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Exklusiv: Timo Horn erklärt seine Treue zum 1. FC Köln - DFB-Team bleibt Thema

Andreas Kötter
Timo Horn gilt als einer der besten deutschen Keeper - mit dem 1. FC Köln ging er den Weg in die 2. Liga. Im Interview mit dem SPORTBUZZER spricht er über seine Entscheidung und auch über das DFB-Team. © imago/Team 2

Im Interview spricht der Keeper des 1. FC Köln mit dem SPORTBUZZER über seine Vertragsverlängerung beim FC trotz Bundesliga-Abschieds, die Euphorie in der 2. Liga und seine Ambitionen auf eine Nominierung für die deutsche Nationalmannschaft.

SPORTBUZZER: Herr Horn, der FC steht ungeschlagen an der Tabellenspitze. Ist der direkte Wiederaufstieg Pflicht?

Timo Horn (25): Das ist alles andere als eine einfache Pflichtaufgabe. Wir haben in der Vorbereitung ein neues Spielsystem einstudiert. Dass das nicht von jetzt auf gleich funktionieren konnte, hat man in den Testspielen gesehen. Nach dem Unentschieden gegen Union Berlin haben mir besorgte Fans gesagt: „So steigen wir nicht auf.“ Zwei Wochen und zwei Siege später mag nun zwar vieles positiv aussehen. Uns ist aber bewusst, wie schnell das umschlagen kann.

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Muss man sich nach sechs Abstiegen in 20 Jahren damit abfinden, dass der FC für die 2. Liga zu groß, für die Bundesliga aber vielleicht zu klein ist?

Betrachtet man die Bundesliga, muss man sagen, dass sich bis auf drei, vier Vereine keiner wirklich sicher sein kann, nicht doch mal in Schwierigkeiten zu geraten. Das ist etwas, dass wir in der vergangenen Saison schmerzhaft lernen mussten. Man kann nicht in eine Vorbereitung gehen und sagen: „Okay, wir haben Europa erreicht. Alles Weitere wird schon von allein laufen.“ Rückblickend haben wir schon damals in der Vorbereitung hier und da ein paar Prozent liegen lassen.

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WM-Glanz im Unterhaus: Diese Nationalspieler spielten in der 2. Liga

Jonas Hector ist nicht der erste Nationalspieler, der zweitklassig spielt. Lukas Podolski und Aleksandar Mitrovic sind weitere Beispiele. Der SPORTBUZZER hat die bekanntesten Zweitliga-Nationalspieler zusammengestellt. © Getty
Ausstiegsklausel ziehen? Nicht mit Jonas Hector. Der Nationalspieler geht mit dem 1. FC Köln nach seiner Vertragsverlängerung bis 2023 in die 2. Liga. Und das als aktueller Nationalspieler - doch damit ist er nicht allein. Schon andere Nationalspieler kickten in den Unterhäusern. © imago
Lukas Podolski machte es vor - ebenfalls für den 1. FC Köln. Die Saison 2004/05 verbrachte er mit den Domstädtern im Unterhaus. Im Juni 2004 debütierte er unter dem damaligen Bundestrainer Rudi Völler. © Bernd Weissbrod
Podolskis DFB-Kollege Oliver Neuville ging in der Spielzeit 2007/08 mit Borussia Mönchengladbach runter - und sammelte trotzdem weiter Einsatzminuten in der Nationalelf. David Odonkor (links) landete übrigens auch nochmal in der 2. Liga bei Alemannia Aachen. Da war sein DFB-Inzermezzo aber schon lang vorbei... © dpa
Auch auf der anderen Rhein-Seite wird neuerdings zweitklassig international gekickt: Genki Haraguchi lief in der Rückrunde 2017/18 für Fortuna Düsseldorf auf und reiste im Sommer mit Japan zur WM - als frischgebackener Aufsteiger. © Julian Smith
Haraguchis Teamkollege Takashi Usami kam im März 2018 zum ersten Mal seit einem Jahr wieder in der japanischen Nationalelf zum Einsatz. © 2016 Getty Images
Noch ein WM-Fahrer aus der 2. Bundesliga: Rurik Gislason vom SV Sandhausen verpasste zwar die furiose EM 2016 seiner Isländer, gehört aber aktuell wieder zum Stammkader bei den Nordeuropäern. In Gruppe D hieß es dann Messi statt MSV. © 2017 Getty Images
Ein Nationaltorwart in Bayern, der nicht Manuel Neuer heißt? Ja, den gibt es: Örjan Nyland. Der Schlussmann von Ingolstadt ging mit den Schanzern in die 2. Liga und hütet den Kasten von Norwegens Nationalelf. © 2014 Getty Images
Mats und Möller - so klingen Weltmeister. Mats Möller Daehli - so klingen international erfahrene Leihspieler im deutschen Unterhaus. Der 23-jährige Nationalspieler Norwegens läuft derzeit für den FC St. Pauli auf. © Maja Hitij/archiv
Zwar blieb Daehli auf dem Quali-Weg nach Russland mit Norwegen auf der Strecke, dafür versprüht ein anderer Spieler WM-Glanz auf dem Kiez: Pauli-Angreifer Aziz Bouhaddouz reiste mit Marokko zur Weltmeisterschaft und traf unter anderem auf Spanien und Portugal. © Daniel Reinhardt/archiv
Tief im Westen ... spielt ein WM-Fußballer. Der VfL Bochum befand sich in der Rückrunde auch dank Robbie Kruse im Aufwind. Mit Australien nahm er an der WM 2018 teil.
Kommen wir zu den Spielern mit internationalen Meriten in den unteren europäischen Ligen. Beim Namen Will Grigg klingelt es jedem Fußballfan seit der EM 2016 im Ohr. Vor dem Turnier schoss er seinen Klub Wigan Athletic aus der 3. englischen Liga in die Championship, dann die Teilnahme mit Nordirland an der Euro. Einsatzminuten gab's keine. Und in der Saison darauf den direkten Wiederabstieg. Aber egal: "Will Grigg's on Fire!" © imago
Aus der Rubrik: Was macht eigentlich...? Ashkan Dejagah spielte nach seinem erfolglosen Intermezzo beim VfL Wolfsburg Anfang 2018 bei Nottingham Forest in der 2. Liga. Auf seinen ersten Einsatz folgte im Frühjahr 2018 eine Knie-OP für den iranischen Nationalspieler. Zur Saison 2018/19 unterschrieb er beim iranischen Klub Tractor Sazi Täbris.
Die Zweitliga-Zeiten von Leon Goretzka beim VfL Bochum sind lang vorbei. Dafür kickt Ruben Neves (rechts im Bild) für Wolverhampton in der zweitklassigen englischen Championship. Sein Transfer auf die Insel sorgte im Sommer 2017 für Aufsehen: Von halb Europa gejagt, ging der portugiesische Nationalspieler für 18 Millionen Euro zu den Wanderers.  © 2017 Getty Images
Die Legende des australischen Fußballs: Tim Cahill. Der Enddreißiger will es bei der WM in Russland noch einmal wissen. Seit Anfang 2018 wechselte er zurück in Europa und spielte in London - allerdings nicht bei einem der Großen, sondern beim FC Millwall in der 2. Liga. 2018/19 wagte er den Sprung in die indische Liga bei Jamshedpur FC. © 2018 Getty Images
Seinen großen Auftritt hatte Mile Jedinak im November 2017, als er seine Australier als Kapitän mit drei Toren in den Playoffs gegen Honduras zur WM schoss. Auf Klub-Ebene macht es der Mittelfeldspieler eine Nummer kleiner: Er spielt in der Championship für Aston Villa. © getty
Ebenfalls bei Aston Villa unter Vertrag: Birkir Bjarnason. Der Isländer machte mit seiner Haarpracht und Kampfstärke bei der EM 2016 auf sich aufmerksam. Doch vom FC Basel zog es ihn in die Championship - wo sich die Nationalspieler mittlerweile tummeln. © 2016 Getty Images
Serbischer Nationalspieler und leidenschaftlicher Snapchat-User: Aleksandar Mitrovic, der kurz beim HSV gehandelt wurde, wechselte zur Rückrunde 2017/18 in die 2. Liga Englands zum FC Fulham. Eigentlich sollte er beim RSC Anderlecht landen. Doch Fulham-Coach Slavisa Jokanovic gelang der Coup - mit einer Nachricht an Mitrovic über den Messengerdienst. Zum Saisonende folgte der Aufstieg mit Fulham in die Premier League. © 2017 Getty Images
Standardspezialist Sebastian Larsson traf in der WM-Gruppe F mit Schweden auf Deutschland. Mit seinem Klub Hull City dümpelte der frühere Arsenal-Profi in der vergangenen Saison durch die Niederungen der Championship - mittlerweile spielt er in Schwedens erster Liga bei AIK Solna. © 2017 Getty Images
Gestatten, Gigi Buffon. Italienische Torwart-Ikone, Weltmeister, Juve-Urgestein. Mit der Alten Dame ging er sogar in die Zweitklassigkeit, als Juve in Folge des Manipulationsskandals 2006 in die Serie B zwangsabsteigen musste. Seiner Karriere hat das - aufgepasst, Herr Hector - ganz und gar nicht geschadet. "Er ist immer ein Welttorwart gewesen, jetzt ist er eine Ikone", sagt etwa Jupp Heynckes. © 2006 Getty Images
Weitere damals aktive Nationalspieler taten es "Grande Gigi" gleich: David Trezeguet etwa. Der Weltklassestürmer ging mit Juventus in die 2. Liga. Für Frankreich lief er noch bis 2008 auf. © 2006 Getty Images
Neun lange Jahre spielte Alessandro Del Piero für Juve - einschließlich der Reise durch die Niederungen der Serie B. Kurz nach der Europameisterschaft 2008 endete für den italienischen Nationalspieler die erfolgreiche Ära in der Squadra Azzurra. © 2006 Getty Images
Und noch einer: Robert Kovac. Vor seinem Wechsel im Sommer 2007 zum BVB spielte die kroatische Abwehrkante für Juventus. Nach dem Wiederaufstieg ging es für den Nationalspieler Kroatiens zurück in die Bundesliga. Heute agiert er als Co-Trainer an der Seite seines Bruders Niko. Ein Hauch Serie B bei den Bayern. © 2006 Getty Images

Kann man das damit vergleichen, was mit der Nationalmannschaft vor und bei der WM geschehen ist?

Ich war da natürlich nicht dabei, glaube aber, dass es oft ein schleichender Prozess ist, der zu solchen Einbrüchen führt. Erst ruft man im Training nicht immer hundert Prozent ab, dann nimmt man die Testspielergebnisse nicht so ernst, und automatisch macht man auch den einen Schritt extra im Pflichtspiel nicht mehr. Es sind diese Kleinigkeiten, die sich fast unmerklich einschleichen, die in der Summe aber über eine ganze Saison entscheiden können. Vielleicht war es bei der Nationalmannschaft ähnlich.

So lief bisher die Köln-Saison

Scheitert man beim FC bisweilen auch am Glauben an die eigene Großartigkeit?

Die Gefahr besteht. Es ist ja nicht nur die lokale Presse, die einem immer wieder suggeriert, wie gut alles läuft – wenn es läuft. Im Supermarkt, beim Bäcker, an der Tankstelle, überall wird man als Spieler des 1. FC Köln dann mit dieser großen Euphorie konfrontiert.

Nationalmannschaft abgehakt? "Ich sehe mich ohnehin erst in zwei, drei Jahren auf dem mir möglichen Toplevel"

Sie haben Ihren Vertrag trotz des Abstiegs verlängert.

Ich bin in mich gegangen und habe mich gefragt: „Was willst du eigentlich, was ist dir wirklich wichtig?“ Und ich habe auf mein Herz gehört. Ich glaube, das ist der Fehler, den viele in so einer Situation machen: dass sie nicht auf ihr Herz hören. Es gibt genügend Spieler, die zu ihrem Heimatklub zurückgekehrt sind, nachdem sie woanders mehr oder weniger gescheitert sind.

Haben Sie damit die Nationalmannschaft abgehakt?

Angesichts der Torhüter, die wir in Deutschland haben, ist es so schon schwierig genug, in diesen Kreis aufgenommen zu werden. Dass es nun, in der 2. Liga, noch deutlich schwieriger wird, ist mir klar. Ich versuche dennoch, mich als Spieler zu verbessern, und ich sehe mich ohnehin erst in zwei, drei Jahren auf dem mir möglichen Toplevel. Dann bin ich im richtigen Alter, um noch mal voll anzugreifen. Jedenfalls hätte ich wegen des Ziels Nationalmannschaft niemals eine Entscheidung gegen den FC getroffen.

Timo Horn spielte bereits in der U21 für Deutschland. ©imago/Christian Schroedter

"Für den Fan wird es immer schwieriger, sich zu identifizieren"

Diese Entscheidung ist heutzutage eher ungewöhnlich.

Wenn Spieler nur auf das Geld schauen oder den Verein verlassen, wenn sich nicht unmittelbar sportlicher Erfolg einstellt, wird es für den Fan immer schwerer, sich zu identifizieren. Auch der FC hatte dieses Problem über Jahre. Damals ist die Kluft zwischen Spielern und Fans immer größer geworden. Wie schlimm es werden kann, haben wir 2012 mit schwarzen Rauchwolken über dem Stadion erleben müssen.

Das war beim vorletzten Abstieg, als es zu Ausschreitungen kam.

Das hat damals zu einem brutalen Cut geführt und dazu, dass man mehr darauf schaut, ob und wie sich die Spieler, die man verpflichtet, mit dem FC identifizieren. Mit dem Resultat, dass die Fans diesmal trotz einer historisch schlechten Hinrunde zu uns gestanden und uns mit Applaus verabschiedet haben. Das war ein Moment, der mir die Entscheidung zu bleiben noch leichter gemacht hat.


Hier abstimmen: Steigt der 1. FC Köln direkt wieder auf?


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