12. Februar 2019 / 08:00 Uhr

Thomas Tuchel hat PSG im Griff: So bringt er die Top-Stars um Neymar, Mbappé & Co. zum Erfolg

Thomas Tuchel hat PSG im Griff: So bringt er die Top-Stars um Neymar, Mbappé & Co. zum Erfolg

Heiko Ostendorp
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Lächelt verschmitzt: Thomas Tuchel führt Paris-Saint Germain bislang souverän durch die Saison.
Lächelt verschmitzt: Thomas Tuchel führt Paris-Saint Germain bislang souverän durch die Saison. © imago/Jan Huebner
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Thomas Tuchel hat aus seinen Fehlern gelernt - und das Starensemble von Paris Saint-Germain im Griff. Doch der Druck auf den deutschen Trainer ist gewaltig. Das Achtelfinale der Champions League gegen Manchester United ist die nächste Reifeprüfung.

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Es ist ein skurriles Video, welches einiges aussagt über die Verhältnisse bei Paris Saint-Germain. Während des Kurztrainingslagers in Katar gibt es ein Kamelrennen. Doch auf dem Rücken der Tiere sitzen nicht die Superstars des französischen Scheichklubs, sondern kleine Roboter mit Trikots von Neymar und Co. Die Spieler und Thomas Tuchel rasen in Autos neben der Rennstrecke her und feuern die Kamele per Walkie-Talkie an. Gaga, verrückt. Der deutsche Trainer siegt am Ende vor dem brasilianischen Superstar. Beide fallen sich danach in die Arme und feiern, als hätten sie gerade die Champions League gewonnen.

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Neymar & Co.: Topstars fehlen PSG verletzt

So weit ist es allerdings noch nicht. Heute (21 Uhr) muss PSG im Achtelfinalhinspiel der Königsklasse bei der Mannschaft der Stunde, Manchester United, ran. Tuchel sitzt wieder auf der Bank, nachdem er zuletzt im französischen Pokal auf die Tribüne verbannt wurde, weil er sich über den Schiedsrichter aufgeregt hatte. Neymar ist – wie wohl auch Thomas Meunier und Edinson Cavani – nicht mit dabei. Er fällt nach seinem Mittelfußbruch vermutlich noch bis April aus.

Doch auch so ist Tuchels Luxuskader in der Lage, bis zum Ende um den Titel mitzuspielen, was auch das ausdrückliche Ziel von Besitzer Nasser El Khalifi ist, zu dem der Trainer einen ausgezeichneten Draht besitzt – genau wie zu Neymar und den vielen Topstars des Teams. „Er ist liebevoll, weiß aber auch, wann es nötig ist, uns die Ohren lang zu ziehen“, sagte der Brasilianer kürzlich in einem Interview über seinen Chef, dem viele genau dies nicht zugetraut hätten.

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Tuchel gab der Mannschaft eine Hierarchie

Doch Tuchel hat es in kürzester Zeit hinbekommen, die Menschen in Paris mitzunehmen, inklusive seines Enfant terrible. Sogar als Neymar kürzlich seine Geburtstagsparty schmiss, tauchte der sonst alles andere als feierwütige Tuchel dort auf. Getreu dem Motto „Eine Nacht in Rot“ kam er im roten Anzug und scherzte mit seinen Spielern.

Mit Zuckerbrot und Peitsche hält er seine Truppe auf Trab. Als Kylian Mbappé zu spät zur Teambesprechung aufkreuzte, scheute sich Tuchel nicht davor, ihn anschließend auf die Bank zu setzen. So wie er es in Dortmund auch schon mit Pierré-Emerick Aubameyang getan hatte, wenn dieser mal wieder aus der Reihe tanzte.

Tuchel hat gelernt aus seiner BVB-Zeit, in der er zwar ausgesprochen erfolgreich, aber auch nicht sonderlich beliebt war und nach einem Zerwürfnis mit der Klubführung trotz des Pokalsiegs entlassen wurde. Bei PSG hat er von Anfang an die richtigen Maßnahmen ergriffen. Nach der enttäuschenden WM besuchte er Neymar und baute ihn auf. Auch mit den anderen Führungsspielern führte er Gespräche und gab der Mannschaft eine Hierarchie, eine Struktur. Unter seinem Vorgänger Unai Emery waren alle gleich gewesen – was zum Chaos in der Kabine führte.

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Sie waren die Superstars von Paris St.-Germain: Ronaldinho, David Beckham und Zlatan Ibrahimovic spielten für den Klub aus Frankreich - das machen sie heute! ©

Tuchel kam vom ersten Tag gut an. Er lud die Mitarbeiter des Klubs zum Essen ein und beantwortete die Fragen der Journalisten auf Französisch, auch wenn ihm manchmal Begriffe entfallen waren – wie zuletzt das Wort „défaite“ (Niederlage). Dies könnte daran gelegen haben, dass er es noch nicht sehr oft benutzen musste. Denn Tuchels Bilanz ist überragend: Von 34 Pflichtspielen gewann er bislang 27, sein Team schoss dabei 101 Tore.

„Défaites“, Niederlagen, gab es bisher nur drei. Eine bittere, weil bei Jürgen Klopps FC Liverpool in der Gruppenphase der Champions League. Eine peinliche, weil im Viertelfinale des Ligapokals gegen Schlusslicht Guingamp. Und eine Anfang Februar in Lyon, welche kaum ins Gewicht fällt, da PSG der nationale Titel bei zehn Punkten Vorsprung und zwei Spielen weniger ohnehin kaum noch zu nehmen ist.

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Tuchel glänzt auch bei PSG als Taktikfuchs

Wie in Deutschland glänzt Tuchel auch in Frankreich als Taktikfuchs, stellt häufig während des Spiels um und überrascht mit neuen Rollen für seine Spieler. Neymar beorderte er vom linken Flügel in die Mitte, Julian Draxler spielt inzwischen im defensiven Mittelfeld. Bisher geht sein Plan auf. Doch auch Tuchel weiß, dass sich seine Ausgangslage ganz schnell ändern kann, wenn er gegen Manchester United in der Champions League scheitern sollte.

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