01. Juni 2017 / 17:23 Uhr

Umbau unter Zeitdruck

Umbau unter Zeitdruck

Redaktion Sportbuzzer
Twitter-Profil
fpr-holsteinstadion-5639
Paulinus Igbokwe (Firma Bernd Hagen Abbruch) schafft abgerissenes Mauerwerk aus dem Kabinentrakt nach draußen. Viel Zeit bis zum ersten Heimspiel der Störche in der Zweiten Liga bleibt nicht. © Peter
Anzeige

Während die Verhandlungen über das Holstein-Stadion laufen, haben die ersten Arbeiten bereits begonnen

Buzzer deine Meinung!
  • Fail
    -
    Fail
  • Läuft
    -
    Läuft
  • Krass
    -
    Krass
  • WTF
    -
    WTF
  • Kopf Hoch
    -
    Kopf Hoch
  • Peinlich
    -
    Peinlich
Anzeige

Ginge es allein um Sympathien und nicht um Geld, dann könnte Holstein Kiel sich nahezu bedingungsloser Unterstützung sicher sein. Der bekennende Fußballfan und SPD-Fraktionschef Ralf Stegner beispielsweise ist auch jenseits der sportlichen Erfolge voll des Lobes für den Verein. „Er wird ordentlich geführt und macht eine hervorragende Jugendarbeit“, schwärmte Stegner diese Woche im Hinblick auf die Verhandlungen in Kiel. Das müsse unbedingt unterstützt werden. Auch Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und Sportdezernent Gerwin Stöcken sind mit Leidenschaft dabei, wenn die Störche um Punkte kämpfen. Und Kiels CDU-Fraktionschef Stefan Kruber posierte nach dem letzten Spieltag auf dem Kreisparteitag in einem Holstein-Trikot. Fußballbegeisterung kann zumindest kurzfristig politische Gräben zuschütten.

Aber guter Wille allein reicht nicht aus, um das Projekt Zweite Liga dauerhaft auf für Verein und Stadt gleichermaßen gesunde wirtschaftliche Beine zu stellen. Erschwerend kommt der Zeitdruck für die nötigen Umbauarbeiten hinzu. Im Rahmen der Lizenzvorgaben der Deutschen Fußball Liga (DFL) müssen bis zum ersten Heimspiel 61 Medien-Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. Außerdem müssen die Mixed-Zone im Spielereingang sowie die Umkleidekabinen modernisiert werden. Darüber hinaus wird in den nächsten Wochen die Strahlkraft der Flutlichtanlage von derzeit 800 auf 1200 Lux erhöht. Die ersten Arbeiten haben deshalb bereits Anfang dieser Woche begonnen – was für die Gesamtfinanzierung zugleich ein Problem ist. Denn die damit verbundenen Kosten sind nach Angaben aus Verhandlungskreisen nicht mehr förderfähig.

Wesentlich teurer ist die Erweiterung des Stadions. In einem ersten Schritt sollen die Westtribüne und die Nordtribüne (Gegengerade) um insgesamt 2300 Steh- und 400 Sitzplätze erhöht werden. Nach Angaben des Vereins werden dafür zusammen mit den anderen ersten Umbauarbeiten zwei Millionen Euro veranschlagt. Sollten sich Land, Stadt und Verein einigen, steht aber auch dem Abbruch der Gästekurve (derzeit rund 2400 Stehplätze) nichts mehr im Weg. Kostenpunkt: 8,4 Millionen Euro. So könnte dann bis zum Sommer 2018 eine neue Tribüne mit etwa 1800 Sitzplätzen und 3000 Stehplätzen entstehen. Nur dann hätte das Holstein-Stadion das für die Zweite Liga vorgeschriebene Fassungsvermögen von 15000 Plätzen. Die neue Tribüne könnte zugleich das erste Element eines künftigen Stadions mit einem Fassungsvermögen von 25000 Zuschauern sein. Zur Gesamtfinanzierung gehören weitere rund 700000 Euro, die Holstein bereits für den Erwerb eines Grundstücks neben dem Stadion ausgegeben hat.

20170529-ULF_7241-2
Zwei, die sich noch einigen müssen: Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (links) und Gerhard Lütje, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von Holstein Kiel. © Dahl
Anzeige

Derzeit gilt die Faustformel: Die Stadt ist für die Betriebssicherheit verantwortlich, Holstein Kiel bezahlt den Betrieb. Konkret heißt das beispielsweise, dass die Stadt die Energiekosten für das Stadion und das Nachwuchszentrum übernimmt (laut Stadt rund 140000 Euro pro Jahr). Allerdings hat der Verein die Rasenheizung finanziert, die mittlerweile Voraussetzung für Fußball in den beiden obersten Spielklassen ist. In den Verhandlungen zwischen Stadt und Holstein Kiel geht es auch darum, wer das Stadion künftig nutzen darf. „Wenn öffentliche Stellen Geld geben, muss das Stadion für andere offenstehen“, sagt Kämpfer. Ohnehin sehen die Förderrichtlinien der EU vor, dass es mindestens 20 Prozent Fremdnutzung geben muss. Holstein Kiel hat – auch mit Blick auf die Qualität des Rasens – allerdings kein großes Interesse daran, sich das Stadion mit anderen Vereinen zu teilen.

Zusätzlichen Druck bekommen die Verhandlungen, in die auch die Staatskanzlei eingebunden ist, durch die Drohung, dass Holstein notfalls nach Lübeck oder ans Millerntor ausweichen muss, falls die Umbaufristen der DFL versäumt werden. Aber zumindest dies will Kiels Oberbürgermeister fast ausschließen: „Wenn sich alle so konstruktiv beteiligen wie bisher und in dem Tempo weitermachen, dann werden wir nur zu Auswärtsspielen nach St. Pauli fahren.“Mittelfristig wäre dann der Weg frei, um noch größere Ziele vorzubereiten. Sollte sich Holstein Kiel in der Zweiten Liga etablieren, planen die Holstein-Gesellschafter, wie berichtet, den schrittweisen Umbau des Stadions in eine komplett neue Fußballarena, die bis zum Jahr 2023 fertiggestellt sein könnte. Dafür müsse dann eine Stadiongesellschaft gegründet werden, hatte Lütje angekündigt. Der 76-Jährige wollte seinen Beitrag auf jeden Fall leisten.

Die aktuellen TOP-THEMEN

Mehr Fußball aus der Region

Mehr Fußball vom Sportbuzzer

Anzeige
Sport aus Kiel
Sport aus aller Welt