170605OBWSVSCW302 Marie Kuper und den Frauen des SC Weyhe blieb ebenso wie den Herren des Bremer SV trotz der Meisterschaft der Aufstieg verwehrt. © Oliver Baumgart (hansepixx.de)
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Titel ohne Belohnung - wenn der Meister nicht aufsteigt

In den Amateurligen geht nicht jede Meisterschaft mit dem Aufstieg einher - wie die Beteiligten darüber denken

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Meister ja, Aufstieg nein – mit diesem Schicksal müssen sich nach den Relegationsspielen einige Fußballvereine abfinden. Besonders bitter ist das für die Regionalligisten Viktoria Köln (West), SV Elversberg und SV Waldhof Mannheim (beide Südwest), die den Sprung in die 3. Liga und damit den Profifußball in den Entscheidungsspielen verpasst haben. Die Vereinsverantwortlichen brachten ihren Frust darüber teils deutlich zum Ausdruck.

Ein Lied vom Nichtaufstieg trotz Meisterschaft können auch die Frauen des SC Weyhe singen. Nach Niederlagen gegen den SV Henstedt-Ulzburg II (2:3) und den Walddörfer SV (1:3) bleiben sie trotz Meisterschaft Bremer Verbandsligist und schafften nicht den erhofften Sprung in die Regionalliga. Zumindest im Fall des Bremer Fußballs sieht Trainer Rolf Schwenke da aber keine Probleme. „Wir wussten von Anfang an, dass es so ist. Wir sind drei kleine Verbände (Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein, Anm. d. Red.) mit extremer Leistungsschwäche“, zog er einen Vergleich mit anderen Verbänden. Der Niedersächsische Fußballverband sei vermutlich größer als die drei zusammen. Dadurch herrsche in der Oberliga mehr Konkurrenz, und wer sich dort durchsetze, halte in der Regel auch eine Klasse höher mit. „Deshalb ist es okay, dass wir uns mit Mannschaften vom gleichen Format messen müssen.“ Wer diesen Test nicht bestehe, würde sofort wieder aus der Regionalliga absteigen, vermutet Schwenke. Klar ist für ihn aber auch: „Der Titel verliert dadurch an Wert.“

Auf eben jenen Meistertitel dürften die Bremen-Liga-Herren der Bremer SV nicht mehr viel geben. Nicht umsonst hat Trainer Fabrizio Muzzicato nach der abermals misslungenen Relegation trotz herausragender Meisterschaftsrunde seinen Posten geräumt. Immerhin scheiterte der BSV bereits zum vierten Mal in den Entscheidungsspielen am Regionalliga-Aufstieg. „Man muss sicherlich etwas verändern, entweder an der Liga oder die Bremer Mannschaften an sich, um konkurrenzfähiger zu werden“, forderte Muzzicato zuletzt. Weniger Handlungsbedarf sieht allerdings Frank Kunzendorf, Team-Manager des Bremen-Liga-Rivalen Brinkumer SV. Sein Team ist vom ständigen Nichtaufstieg des Bremer SV indirekt betroffen, schließlich spielten die Brinkumer in den vergangenen Jahren trotz eines – im Vergleich zum Rest der Liga – starken Kaders keine große Rolle um Platz eins. „Man sieht, dass in Niedersachsen die Klasse ausgeglichener ist und stärker als in Bremen. Ich finde es korrekt, dass man dann nicht direkt aufsteigt“, sagt Kunzendorf und folgt damit dem Weyher Frauentrainer. Und dennoch: Ein Bremer Verein könne durchaus auch gegen einen niedersächsischen Vertreter gewinnen. Zumal in der Relegation nur der niedersächsische Vizemeister wartet. Für die kommende Saison sieht Kunzendorf das Feld in der Bremen-Liga enger beisammen. „Man muss sehen, wie es sich beim Bremer SV entwickelt und wer im Kader bleibt“, sagt er. An einen Durchmarsch wie in den vergangenen Jahren glaube er nicht. „Mit Hastedt sind es jetzt vier, fünf Mannschaften, die oben mitspielen werden“, sagt der Brinkumer Manager. Er hoffe, dass auch seine Truppe schnell zusammenfindet und oben angreifen kann.

Eine deutlich andere Auffassung vertritt Andreas Henze, Vorsitzender des NFV-Kreises Diepholz. „Bei uns lautet der Tenor: Der Meister muss aufsteigen dürfen“, sagt er. Vorausgesetzt natürlich, die Lizenzauflagen würden eingehalten. Im Diepholzer Raum betrifft das zwar derzeit kein Team, im Gegenteil: der BSV Rehden profitierte vom Drittliga-Aufstieg des SV Meppen (und dem Klassenerhalt des SV Werder Bremen II in der 3. Liga) und darf nun trotz des sportlichen Abstiegs in der Regionalliga Nord bleiben. Doch Henze vertritt einen Ansatz, der er Rolf Schwenke vom SC Weyhe oder Frank Kunzendorf vom Brinkumer SV widerspricht. „Die Leistungsdichte in Bremen ist zwar nicht so groß. Aber dafür spielt man doch Fußball: Der Titel muss das Bestreben einer jeden Mannschaft sein.“ Und am Ende eine entsprechende Würdigung finden . . .

Zwiegespaltener blickt Andreas Henze dagegen auf die Zweitplatzierten, in der Bezirksliga Hannover 1 war das bekanntlich der TV Stuhr. Nur bei einem Klassenerhalt des HSC Hannover in der Oberliga hätten die Stuhrer eine Aufstiegsrelegation spielen dürfen. „Rein sportlich sollte der Vizemeister die Chance haben aufzusteigen“, findet Henze. Sportlich sei es einfach ein größerer Anreiz. Ansonsten würden einige Teams vorzeitig um die Goldene Ananas spielen. Aber: Bei mehr Aufsteigern müssten aus der Landesliga mindestens fünf Teams runter. „Deswegen hätten wir die Zahl der Bezirksligen gerne auf drei reduziert, das wurde aber von den Vereinen abgelehnt“, sagt Henze. Andererseits habe die Erfahrung, zumindest in den Bezirksligen Hannover, gezeigt, dass meist nur der Meister Chancen habe, sich eine Klasse höher zu halten.

Ebenso, wie es nach der Saison zusätzliche Aufstiegs- und Nichtabstiegsplätze geben kann, könnten auch zu den Regelabsteigern weitere hinzukommen. Das hängt davon ab, wie viele Mannschaften aus den höheren Ligen absteigen müssen. Vier Regelabsteiger von der eingleisigen 1. Kreisklasse in die zweigleisige 2. Kreisklasse findet der SC Twistringen aber zu viel und hat deswegen beim NFV-Kreis Diepholz beantragt, das System zu überdenken. „Ein Viertel der Liga muss von vornherein zittern“, sagt SCT-Spartenleiter Stefan Funke. Die SBS Kickers stiegen in diesem Jahr mit 36 Punkten ab, punktgleich mit dem SC Twistringen II – aber mit der schlechteren Tordifferenz. „Das sind immens viele Punkte“, sagt Funke. Er plädiert aus diesem Grund dafür, nur noch drei Mannschaften absteigen zu lassen. Die Vizemeister der Kreisklassen sollten eine Relegation spielen.

Region/Bremen Bezirk Bremen Bezirk Hannover SC Weyhe (Frauen) Brinkumer SV (Herren) Bremer SV (Herren) TV Stuhr (Herren) SBS Kickers (Herren) SC Twistringen II (Herren)

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