21. Dezember 2017 / 12:15 Uhr

Urteile nach Leipziger Fußball-Derby noch in diesem Jahr – schwere Vorwürfe

Urteile nach Leipziger Fußball-Derby noch in diesem Jahr – schwere Vorwürfe

Matthias Puppe, LVZ.de
Polizeieinsatz im Fanblock des 1. FC Lokomotive Leipzig.
Polizeieinsatz im Fanblock des 1. FC Lokomotive Leipzig. © Christian Modla
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Vor einem Monat standen sich Lok Leipzig und die BSG Chemie im Probstheidaer Plache-Stadion gegenüber. Zu den Ereignissen am Rand des Derbys soll noch in diesem Jahr das Sportgericht entscheiden.

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Leipzig. Aufgebrochene Tore zum Innenraum, Polizeieinsatz gegen Hooligans, jede Menge Pyrotechnik, insgesamt drei Spielunterbrechungen: Das Leipziger Fußballderby zwischen Lok Leipzig und der BSG Chemie im November wurde seinem berüchtigten Ruf gerecht. Einen Monat später gibt es zwar noch kein Urteil des Sportgerichts, aber eine Perspektive: „Wir werden zwischen den Jahren zu einem Ergebnis kommen“, sagte Stephan Oberholz gegenüber LVZ.de. Der Vizepräsident des Sächsischen Fußball-Bundes (SFV) ist für Recht und Satzungsfragen zuständig, steht dem Sportgericht vor. Die Stellungnahmen beider Vereine zu den Vorfällen seien inzwischen eingegangen. In der kommenden Woche will die SFV-Rechtsinstanz dann zusammenkommen und die Situation bewerten, so Oberholz weiter.

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Grundlage der juristischen Beurteilung der Vorfälle bilden vor allem der Schiedsrichterbericht von Henry Müller sowie der Sonderbericht vom ebenfalls am 22. November im Bruno-Plache-Stadion anwesenden Spielbeobachter des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV). In beiden Schriftstücken, die LVZ.de vorliegen, wird detailliert auf die Ereignisse abseits des Rasens vor, während und nach dem Spiel eingegangen.

Aufgeflexte Tore im Lok-Fanblock – mehrfacher Polizeieinsatz

Zu den schwersten Vorwürfen dürften die nicht verschlossenen Tore zum Innenraum im Bereich der Lok-Fans gehören, die laut NOFV-Beobachter von Unbekannten aufgeflext worden waren. Polizei und Ordnungsdienst hätten davon in der Halbzeitpause erfahren, heißt es. Weil die Gefahr bestand, dass Lok-Fans auf diesem Weg ins Innere des Plache-Stadions gelangen könnten, wurde der Bereich noch einmal verstärkt gesichert. Unter anderem fuhren Wasserwerfer auf, postierten sich Beamte entlang des Zauns an der mit Lok-Fans gefüllten Gegengerade

Derbyfieber in Leipzig

Dabei blieb es allerdings nicht. Laut des Schiedsrichterberichts habe während einer Spielunterbrechnung in der 49. Minute, die laut Unparteiischem von Leuchtraketen aus dem Bereich der Heimfans ausgelöst wurde, eines der Tore plötzlich offen gestanden. Die Polizei habe in diesem Moment die Sicherheit nicht mehr gewährleisten können, deshalb schickte der Unparteiische beide Teams in die Kabinen. Die Beamten konnten die Situation im betroffenen Lok-Fanblock klären, nahmen mindestens eine Person fest. Auf der Seite der Chemie-Fans wurde ebenfalls Pyrotechnik gezündet, flogen Raketen in den Innenraum. Nach etwa elf Minuten konnte das Spiel dann fortgesetzt werden, heißt es.

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Feuerzeug- und Bierbecherwurf – Pyrotechnik in beiden Blöcken

Diese Spielunterbrechung war allerdings nur eine von insgesamt dreien, die im Bericht des Schiedsrichters aufgelistet werden. Bereits in der 13. Spielminute musste Müller tätig werden, als nach einem Foulspiel der am Boden liegende Chemie-Spieler aus dem Lok-Fanblock mit einem Feuerzeug beworfen wurde. Das Wurfgeschoss verfehlte den Grün-Weißen, der Schiedsrichter nahm es auf, veranlasste eine Stadiondurchssage und ließ danach weiterspielen. 

In der 67. Minute kam es zur dritten Spielunterbrechung. Wieder seien im Bereich der mit Lok-Fans gefüllten Gegengerade massiv bengalische Feuer gezündet und brennend in den Stadioninnenraum, in Richtung Spieler, Ordner und Polizei geworfen, schreibt der Unparteiische. Die Beamten schritten wieder ein, hätten die Störer aus dem Fanblock entfernen können. Nach drei Minuten ging es dann auch auf dem Platz weiter, konnte auch bis zum Abpfiff weitergespielt werden.

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Während der Schiedsrichter nur die Ereignisse während der Partie beurteilt hat, sind im Sonderbericht auch Angaben zu den Vorfällen rings herum gemacht. So heißt es im Schreiben des NOFV-Sicherheitsexperten unter anderem, vor Beginn des Spiels hätten Lok-Fans bereits den Videowagen der Polizei mit Wurfgeschossen angegriffen. Zudem seien vor dem Anpfiff im Block der Chemie-Fans Bengalos und Leuchtraketen entzündet worden, die auch in Richtung Spielfeld und Haupttribüne flogen. Beim Einlaufen der Teams sei dann im Rahmen einer Choreografie im Lok-Fanblock massiv Pyrotechnik gezündet worden.

Nicht zuletzt ist im Sonderbericht des NOFV auch der Becherwurf eines Lok-Anhängers auf Chemie-Trainer Dietmar Demuth während der Pressekonferenz im VIP-Bereich des Plach-Stadions vermerkt. Der Täter sei aus dem VIP-Raum verwiesen worden und Demuth kehrte zur Fragerunde mit den Journalisten zurück.

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