15. Juni 2018 / 18:21 Uhr

Unicorns-of-Love-Besitzer Jos Mallant: „Alle klassischen Sportarten haben ein Problem“

Unicorns-of-Love-Besitzer Jos Mallant: „Alle klassischen Sportarten haben ein Problem“

André Batistic und Angelo Freimuth
Jos Mallant ist der Besitzer der Unicorns of Love. Im Interview mit dem <b>SPORT</b>BUZZER spricht er über den Einstieg seines Teams in FIFA. Klassische Sportarten werden es seiner Meinung nach in Zukunft schwer haben.
Jos Mallant ist der Besitzer der Unicorns of Love. Im Interview mit dem SPORTBUZZER spricht er über den Einstieg seines Teams in FIFA. Klassische Sportarten werden es seiner Meinung nach in Zukunft schwer haben. © EA Sports/Montage/Twitter
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Die Unicorns of Love auf dem Vormarsch: Die knallbunten Einhörner gehen künftig auch bei FIFA 18 an den Start. Ein logischer Schritt, meint Besitzer Jos Mallant, der außerdem mahnt: eSports werde enorm wachsen und "klassischen Sportarten künftig Konkurrenz machen".

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Sie sind das vielleicht exotischste Team in League of Legends. Die Unicorns of Love haben sich mit Einhorn-Mützen, einem unkonventionellen Spielstil und jeder Menge Fannähe in der eSports-Szene das Image eines kunterbunten Knallbonbons erarbeitet. Nun will das Team von Besitzer Jos Mallant auch die Fußballsimulation FIFA erobern. Mit zwei Profis gehen die pink Einhörner künftig an den Start – und haben große Ziele.

Im Interview mit dem SPORTBUZZER verriet Unicorns-Boss Jos Mallant, dass FIFA nicht die letzte Expansion in diesem Jahr sein könnte, und sprach außerdem über die Zukunft des eSports, DFB-Präsident Reinhard Grindel und die irre Geschichte hinter den „Einhörnern der Liebe“.

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Wieso ausgerechnet „Einhörner der Liebe“?

Als mein Sohn anfing, mit seinem Team auf Turniere zu gehen, musste natürlich ein Name her. Folgende Namen hat er vorgeschlagen: „Rainbow Bunny Lovers“ oder „Unicorns of Love“. Da meinte er: „Überleg dir mal, wie wir in der Profi-Liga gegen TSM (Team SoloMid, d. Red.) spielen und TSM verliert – gegen die Unicorns of Love, das tut doch doppelt weh. Alle haben so seriöse Namen, wir müssen da was Witziges reinbringen und es soll wehtun, wenn man gegen uns verliert.“

Euer Auftreten, das Pink oder die Einhornmützen, ist also nicht reines Marketing?

Die beherrschenden Farben in der Liga waren Babyblau, ein bisschen Gelb und viel Schwarz. Da haben wir uns gesagt: „Wenn wir schon Unicorns of Love heißen, muss die Farbe auch ein bisschen bunter sein.“ Da haben wir uns natürlich ein schönes Pink geholt. Das mit den Einhörnern war ein bisschen Glück, schließlich gibt es heute alles mit Einhörnern. Wenn man dann so einen Namen hat, kann man das auch ausnutzen und vermarkten. Aber wir haben den Verein nicht gegründet, um Geld zu machen, sondern damit die Jungs spielen und in der Liga bleiben können.

Braucht FIFA mehr Show?

Die Show ist bei uns eigentlich nur ein Nebeneffekt. FIFA braucht nicht mehr Show, FIFA braucht mehr Struktur und muss attraktiver gestaltet werden.

Meinst du damit eine eigene Liga mit regelmäßigen Terminen?

Ich sag mal so: Jeder kennt Fußball, viele kennen das Spiel, das ist in zehn Minuten erklärt. League of Legends kann ich fünf Stunden lang erklären, und es hat noch immer keiner verstanden. Aber wenn man sich bei FIFA über Turniere und Veranstalter informieren will, ist man verloren.

Wer ist da in der Pflicht, um das zu ändern?

Das wird sich ganz einfach dadurch ändern, dass immer mehr Profi-Organisationen einsteigen, die dann sagen werden: „Das geht so nicht.“

Werdet ihr da Druck machen?

Es ist eben ein Unterschied, ob man mit Fritz, Hans und Peter verhandelt oder mit Schalke, dem FC Basel und Manchester City. Das ergibt sich dann automatisch.

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Was hat euch bewegt, bei FIFA einzusteigen? Warum nicht DOTA, Counter-Strike oder Overwatch?

Wir werden wie eine richtige Firma geführt. Das heißt, wir müssen darauf achten, nicht mehr auszugeben, als wir einnehmen, während viele andere Organisationen ausschließlich durch Investorengelder am Laufen gehalten werden und riesige Verluste einfahren. Bei Overwatch sprechen wir von 25 Millionen ohne Return of Investment in den nächsten paar Jahren. Für DOTA gibt es in Europa überhaupt keinen Markt. Die Shooter-Games kann ich als deutsche Firma überhaupt nicht vermarkten. Da gibt es zu viel Widerstand. Und dann gibt es FIFA. FIFA war in den letzten Jahren sehr unattraktiv, aber das ändert sich. Es gibt neue Strukturen mit neuen Wettbewerben und deutlich mehr Zuschauern. Und: FIFA spielt man heute, wird man in fünf Jahren spielen und wird man auch noch in zehn Jahren spielen.

Was sind eure Ziele mit dem FIFA-Team?

Als Organisation wollen wir die FIFA-Welt kennenlernen und Fuß fassen. Für unsere Spieler ist das Ziel, die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Und wir wollen dabei helfen.

Plant ihr den Einstieg in weitere Disziplinen?

Wie es aussieht, wird es in diesem Jahr weitere Erweiterungen geben. Bei FIFA werden wir dieses Jahr keine Veränderungen vornehmen. Für uns ist das eine Phase, in der wir FIFA erst einmal besser kennenlernen wollen. Wir glauben daran, dass FIFA eSports in den nächsten zwei, drei Jahren ziemlich große Ausmaße annehmen wird.

Ein Turniersieg bei der FIFA-WM bringt einem vielleicht 40.000 Euro ein. Das ist mit LOL nicht zu vergleichen. Kann FIFA da aufschließen?

Die Preisgelder sind auch bei League of Legends zu klein, gerade im Vergleich mit DOTA oder CS:GO. Da sprechen wir auch über Peanuts. Ein Sieg bei einem Split in Europa bringt einem 80.000 Euro. Bei DOTA oder CS:GO werden ganz andere Preisgelder ausgeschüttet. Ich denke, sobald bei FIFA die Zuschauerzahlen steigen, werden auch die Preisgelder größer ausfallen – genauso wie die Gehälter. Die sind im Vergleich zu League of Legends noch sehr human. Auch da sehe ich aber ein großes Wachstumspotenzial.

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DFB-Präsident Reinhard Grindel hat angekündigt, „eSoccer“ zu fördern. Macht dir das Hoffnung?

Ich halte diese Aussagen für Schadensbegrenzung, nachdem man gesagt hat, eSports wäre kein richtiger Sport und werde nur von ungesunden Jugendlichen betrieben. Der Verband kann da machen, was er will – eSports ist eine der wenigen Sportarten, die gigantisches Wachstum hat und nicht mehr aus Schlaf- und Wohnzimmern zu vertreiben sein wird. Das heißt, dass alle klassischen Sportarten ein Problem haben. Sie werden an Sponsoren, Mitgliedern und Attraktivität verlieren. Da kann der Verband sagen, was er will, das interessiert die eSports-Welt nicht, die ist auch ohne Verbände groß geworden. Und jetzt wird gesagt: „Wir sehen das doch anders, FIFA ist Sport, alles andere ist aber schrecklich, das ist nur Schießerei, das wollen wir nicht.“

Kaufst du ihm diesen Sinneswandel ab?

Nein.

Glaubst du, dass er dazu gedrängt wurde?

Ich würde behaupten, dass ihm jemand klargemacht hat, wie eSports läuft. Die Fakten sind ja da, das kann man nicht wegreden. Und die besagen, dass jeder dritte männliche Jugendliche in Deutschland zwischen 14 und 22 Jahren Videospiele spielt. Ich bin selbst fast 60, und wenn ich mit meiner Generation spreche, dann denken die alle noch, dass die Jugendlichen hinter dem Bildschirm keine Kontakte in die Welt haben und nur in die Glotze gucken. Das ist einfach Unkenntnis und absolutes Desinteresse bei vielen. Schließlich geht auch nicht jeder Fußball-Fan ins Stadion, um mit der Bierdose rumzulaufen, rumzugrölen und sich Schlachten mit anderen Fans zu liefern.

Das Interview mit Hans Jagnow

DESB-Präsident Hans Jagnow meinte im Interview mit uns: „eSports wird in jedem Haushalt eine Rolle spielen. Das wird in fünf Jahren die Realität sein.“ Siehst du das genauso?

Absolut. Wir sind der Meinung, dass eSports nicht mehr wegzudenken ist und es auch so sein soll, dass Kinder statt Handball, Fußball oder Basketball eSports im Verein betreiben. Dafür muss man die Strukturen aufbauen, was auch bereits geschieht. Sobald das breit genug ausgebaut ist, sehe ich das ebenfalls so, dass in jedem zweiten oder dritten Haushalt ein Kind eSports auf Verbandsebene betreiben wird. Die Zahl der Jugendlichen, die spielen, ist schon jetzt viel größer, als die meisten Leute realisieren.

Laut Richard Lippe von H2K Gaming ist jährlich ein Millionenbetrag notwendig, um ein konkurrenzfähiges League-of-Legends-Team zu unterhalten. Kommt das hin?

Bei den Spielergehältern muss man mindestens 80.000 pro Spieler hinlegen. Dazu kommen noch Steuern und Sozialabgaben. Plus Gaming-Haus, plus Reinigungskraft, Koch, Psychologe, Manager und alles drum herum. Der Coach kostet ja auch noch Geld. Zwischen 800.000 Euro und einer Million muss man mindestens hinblättern im Jahr, aber einige Teams geben auch gern das Doppelte aus.

Und wo kommt das Geld dann her? An Preisgeldern gibt es ja nicht so viel zu holen.

Riot Games hat dieses Jahr ungefähr 500.000 gezahlt, als Unterstützung. Den Rest muss man selbst zusammenbringen. Wir haben als Unicorns, weil wir so einen hohen Wiederkennungswert haben, zum Glück ganz gute Sponsorendeals. Die Preisgelder, die wir verdienen, werden sowieso an die Spieler direkt ausgeschüttet. Den Rest muss man über Investoren bekommen. Und wenn man keinen Investor hat, muss man selbst das Portmonee aufmachen.

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