Benjamin Köhler spielt am Samstag beim AOK-Traditionsmasters unter anderen mit Torsten Mattuschka, Ronny Nikol und Steffen Baumgart für Union Berlin. Benjamin Köhler spielt am Samstag beim AOK-Traditionsmasters unter anderen mit Torsten Mattuschka, Ronny Nikol und Steffen Baumgart für Union Berlin. © dpa
Benjamin Köhler spielt am Samstag beim AOK-Traditionsmasters unter anderen mit Torsten Mattuschka, Ronny Nikol und Steffen Baumgart für Union Berlin.

Union-Kultspieler Benjamin Köhler: "Die Alarmglocken gehen sofort an"

Im Interview vor dem AOK-Traditionsmasters spricht Benjamin Köhler über die Angst vor einer Rückkehr des Krebs, die Geburt seiner Tochter und die Krise von Union Berlin.

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Benjamin Köhler überwand seinen Lymphdrüsenkrebs und schaffte bei Fußball-Zweitligist Union Berlin im März 2016 sogar sein Comeback. Nach seinem Karriereende im Sommer wegen Knieproblemen läuft er am Sonnabend (16.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle) beim AOK-Traditionsmasters erstmals wieder für die Eisernen auf. Im Interview spricht er über sein Faible für Hallenfußball, Dankbarkeit über das Vatersein und den Trainerwechsel bei den Eisernen.

Wer kam auf die Idee, Sie ins Team von Union Berlin beim Traditionsmasters einzuladen?
Benjamin Köhler: Wenn man so will, hab ich mich selbst eingeladen. Nach meinem Karriereende habe ich sofort in die Runde geschmissen, dass ich nächstes Mal dabei sein will. Tusche (Torsten Mattuschka, d. Red.) und Karim (Karim Benyamina, d. Red), der ein Jugendfreund von mir ist, waren sofort begeistert.

Für ein paar Minuten Vollgas reicht es.

Fühlen Sie sich fit für die Halle?
Halle hat mir immer Spaß gemacht, schon früher in der Jugend. Ein kleines Spielfeld, es fallen viele Tore und es ist schön warm (lacht). Klar wird es anstrengend, das geht ganz schön auf die Pumpe. Aber für ein paar Minuten Vollgas reicht es schon.

In Bildern: Die Karriere von Benjamin Köhler

Sie spielen ja auch noch für die Ü32 der Spandauer Kickers mit Francis Kioyo oder Maik Franz. In vier Spielen hat es immerhin für neun Tore gereicht.
Das kann man nicht als Gradmesser nehmen. Wir haben eine gute Truppe zusammen. Würde ich häufiger spielen, wären es sicher noch ein paar mehr Tore. Aber ich mache nur mit, wenn ich Zeit habe und das Wetter gut ist. Bei null Grad auf Kunstrasen zu spielen, darauf habe ich keine Lust mehr.

Zeit haben Sie seit der Geburt ihres dritten Kindes, ihrer Tochter Mavie, im November sicher weniger?
Es ist nichts Neues für mich, ich habe ja schon zwei Kinder. Das einzig Neue ist allerdings, dass ich bei den anderen Kindern nicht so oft zu Hause war. Früher war ich immer mit der Mannschaft unterwegs, im Trainingslager oder bei Auswärtsfahrten. Jetzt bin ich zu Hause und bekomme viel mehr mit. Das ist anstrengender, aber natürlich auch sehr viel schöner.

Ist man nach einer überwundenen Krebserkrankung noch mehr dankbar, noch einmal Vater zu werden?
Vater werden ist immer was Besonderes. Aber wir wussten schon lange, dass wir noch ein weiteres Kind haben wollen. Und da haben wir uns vor der Chemo schon informiert und dementsprechend alles in die Wege geleitet.

Der Krebs kann immer zurückkommen.

Haben Sie noch Nachwirkungen von der Erkrankung?
Nein, mir geht es super! Ich lasse mich alle halbe Jahre untersuchen und die Ergebnisse waren bisher immer top.

Denken Sie bei jedem Symptom, der Krebs könnte zurück sein?
Kommt darauf an, in welchem Zusammenhang. Vor zwei Monaten hatte ich im Hüft- und Bauchbereich Schmerzen, wie damals vor der Krebsdiagnose. Wenn so etwas ist, gehen bei mir sofort die Alarmglocken an. Ich habe mich dann bei mehreren Ärzten komplett durchchecken lassen und keiner hat etwas gefunden. Nach zwei Wochen gingen die Schmerzen so schnell weg, wie sie auch gekommen waren.

Wie groß ist die Angst davor, dass der Krebs zurückkommt?
Er kann immer zurückkommen. Im ersten Jahr ist die Rückfallquote am höchsten – und das Jahr habe ich schon überstanden. Umso länger nichts kommt, desto besser stehen die Chancen. Aber ich will mir da auch gar nicht so viele Gedanken machen, ich fühle mich gut.

Wie eng ist noch der Kontakt zur aktuellen Mannschaft von Union?
In der Hinrunde war ich dreimal im Stadion. Ich gucke fast jedes Spiel, wenn nicht im Stadion, dann zu Hause oder unterwegs auf dem Handy. Die meisten Spieler kenne ich ja noch und ich würde mich freuen, wenn sie aufsteigen, auch wenn ich nicht mehr viel davon habe (lacht).

Es muss etwas intern vorgefallen sein.

Wie groß sehen Sie die Chancen, nachdem Union inzwischen sieben Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz drei hat?
In dieser Saison sind die Chancen so groß wie nie, weil kein gestandener Erstligaklub in der Liga ist, wie vergangene Saison Stuttgart oder Hannover. Die Liga ist dafür sehr ausgeglichen. Union muss jetzt schnell eine positive Serie starten, in dieser Saison waren schon zu oft Negativserien dabei. Aber es kann schnell gehen, drei oder vier Siege am Stück und man ist wieder oben dran.

Waren Sie überrascht über die Entlassung von Trainer Jens Keller Anfang Dezember?
Ziemlich überrascht. Man lag ja auf dem vierten Platz und es waren nur noch zwei Spiele bis zur Winterpause, bis dahin hätte man noch warten können. Ich bin der Meinung, dass da irgendetwas intern vorgefallen sein muss. Aber genau kann ich das auch nicht sagen, dafür bin ich zu weit weg. Der Verein hat so entschieden und er wird seine Gründe gehabt haben.

In Bildern: Die bisherigen Sieger des AOK-Traditionsmasters

André Hofschneider ist der neue Trainer. Unter ihm feierten Sie am 18. März 2016 nach überstandener Krebserkrankung und über einem Jahr Pause ihr Comeback. Haben Sie ein besonderes Verhältnis zu ihm?
Ich kam mit Hofi immer gut zurecht. Er ist alte Schule, ein harter Hund, der sehr viel über die Fitness kommt. Aber er hat dazu auch sehr viel Ahnung vom Fußball, gerade in der 2. Liga kennt er jeden. Ich habe ihm zu seinem neuen Job per SMS gratuliert, aber da kam keine Antwort. Er hat zur Zeit sicherlich viel zu tun (lacht).

Wie sieht ihre Zukunft aus?
Ich werde im September eine Eisdiele in der Warschauer Straße eröffnen. Ich habe aber auch noch ein paar weitere Ideen, aber nix Spruchreifes. Man probiert sich ein bisschen aus. Aber ich werde schon etwas machen. Nur vom Ersparten kann man auch nicht leben (lacht).

Info: AOK-Traditionsmasters mit sechs Teams


Beim AOK-Traditionsmasters laufen wieder sechs Teams auf. Bei Union spielen neben Benjamin Köhler unter anderen Torsten Mattuschka, Steffen Baumgart und Ronny Nikol. Für den Lokalrivalen Hertha BSC konnten die Veranstalter unter anderen Zecke Neuendorf, Gilberto und Levan Kobiashvili gewinnen. Neben den beiden Berliner Vereinen spielen 1860 München (u.a. Thomas Häßler, Benjamin Lauth, Andreas Görlitz), Borussia Mönchengladbach (u.a. Thorben Marx, Andriy Voronin, Mike Hanke), Schalke 04 (u.a. Martin Max, Bjarne Goldbaek, Tomasz Waldoch) und die Glasgow Rangers (u.a. Jörg Albertz, Michael Mols, Nacho Novo) teil.

Region/Brandenburg 2. Bundesliga 1.FC Union Berlin 1. FC Union Berlin (Herren)

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