09. November 2018 / 16:09 Uhr

Tradition feiern, Punkte sichern : 1. FC Lok feiert 125 Jahre VfB Leipzig

Tradition feiern, Punkte sichern : 1. FC Lok feiert 125 Jahre VfB Leipzig

Thomas Fritz
17. März 1997: Die Spieler des VfB Leipzig feiern einen 3:0-Sieg gegen Mainz.
17. März 1997: Die Spieler des VfB Leipzig feiern einen 3:0-Sieg gegen Mainz. © LVZ-Archiv
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Der Fußball in Probstheida steht in Verbindung mit zwei Namen: Dem heutigen 1. FC Lok, beheimatet in der Regionalliga, und dem VfB Leipzig, erster deutscher Fußballmeister und seit der Saison 2003/04 im Insolvenzverfahren. Am Samstag feiert Letzterer seinen 125. Geburtstag, mit 350 Gästen und großen Plänen.

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Beim Blick auf die Regionalliga-Tabelle dürfte beim 1. FC Lok aktuell niemanden zum Feiern zumute sein. Doch Jahrestage nehmen darauf keine Rücksicht. Knapp drei Jahre nach dem 50. Lok-Geburtstag jährt sich die Gründung des Radfahr- und Athletikvereins Sportbrüder Leipzig zum 125. Mal. Die Sportbrüder schlossen sich 1898 mit dem Verein für Bewegungsspiele Leipzig zusammen und bildeten den VfB Sportbrüder 1893 Leipzig. Der ist DFB-Gründungsmitglied und erster deutscher Fußballmeister im Jahr 1903.

Am Sonntag vor 125 Jahren gründeten Johannes Kirmse und Albert Rößler den Verein, der zum VfB wurde. Am Vorabend laden Lok und VfB in der Kongreßhalle am Zoo zu einer großen Festveranstaltung mit Partnern aus Politik, Wirtschaft und Sport. Zum runden Geburtstag wurde nach einem Aufruf an die Fans ein Jubiläums-Logo entworfen.

DURCHKLICKEN: Sechs Zeitzeugen erinnern sich

<b>Frank Edmond</b> war fester Bestandteil der  Bundesliga-Elf und lief fast 350 Mal für die Probstheidaer Teams auf. Schon sein Geburtsjahr war ein Fingerzeig: Als Frank Edmond 1966 geboren wurde, war der 1. FC Lokomotive Leipzig erst wenige Monate alt. Und als er mit 13 ehrfürchtig auf dem Clubgelände stand und an der Wand von Liebe, Ehre und Treue zum Verein las, schwenkte das Schicksal endgültig auf die Gleise der Loksche ein. „Ich hatte das große Glück, zwischen ehemaligen Topspielern heranzureifen – wie Henning Frenzel, Werner Gase oder Wolfram Löwe“, sagt Frank Edmond. Der 51-Jährige lief 349 Mal für Lok und VfB auf, stand 1987 im Finale des Europapokals der Pokalsieger und war Teil der legendären Bundesliga-Elf 1993/94. „Großartige Erinnerungen habe ich natürlich an unsere gemeinsamen Erfolge, wie die beiden gewonnenen FDGB-Pokalendspiele in Berlin, die großen Europacup-Abende im Zentralstadion – die unvergessen sind, sich auf die Festplatte vieler Leipziger eingebrannt haben und nicht getoppt werden können. Lok ist im wundervollen Sinne einzigartig“, sagt Edmond. Und: „Lok ist Kult!“ Zur Galerie
Frank Edmond war fester Bestandteil der Bundesliga-Elf und lief fast 350 Mal für die Probstheidaer Teams auf. Schon sein Geburtsjahr war ein Fingerzeig: Als Frank Edmond 1966 geboren wurde, war der 1. FC Lokomotive Leipzig erst wenige Monate alt. Und als er mit 13 ehrfürchtig auf dem Clubgelände stand und an der Wand von Liebe, Ehre und Treue zum Verein las, schwenkte das Schicksal endgültig auf die Gleise der Loksche ein. „Ich hatte das große Glück, zwischen ehemaligen Topspielern heranzureifen – wie Henning Frenzel, Werner Gase oder Wolfram Löwe“, sagt Frank Edmond. Der 51-Jährige lief 349 Mal für Lok und VfB auf, stand 1987 im Finale des Europapokals der Pokalsieger und war Teil der legendären Bundesliga-Elf 1993/94. „Großartige Erinnerungen habe ich natürlich an unsere gemeinsamen Erfolge, wie die beiden gewonnenen FDGB-Pokalendspiele in Berlin, die großen Europacup-Abende im Zentralstadion – die unvergessen sind, sich auf die Festplatte vieler Leipziger eingebrannt haben und nicht getoppt werden können. Lok ist im wundervollen Sinne einzigartig“, sagt Edmond. Und: „Lok ist Kult!“ ©
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Der VfB-Vorsitzende Dirk Sander wird die Veranstaltung eröffnen, danach will Lok-Präsident Thomas Löwe zu den 350 Gästen sprechen. Auch ehemalige Lok/VfB-Spieler wie Henning Frenzel, Wolfram Löwe sowie Heidi Lehnert, die Tochter des ersten VfB-Stars Camillo Ugi, sind geladen.

Zahlreiche Titel

Sie erinnern an eine bewegte Klubgeschichte: Dreimal deutscher Meister (1903, 1906, 1913), bis 1925 deutscher Rekordmeister, 1922 Eröffnung des VfB-Stadions (das heutige Bruno-Plache-Stadion), Auflösung des VfB durch die sowjetische Besatzungsmacht nach dem Zweiten Weltkrieg, 1946 Gründung der SG Probstheida, mehrere Umbenennungen, 1966 Gründung des 1. FC Lok, 1991 Rückbenennung in VfB, 2003/2004 VfB-Insolvenz, Neugründung des 1. FC Lok.

Die Krux: Rechtlich steht der heutige Klub in keiner Verbindung zu seinen Vorgängervereinen. In der Vereinssatzung heißt es daher auch nur, dass sich Lok in der Tradition des VfB Leipzig „sieht“. Aus „sieht“ soll bald ein „steht“ werden.

Mit der geplanten Fusion zwischen VfB und Lok wollen die Verantwortlichen die Lücke in der Traditionslinie schließen. Dann könnte – nach Genehmigung durch den DFB – auch der ersehnte Meisterstern auf dem Trikot des Viertligisten prangen. Dirk Sander gilt als Vordenker dieser Idee. Der frühere Lok-Pressesprecher war jahrelang das einzig verbliebene Mitglied des VfB und zahlte seine Beiträge stoisch auf das Insolvenzkonto ein. Als Insolvenzverwalter Friedbert Striewe kurz vor der Abwicklung des VfB stand, stellte ihm Sander seine Idee vor, beide Klubs zu verschmelzen, um die Traditionslinie zu retten. „Ich habe Lok und VfB schon immer als einen Verein gesehen“, sagt Lok-Boss Thomas Löwe: „Wenn uns 2019 die Fusion gelingt, dann sind 125 Jahre Leipziger Fußball-Tradition im 1. FC Lok vereint.“

Komplizierte Lage

Manche sehen in solchen Bemühungen „Geschichtsklitterung“ und den Versuch, sich mit fremden Federn zu schmücken. Nach einem SPORTBUZZER-Bericht im Mai gab es einige kritische Stimmen. André Göhre vom NETZwerk „blau-gelb“ e. V. gilt als einer der besten Kenner der Lok/VfB-Geschichte. Er kann solche Vorwürfe nur bedingt nachvollziehen. „Der 1. FC Lok beziehungsweise ,neue‘ VfB stand bis zum Ende des VfB im Jahr 2003 durchgehend auch in der rechtlichen Nachfolge zum ,alten‘ VfB. Dies sieht sogar der DFB so, der uns 1993 mit einem Ehrenteller zum 100. Geburtstag gratulierte.“ Bei Lok wird die Tradition gepflegt und weitergegeben, es gibt Kontakt zu den Nachfahren der ersten VfB-Generation. Mit Torwarttrainer Maik Kischko steht ein VfB-Urgestein nach wie vor in Probstheida unter Vertrag.

Bei anderen Vereinen ist die Lage in Bezug auf die Tradition ebenfalls kompliziert. Die BSG Chemie wirbt auf ihrer Webseite mit den DDR-Meistertiteln ihrer Vorgänger, doch rein rechtlich gelten die Chemiker als inoffizieller Nachfolgeverein der alten BSG und des FC Sachsen. Unabhängig von geschichtlichen Betrachtungen steht beim 1. FC Lok die Vorfreude auf das Jubiläums-Wochenende im Mittelpunkt. „Es wird spannend, in der Kongreßhalle in viele bekannte Gesichter zu blicken“, sagt Thomas Löwe. Ein Sieg tags darauf wäre die Krönung der Feierlichkeiten – und würde sicherlich auch die Ahnen stolz machen.

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