Der Druck auf 96-Chef Martin Kind Druck nimmt zu. Der Druck auf 96-Chef Martin Kind Druck nimmt zu. © imago/Contrast
Der Druck auf 96-Chef Martin Kind Druck nimmt zu.

Untreue, Geheimgutachten, Klagen – der Druck auf 96-Chef Kind nimmt zu

96-Chef Martin Kind bekommt wegen seiner Pläne, die 50+1-Regel bei Hannover 96 abzuschaffen, immer stärkeren Gegenwind. Mittlerweile soll sich Star-Anwalt Christoph Schickhardt eingeschaltet haben, um den 96-Präsidenten aus der Schusslinie zu nehmen. Wir fassen zusammen, worum es geht.

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Das neue Gerichtsverfahren

Am Freitag stellte der 96-Aufsichtsrat Ralf Nestler einen Antrag beim Landgericht auf einstweilige Verfügung. Der Vorwurf der Untreue steht nun im Raum. Es geht um die in Absprache mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) vorweggenommene mehrheitliche Machtübernahme von Kind. Die soll nun das Landgericht stoppen. Der 96-Chef und sowie die Mit-Gesellschafter Gregor Baum, Dirk Roßmann sowie Matthias Wilkening möchten selbst bestimmen, wer die Profiabteilung leitet. Dazu brauchen sie die Mehrheit der Management GmbH, die bisher der Mutterverein besaß. Kind ist gleichzeitig Geschäftsführer der Profigesellschaft als auch Präsident des Vereins. Für 12.750 Euro kaufte Kind nun dem Mutterverein die Mehrheit ab. Gegen den Kauf und den Preis gab es massive Proteste. Nestler, der Aufsichtsrat, beauftragte daraufhin die prämierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Baker Tilly, den Wert der Anteile zu schätzen. Baker Tilly kam auf einen Wert von zehn Millionen Euro und nennt den Preis von 12.750 Euro „unsittlich“. Daher der Vorwurf der Untreue. Das Landgericht wird mutmaßlich in der kommenden Woche über den Antrag Nestlers entscheiden.

Das Gutachten

Wie mehrere Medien berichten, erstellte die DFL bereits 2008 ein Gutachten aller Profi-Clubs. Wer hält sich an die 50+1-Regel und wer nicht? 2004 wurde der FC Augsburg, dessen Geschäftsführer Andreas Rettig damals war, von der DFL wegen eines Verstoßes gegen 50+1 bestraft. Die Regel stellt sicher, dass der Mutterverein am Ende das Sagen hat, nicht die Investoren. Rettig gilt heute als stärkster Verfechter der Regel und Gegner von Kinds Plänen. Das Kuriose dabei ist, dass Rettig selbst beinahe Manager bei 96 geworden wäre, als Nachfolger von Dirk Dufner. Die DFL gab 2008 ein Gutachten bei einer Agentur in Auftrag, deren Ergebnis und Inhalt die „Bild“-Zeitung am Sonnabend veröffentlichte. Wortlaut: „Nach unserer Auffassung sprechen gute Gründe für einen Verstoß der bei Hannover 96 vorgefundenen gesellschaftlichen Struktur gegen die 50+1-Regelung.“ Die DFL hielt das Resultat bisher geheim. Auch, weil die DFL-Führung mit Reinard Rauball an der Spitze die Einschätzung der Agentur nicht teilte. 96 wurde nicht bestraft, die Lizenz nicht bedroht. Dennoch spielt das Gutachten eine Rolle, wenn die DFL bis etwa Ende des Jahres entscheidet, ob Kinds Antrag auf eine Investoren-Mehrheitsübernahme bei 96 zustimmt.

Das Rundschreiben

Wie die „taz“ am Sonnabend berichtete, existiert ein Rundschreiben der DFL (unterschrieben von Rauball), in dem die Voraussetzungen für eine Übernahme von Investoren beschrieben sind. Die „taz“ kommt zu dem Schluss, dass aus dem „Rundschreiben Nr. 30“ folgender hervorgeht: Kind habe 96 in den vergangenen 20 Jahren eben nicht so unterstützt, wie es nötig wäre, um die Mehrheit zu übernehmen. Vom geheimen Gutachten von 2008 soll Hannover 96 nichts gewusst haben. Das „Rundschreiben Nr. 30“, das erklärte 96 am Montag, war dem Club allerdings bekannt.  

Die Fan-Proteste beim Spiel Hannover 96 gegen Schalke 04:

Interner Streit

Nicht nur die Kind-Opposition aus dem Mutterverein kämpft mit harten juristischen Waffen, sondern auch Matthias Wilkening. Der Chef der Kliniken Warendorff und Mitgesellschafter hatte am 8. August einen Antrag auf einstweilige Verfügung gestellt, der die Übernahme der Anteile an der Management GmbH durch die S&S verhindern sollte. Der Antrag wurde abgelehnt. Nach unseren Informationen wollte Wilkening damit aber nicht den Mutterverein unterstützen, sondern einen Alleingang Kinds bremsen. Wilkening ist – als Investor und Gesellschafter – ebenso für die Abschaffung der 50+1-Regel wie Kind. Der Rechtsstreit mit Wilkening zeigt zumindest, dass sich die Gesellschafter auch untereinander nicht ohne juristische Auseinandersetzungen einig werden können.

Massive Berichte

Von Freitag auf Sonnabend erschienen alleine drei große Berichte, die Kinds Pläne alle aus unterschiedlichen Richtungen infrage stellen. „Spiegel“, „taz“ und „Bild“-Zeitung hatten mit verschieden Ansätzen Hintergründe zu klären versucht. Alle berichten von verschiedenen Unstimmigkeiten auf Kinds Weg, die 50+1-Regel bei Hannover 96 zu kippen. Kind äußerte sich am Freitagabend noch überrascht vom heftigen Gegenwind. „Unsere Einschätzung der Dinge ist klar begründet. Wir haben uns an den Fakten orientiert.“ Nach unseren Informationen hat sich Star-Anwalt Christoph Schickardt bereits bei verschiedenen Vorwürfen eingeschaltet.

"50+1" bei Hannover 96: Anhänger der "Roten demonstrieren vor dem Stadion

Fussball Bundesliga Hannover 96 (Herren) Region/Hannover

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