Yannick Gerhardt steckt noch der Abstiegskampf mit dem VfL Wolfsburg in den Knochen. SPORTBUZZER-Reporter Robert Hiersemann hat ihn besucht. Yannick Gerhardt steckt noch der Abstiegskampf mit dem VfL Wolfsburg in den Knochen. SPORTBUZZER-Reporter Robert Hiersemann hat ihn besucht. © imago/Montage Sportbuzzer
Yannick Gerhardt steckt noch der Abstiegskampf mit dem VfL Wolfsburg in den Knochen. SPORTBUZZER-Reporter Robert Hiersemann hat ihn besucht.

U21-Nationalspieler Yannick Gerhardt exklusiv: "Der Überlebenskampf ging mir an die Nieren"

Mit dem VfL Wolfsburg hat er den Abstieg in letzter Sekunde abgewendet, mit der U21-Nationalmannschaft will er im Juni Europameister werden. Yannick Gerhardt im Interview über die Atmosphäre im Team und die Nichtnominierung für die A-Nationalmannschaft.

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Herr Gerhardt, am 15. November 2016 haben Sie ihr Debüt für die A-Nationalmannschaft gegen Italien geben. Jetzt geht es für Sie im entscheidenden Topspiel am Mittwochabend mit der U21 wieder gegen die „Squadra Azzurra“. Wie lautet die Zielsetzung?

Wir haben mit sechs Punkten aus den ersten beiden EM-Spielen ein gutes Polster. Und jetzt wollen wir gegen Italien gewinnen! Wir haben Selbstvertrauen getankt. Bei einem solchen Klassiker will ich als Sieger vom Platz gehen.

Auf welchen Italiener muss Ihre DFB-Auswahl besonders achten?

Bei meinem Debüt für die A-Nationalmannschaft haben einige von den aktuellen italienischen U21-Jungs schon mitgespielt. Federico Bernardeschi (Spieler vom AC Florenz, Anm. d. Red.) zum Beispiel, genau wie Torwart Gianluigi Donnarumma (AC Mailand). Die Italiener haben tolle Einzelspieler und stehen für eine gute Defensive. Es wird schwierig. Aber wir haben sechs Punkte im Gepäck und damit die besten Karten.

Das sind die Stars der U21-EM

Inklusive des Trainingslager sind Sie mehr als vier Wochen mit der DFB-Auswahl unterwegs. Wie muss man sich das Zusammenleben von so vielen jungen Erwachsenen über einen langen Zeitraum vorstellen?

Wir alle haben Zimmer auf einer Etage. Und die Truppe ist echt cool. Die meisten Zimmertüren in unserem U21-Flur sind immer geöffnet. Fast wie in einer WG. Das war im Trainingslager in Grassau so und ist auch im Turnierquartier in Wielizcka so. Samt der lauten Musik aus einigen Räumen (lacht).

Welcher Spieler hört am lautesten Musik?

Mo Dahoud. Immer wenn ich an seinem Zimmer vorbeilaufe, ist auch Musik an. Er hört ganz gerne traditionelle Lieder aus Syrien. Dort stammt er ja her.

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Sie sind ein flexibler Spieler. Laufen aktuell vor allem als Linksverteidiger auf. Auf welcher Position sehen Sie sich in fünf Jahren?

Früher hätte ich gesagt: ich bin zentraler Mittelfeldspieler. Ich mag es, das Spiel von dort aus zu organisieren. In der Nationalmannschaft werde ich als linker Außenverteidiger eingesetzt und kann mir auch diese Rolle sehr gut vorstellen.

"Es geht in beiden Turnieren um sehr viel. Das haben Jogi Löw und Stefan Kuntz deutlich gemacht."

Für den Confed Cup in Russland hat es für Sie trotz bereits Ihrer A-Länderspieleinsätze nicht gereicht. Warum?

Ich glaube nicht, dass die U21-EM in Polen eine kleinere Bühne bietet, um sich zu präsentieren, als der Confed Cup. Stefan Kuntz als auch Joachim Löw wollten schlagkräftige Truppen für ihre Turniere haben. Da mussten die Spieler eben aufgeteilt werden.

Aber weshalb hat es nicht für die A-Nationalmannschaft gereicht?

Wie gesagt: ich würde nicht implizieren, dass es nicht reicht. Es geht in beiden Turnieren um sehr viel. Das haben Jogi Löw und Stefan Kuntz deutlich gemacht.

Sportbuzzer vor Ort bei der U21-EM: So lief der dritte Tag in Polen

"Der Überlebenskampf mit Wolfsburg ging mir an die Nieren"

Im Jahr 2015 erkrankten Sie am pfeifferschen Drüsenfieber und fielen monatelange aus. Jetzt der Fast-Abstieg mit Wolfsburg. 2015 oder 2017, welches Jahr war schlimmer für Sie?

Ich konnte 2015 in Köln durch meine Erkrankung nicht selbst mitwirken. Ich glaube, das war deshalb die noch schwierigere Situation für mich. Ich war Zuhause gefangen, konnte meinen Traumjob nicht mehr ausüben. Das war die dunkelste Stunde meiner jungen Fußballerkarriere.

Und die Saison mit Wolfsburg?

Der Überlebenskampf mit Wolfsburg ging mir an die Nieren. Aber zum Glück gab es einen halbwegs guten Ausgang.

Der VfL hat die Klasse mit Platz 16 und einer erfolgreichen Relegation nur knapp gehalten. Was war die schwierigste Situation in dieser Saison für Sie persönlich?

Der Gegentreffer zum 1:2 in Hamburg am 34. Spieltag, durch den wir in die Relegation mussten. Ich war im entscheidenden Zweikampf direkt beteiligt. Für mich war es unendlich bitter mitzuerleben, wie sich die Menschen im Stadion in Hamburg freuten als für uns klar wurde dass es in die Relegation geht.

Fotos vom ersten Relegationsspiel zwischen dem VfL Wolfsburg und Eintracht Braunschweig

Große Freude für Ex-Klub 1. FC Köln

Wie ging es Ihnen nach der Partie?

Die Nacht nach dem Hamburg-Spiel habe ich viel nachgedacht. Ich habe mir die Frage gestellt, warum ich dem Team in dieser wichtigen Situation nicht besser helfen konnte. Aber solche Erfahrungen gehören nun mal dazu.

Ihr Wechsel von Köln nach Wolfsburg war einer der unglücklichsten Transfers der vergangenen Saison. Der FC spielt jetzt in Europa und Sie wären fast abgestiegen.

Ich freue mich riesig für den FC, dass sie in der kommenden Saison international spielen. Das ist krass! Mein sportliches Ziel war in dieser Spielzeit ein ganz anderes als nun am Ende herausgesprungen ist. Ich wollte das erreichen, was Köln jetzt hat. Natürlich kann man nach dieser enttäuschenden Saison sagen, dass mein Wechsel unglücklich war. Ich sehe das aber anders. Für meine Entwicklung war dieser Schritt richtig. Ich habe in diesem Jahr sehr viel gelernt.

FC-Trainer Peter Stöger machte Sie einst zum Profi. Aktuell wird er bei anderen Vereinen gehandelt. Wie wichtig ist es für den FC, dass Stöger bleibt?

Peter Stöger hat immer völlig offen gesagt, dass wenn Kölner Spieler starke Leistungen bringen sie auch interessant für andere Vereine werden. Ich glaube, dass das auch für den Trainer gilt. Und deshalb rückt Stöger aktuell in den Fokus anderer Klubs. Und zwar völlig zu Recht! Doch Stöger passt mit seinem Charakter und Humor perfekt zum FC. Es wäre für den FC sehr wichtig, dass er bleibt.

U21 EM Yannick Gerhardt (VfL Wolfsburg)

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