B59P3945-2 Sparten-Chef Volker Guttmann betont, dass die Fußballer der TuSG Ritterhude ihr "Wohnzimmer", den Jahnsportplatz, nicht aufgeben wollen - auch nicht für einen Verbrauchermarkt. © Christian Kosak
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TuSG Ritterhude: Was passiert mit dem Jahnsportplatz?

Entwicklungsgesellschaft möchte dort Verbrauchermarkt errichten - Bauanfrage liegt vor

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Im vergangenen April hat Oliver Braasch in Ritterhude an der B 74, Ecke "Am großen Geeren" eine Edeka-Filiale eröffnet. Die Versorgungslücke, die der Fortgang von Netto dort gerissen hatte, ist damit geschlossen. Doch für wie lange? Der Mietvertrag ist auf drei Jahre befristet. "Der Standort ist gut", sagt Braasch auf Nachfrage der Redaktion. Aber ein Geschäft mit nur 500 Quadratmetern Verkaufsfläche sei langfristig nicht tragbar. "Das entspricht nicht mehr den Anforderungen der Zeit."

Aus dieser Haltung hat Braasch nie einen Hehl gemacht. Er sucht nach Erweiterungsmöglichkeiten. Am liebsten am gleichen Standort. Sein Blick ist auf den benachbarten Jahnsportplatz gefallen. "Mir wurde signalisiert, dass der Verein die Fläche dort ganz gern zur Verfügung stellen würde", berichtet Braasch. Probleme mit dem Oberflächenwasser,
der Umstand, dass der Platz oft wegen Nässe nicht bespielbar sei, seien wohl die Gründe dafür.

Die H3 Entwicklungsgesellschaft aus Ritterhude hat daher nun eine Bauvoranfrage für dieses Sportgelände gestellt. Sie möchte auf dem Areal, das der Gemeinde gehört, einen Verbrauchermarkt errichten. Die gewünschte Verkaufsfläche soll 1900 Quadratmeter betragen – zuzüglich Nebenräume. Für Autos wären laut Entwurf 162 Stellplätze vorgesehen. Für
Dienstag, 13. Februar, steht die Voranfrage auf der Tagesordnung des Ausschusses für Bau, Planung und Verkehr, der ab 17 Uhr im Rathaus tagt.

Die Fußballer des TusG Ritterhude nutzen den Jahnsportplatz seit 70 Jahren. Volker Guttmann, Vorsitzender der Fußball-Sparte, bezeichnet ihn als ihre "gute Stube", ihr "Wohnzimmer". Sie hätten dort ihr Vereinsheim, ihre Umkleiden, ihre Garage, ihr Museum. Die zentrale Lage sei perfekt – "vor allem für die ganz Kleinen". Guttmann sagt daher:
"Ich glaube nicht, dass die Fußballer ihr Wohnzimmer aufgeben wollen." Der Pachtvertrag, den die Sportler mit der Gemeinde Ritterhude geschlossen haben, laufe zudem noch ein paar Jahre, bemerkt der Sparten-Vorsitzende und betont: "Wir haben den Wunsch kundgetan, den Vertrag zu verlängern." Im Gespräch mit der Gemeinde hätten sie sich entsprechend positioniert: "Wir wollen dort unten bleiben."

Wer wolle und könne auch eine Alternative bezahlen? Wenn sie sich veränderten, wollten sie sich schließlich auch verbessern. Und um all das neu zu bauen, was sie sich am Jahnsportplatz geschaffen hätten, würde mehr als eine Million Euro benötigt, schätzt Guttmann. Selbst sich eine gute Alternative zum jetzigen Standort finden ließe, glaubt er
nicht, dass die Gemeinde dieses Geld aufbringen will und kann. Der Verkauf des Grundstücks an der Straße Am großen Geeren würde dann zu einem Nullsummenspiel. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Gemeinde daran gelegen ist."

Dass wiederum der Investor selbst sowohl den Jahnsportplatz für den Verbrauchermarkt erwerben und gleichzeitig auch den Sportlern ihren Umzug bezahlen würde, hält Volker Guttmann für unrealistisch. "Ich sehe dieser Bauvoranfrage daher ganz entspannt entgegen." Auch deshalb, weil er überzeugt ist, dass das Ganze zu einem Politikum würde, sollte die
Gemeinde tatsächlich einem Verkauf zustimmen.

Tatsächlich rät die Verwaltung auch davon ab. In ihrer Vorlage für die Sitzung am 13. Februar empfiehlt sie den Politikern, die Errichtung eines Verbrauchermarktes an jener Stelle abzulehnen. Auf Nachfrage erklärt Bürgermeisterin Susanne Geils: "Im Laufe der Jahre gab es immer mal wieder entsprechende Anfragen." Die seien aber stets abschlägig beantwortet worden.

Zugleich weist auch Geils darauf hin, dass es in diesem Fall um die Zukunft der Edeka-Filiale gehe. Aus Gesprächen mit Bürgern weiß sie, wie wichtig der Markt den Anwohnern ist. "Es wohnen dort viele ältere Menschen, die ihre Einkäufe zu Fuß erledigen wollen und für die die neue Ortsmitte an der Riesstraße zu weit entfernt ist."

Allerdings sei ihr auch klar, dass die jetzt vorhandenen 500 Quadratmeter Verkaufsfläche für einen Markt schlicht zu klein sind. "Der jetzige wird wieder raus gehen", so Geils. Braasch habe ihr zwar gesagt, dass er gern mit seiner Filiale bleiben würde. Nur wie? "Wir haben schon alle Möglichkeiten durchgespielt." Selbst die, die Parkplätze nach oben zu verlegen und so den Parkplatz für eine Bebauung frei zu bekommen. Aber nichts funktioniere.

Irgendwann habe die H3 Entwicklungsgesellschaft wegen des Sportplatzes angefragt. Dagegen sprächen aber nicht nur die langjährigen Ansprüche der Sportler. Geils verweist auch auf das Regionale Raumordnungsprogramm (RROP) des Landkreises Osterholz. Dieses lasse dort zwar einen Verbrauchermarkt zu. Aber nur einen mit einer Verkaufsfläche
 von maximal 800 Quadratmetern. Der Entwurf der Entwicklungsgesellschaft sei zu groß. Verbrauchermärkte dieser Größenordnung erlaube das RROP nur im zentralen Versorgungsbereich. Der befindet sich in Ritterhude entlang der Riesstraße, berichtet Geils. Sie persönlich habe zu dem Thema auch eine ganz klare Haltung: "Wenn es für die Sportler keinen anderen Platz gibt, brauchen wir über dieses Thema nicht weiter zu sprechen."

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