst in zwei, drei Jahren auf dem mir möglichen Toplevel. Dann bin ich im richtigen Alter, um noch mal voll anzugreifen. Jedenfalls hätte ich wegen des Ziels Nationalmannschaft niemals eine Entscheidung gegen den FC getroffen.

Timo Horn spielte bereits in der U21 für Deutschland.
Timo Horn spielte bereits in der U21 für Deutschland. © imago/Christian Schroedter

"Für den Fan wird es immer schwieriger, sich zu identifizieren"

Diese Entscheidung ist heutzutage eher ungewöhnlich.

Wenn Spieler nur auf das Geld schauen oder den Verein verlassen, wenn sich nicht unmittelbar sportlicher Erfolg einstellt, wird es für den Fan immer schwerer, sich zu identifizieren. Auch der FC hatte dieses Problem über Jahre. Damals ist die Kluft zwischen Spielern und Fans immer größer geworden. Wie schlimm es werden kann, haben wir 2012 mit schwarzen Rauchwolken über dem Stadion erleben müssen.

Das war beim vorletzten Abstieg, als es zu Ausschreitungen kam.

Das hat damals zu einem brutalen Cut geführt und dazu, dass man mehr darauf schaut, ob und wie sich die Spieler, die man verpflichtet, mit dem FC identifizieren. Mit dem Resultat, dass die Fans diesmal trotz einer historisch schlechten Hinrunde zu uns gestanden und uns mit Applaus verabschiedet haben. Das war ein Moment, der mir die Entscheidung zu bleiben noch leichter gemacht hat.


Hier abstimmen: Steigt der 1. FC Köln direkt wieder auf?


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