X
Fußball in Deutschland
Fußball International
Fußball-Nationalmannschaft
Fußball in den Regionen
Fussball nach Bundesländern
MALLEBUZZER
Boulevard
eSports
Sportmix

"Um intensiver zu arbeiten": Braunschweig-Trainer Pedersen sortiert sechs Spieler aus

Alex Leppert
 Eintracht-Trainer Henrik Pedersen greift in der Krise hart durch. © imago/Jan Huebner

Drittliga-Schlusslicht Eintracht Braunschweig sucht mit allen Mitteln der Weg aus der Krise. Trainer Hendrik Pedersen hat seinen Kader verkleinert, Einzelgespräche mit den Spielern geführt und ein Trainingslager bezogen. Zudem wird nach einem neuen Torwart gefahndet.

Mit einem deprimierenden 0:3 bei der SpVgg Unterhaching war Eintracht Braunschweig in die Länderspielpause gegangen. Am Freitag will der Tabellenletzte der 3. Liga die Wende schaffen. Vor der Partie gegen Carl Zeiss Jena (Anpfiff 19 Uhr) haben die Braunschweiger Fußballer alle Register gezogen, damit sich etwas ändert.

Los ging es bereits kurz vor dem Haching-Spiel mit der Verpflichtung des drittligaerfahrenen Offensivmanns Manuel Janzer von Holstein Kiel. Er dürfte gegen Jena sein Debüt für die Blau-Gelben feiern. "Ich kann mir eigentlich kein besseres erstes Spiel vorstellen als an einem Freitagabend vor den eigenen Fans", sagt der 26-Jährige.

Anzeige
1/15

Das sind die 15 erfolgreichsten Torjäger von Eintracht Braunschweig.

15. Holger Aden (56 Tore): Nur drei Jahre spielte Aden für die Eintracht, doch in dieser Zeit traf er (fast) wie am Fließband: 56 Tore in 102 Spielen für die Braunschweiger.  © imago/Rust
14. Dietmar Erler (61 Tore): Nach seiner kurzen Zeit bei Arminia Bielefeld (1966 bis 1968) und Borussia Dortmund (1968 bis 1970) wurde Erler in Braunschweig sesshaft. Ganze elf Jahre lang spielte er für die Eintracht. © imago
 13. Dennis Kruppke (62 Tore): Auf Torejagd für die Eintracht kann Kruppke nicht mehr gehen. 2015 beendete er seine aktive Spieler-Karriere bei den Löwen - mit einer beeindruckenden Statistik. In 204 Pflichtspielen für die Braunschweiger traf Kruppke 62-mal, 30 weitere Tore legte er auf. © Getty Images
11. Werner Oberländer (67 Tore ): Oberländer spielte nach dem Krieg für Thale. In Folge eines Gasteinsatzes im Trikot von Chemie Leipzig im Jahr 1951 gegen den Hamburger SV, gegen den er zwei Tore erzielte, verließ Oberländer die ehemalige DDR und schloss sich der Eintracht an. Bis zum Sommer 1956 blieb er bei den Löwen, bevor er wieder in die Heimat zu STahl Thale zurückkehrte.
11. Wolfgang Frank (67 Tore in 118 Pflichtspielen): Frank (rechts) wechselte zur Saison 1974/75 vom AZ Alkmaar zur Braunschweiger Eintracht. Vier Jahre lang blieb der Mittelstürmer in der Löwenstadt, danach zog es ihn zu Borussia Dortmund, dem 1. FC Nürnberg, den FSV Bad Windsheim und letztlich zum Karriereausklang in die Schweiz zum FC Glarus, wo seine Trainerlaufbahn begann. Frank trainierte unter anderem Mainz 05 und den MSV Duisburg. Im Jahr 2013 verstarb er im Alter von gerade einmal 62 Jahren. © dpa
10. Ludwig Bründl (71 Tore in 159 Pflichtspielen): Als Regionalliga-Torschützenkönig kam der Münchener 1971 von den Stuttgarter Kickers. Im UEFA-Cup stellte „Bubi“ mit seinen fünf Treffern beim 6:1 gegen Glentoran Belfast sogar einen europäischen Rekord auf. In sechs Partien traf der variable Angreifer hier insgesamt zehnmal. Im Winter 1975/76 wechselte er zu Vevey Sports in die Schweiz. © imago/Rust
9. Winfried Herz (73 Tore in 191 Spielen): Er kam 1952 gemeinsam mit Teamkollege Heinz Wozniakowski (von Turbine Erfurt) sowie Werner Oberländer (Stahl Thale) und aus der damaligen DDR und wurde zunächst einmal gesperrt. Der Halbstürmer führte das Team 1953 in die Oberliga zurück und feierte 1958 seinen größten Erfolg, als er mit der Eintracht als Kapitän die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft erreichte. Zwei Jahr später endete seine Karriere.
8. Bernd Buchheister (78 Tore in 271 Spielen): An guten Tagen wurde der Braunschweiger, der 1985 vom MTV Gifhorn gekommen war, als „Buche“ von den Fans geliebt, an schlechten machte wieder mal der Spitzname „Bacardi“ die Runde. In der Abstiegssaison 1992/93 lief er am Ende als Libero auf und wechselte danach als 30-Jähriger zum neuen Oberliga-Konkurrenten SV Lurup.  © imago/Rust
7. Heinz Wozniakowski (79 Tore in 148 Spielen): Der am Weihnachtstag 1924 geborene Erfurter kam im Januar 1952 aus der DDR zur Eintracht und geriet umgehend in die Schlagzeilen, weil er wie seine Kollegen keine gültige Spielberechtigung aufwies. 1958 verabschiedete sich Wozniakowski vom bezahlten Fußball, er starb bereits 1964 nach schwerer Krankheit. 
6. Domi Kumbela (83 in 226 Spielen, Stand: 4.3.2018): Der in der Pfalz aufgewachsene Kongolese kam als einziger Spieler überhaupt dreimal zur Eintracht – und das jedes Mal im Winter (2008, 2010, 2016). Und er wurde auch als einziger zweimal Liga-Torschützenkönig, nämlich beiden Aufstiegen 2011 (in der 3. Liga) sowie 2013 (2.Liga). © dpa
5. Lothar Ulsaß (90 Tore in 215 Spielen): „Lotte” gilt für viele noch immer als bester Eintracht-Fußballer aller Zeiten. Der Halbstürmer, der heute als Zehner bezeichnet werden würde, war nicht nur ein hervorragender Vorbereiter, sondern auch ein treffsicherer Torschütze. Der 1964 von Arminia Hannover gekommene Kopf der Meistermannschaft 1967 geriet in den Bundesliga-Skandal 1971, wurde gesperrt und ging nach Österreich. Dort starb er auch bereits 1999 nach einem Schlaganfall. © dpa
4. Ronald Worm (105 Tore in 262 Spielen): Als der Duisburger 1979 für 1 Million Mark als Ersatz für Harald Nickel nach Braunschweig kam, hatte er nicht nur stolze 231 Bundesliga-Spiele auf dem Buckel, sondern auch ein Jahr zuvor bei der WM in Argentinien zum deutschen Kader gezählt. Bis zum Abstieg in die Oberliga 1987 blieb der Linksaußen ein Blau-Gelber, in späteren Jahren gab er zeitweise auch den Libero.  © imago/Rust
3. Bernd Gersdorff (112 Tore in 265 Spielen): Der schnauzbärtige Berliner, der von 1969 bis 1976 ein Blau-Gelber war, schaffte etwas ganz Besonderes: Nach einem Ausflug zu Bayern München 1973 kam Gersdorff erst Mitte Dezember zurück zur Eintracht und traf in nur 19 Partien stolze 35-mal in der Regionalliga. © imago/Ferdi Hartung
2. Jürgen Moll (122 Tore in 311 Spielen): Nach mehrmonatiger Wechselsperre startete das vom MTV Braunschweig gekommen Talent 1958 sofort durch und war bis zum seinem tragischen Unfalltod am 16. Dezember 1968 Stammspieler. 1966 war er stürmenden linken Verteidiger umgeschult worden. © imago
1. Werner Thamm (131 Tore in 322 Spielen): Der sprunggewaltige und kopfballstarke Goslarer spielte von 1950 bis 1961 bei der Eintracht, kam in den ersten Jahren aber noch als Abwehrspieler (und einmal sogar als Torwart) zum Einsatz. Mit 260 Einsätzen und 110 Treffern ist Thamm zugleich Eintrachts Oberliga-Rekordspieler als auch -Torschütze.

​Kader von 30 auf 24 Spieler reduziert

Nach der Janzer-Verpflichtung hat Trainer Henrik Pedersen zudem den rund 30 Mann großen Kader auf 24 Spieler reduziert. Die bisher ohnehin meist nur auf der Tribüne sitzenden Besfort Kolgeci, Nick Otto, Samuel Abifade, Ayodele Adetula, Eric Veiga und Leon Bürger sollen sich über die U23 für höhere Aufgaben empfehlen. Dafür hat U23-Akteur Arbnor Muja, ein 19-jähriger Kosovare, in zwei Tests gute Leistungen gezeigt und steht an der Schwelle zu den Profis. Die Verkleinerung des Kaders dient dazu, "um in den Einheiten intensiver arbeiten zu können", so Pedersen.

​"Wollen noch mehr zusammenwachsen"

Ebenfalls um eine erhöhte Intensität geht es beim Kurz-Trainingslager, das die Eintracht am Mittwoch in Wesendorf bei Gifhorn bezog. Pedersen: „Wir haben uns dafür entschieden, um noch stärker in diesen Leistungstunnel zu kommen.“ Der Coach betonte gleichwohl, dass das Ganze keine klassische Krisenmaßnahme sei, sondern: „Wir wollen einfach noch mehr bei uns sein und noch mehr zusammenwachsen.“

Mehr zu Eintracht Braunschweig

​Vertragslose Spieler interessant für die Eintracht

Im Sporthotel "LaVital" wurde hinter verschlossenen Türen trainiert. Außerdem hatte Pedersen viele Einzelgespräche angesetzt – und es ging natürlich darum, die bisher sieglose Mannschaft auf die Jena-Partie einzuschwören. "In der 3. Liga geht sehr viel über den Teamgeist. Man muss als Mannschaft funktionieren, das ist die Basis in dieser Liga", sagt Neuzugang Janzer, der in dieser Klasse 127 Spiele absolviert hat – kein anderer im Braunschweiger Kader kommt auf annähernd so viele.

Obwohl die Transferperiode am 31. August zu Ende ging, dürfte Janzer nicht der letzte Neuzugang in diesem Jahr gewesen sein. Pedersen hat bereits davon gesprochen, sich im Lager der vertragslosen Spieler umzusehen. Die dürfen nämlich auch vor der zur Öffnung des Winter-Transferfensters noch jederzeit verpflichtet werden. Zur Erinnerung: Im Abstiegskampf 2007 wurde seinerzeit Mitte September Ramazan Yildirim unter Vertrag genommen, der keinen Verein mehr hatte.

1/14

Die Löwen in Noten: Die Einzelkritik der Spieler von Eintracht Braunschweig in Haching

Marcel Engelhardt: Bei den Toren machtlos, bis auf eine schwacher Szene zu Beginn sonst solide. Note: 4. © Sielski/Getty
Robin Becker: Erstmals seit dem zweiten Spieltag wieder als Rechtsverteidiger auf dem Platz. Viel in der Offensive unterwegs, aber ohne Ertrag. Kam bei seinem Elfer-Foul zu spät. Note: 4,5. © Sielski/Getty
Felix Burmeister: Spielte für den zuletzt verletzt ausgewechselten Tingager von Beginn an. Hatte in mehreren Szenen Probleme mit dem Tempo der Gegenspieler. Note: 5. © Sielski/Getty
Gustav Valsvik: Wirkte sicherer als sein Nebenmann Burmeister – beim zweiten Gegentor ließ aber auch er sich ausspielen. Note: 4. © Sielski/Getty
Malte Amundsen: War nach abgesessener Gelb-Rot-Sperre wieder dabei. Hatte ein paar gute Szenen, heraus kam aber letztlich nichts. Note: 5. © 2018 Getty Images
Stephan Fürstner: Begann erstmals im rechten Mittelfeld. Die Grätsche vor dem 0:1 war die falsche Entscheidung. Sah auch beim 0:2 nicht gut aus. Note: 5. © Sielski/Getty
Niko Kijewski: Lief zunächst als einziger Sechser auf, war vor dem 0:1 in der Rückwärtsbewegung zu passiv. Wechselte später auf die Linksverteidiger-Position. Note: 5. © Sielski/Getty
Ivan Franjic: Durfte anders als zuletzt gegen Köln wieder von Beginn an ran. Schaffte es als einziger, offensiv Akzente zu setzen. Note: 4. © Sielski/Getty
Onur Bulut: Erst rechts, dann links. Der Außenstürmer war erneut deutlich schlechter als zum Saisonbeginn. Note: 5,5. © Sielski/Getty
Philipp Hofmann: Auch wenn er mit etwas Glück den Kopfballtreffer (zum 1:1) nicht abgepfiffen bekomen hätte – vom langen Mittelstürmer war fast gar nichts zu sehen. Note: 5. © Sielski/Getty
Leandro Putaro: Wirkte mitunter wie ein Fremdkörper, nahm kaum mal Tempo auf. Auch nicht, nachdem er in der zweiten Hälfte auf die rechte Seite gewechselt war. Vergab die einzige echte Chance (77.). Note: 5,5. © imago/Eibner
Mergim: Fejzullahu: Kam, als die Partie schon entschieden war. Note: 4,5. © Sielski/Getty
Yari Otto: Auch er durfte erst spät aufs Feld. Fiel nur durch eine rotwürdige Grätsche auf. Ohne Note. © Sielski/Getty
Jonas Thorsen: Durfte nach 80 Minuten auf der Bank doch noch mitspielen. Ohne Note. © Sielski/Getty

​Kommen Kruse oder Stuckmann für das Tor?

Außerdem sucht Pedersen noch einen Torwart. Einen erfahrenen, der Marcel Engelhardt Sicherheit geben soll, heißt es. Da auch die Nummer 1 bislang nicht unbedingt überzeugt hat, könnte der neue zweite Mann aber auch ganz schnell zum ersten Keeper werden. In Frage kommen Torhüter wie Lukas Kruse (35, zuletzt Kiel) oder der Ex-Braunschweiger Thorsten Stuckmann (37, zuletzt Düsseldorf II). Dazu muss der Neue aber erst mal gefunden werden – nebenbei steht zudem ja auch noch das Spiel gegen Jena an. Und in dem soll schließlich mit einem Sieg die Wende geschafft werden.

Mehr zur Hero Unit
Eintracht Braunschweig (Herren) Eintracht Braunschweig 3. Liga Region/Peine ...
Anzeige