Murat Orta, Präsident des KSV Vatan Sport (Archivbild). Murat Orta, Präsident des KSV Vatan Sport (Archivbild). © FR
Murat Orta, Präsident des KSV Vatan Sport (Archivbild).

Vatan-Präsident Orta: "Es geht um die Glaubwürdigkeit aller"

Der 41-Jährige über den Imageverlust des Vereins und Konsequenzen aus den jüngsten Vorfällen

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Murat Orta ist seit 2013 Präsident des KSV Vatan Sport - mit den Fußballern seines Vereins absolviert der 41-Jährige gerade eine schwierige Saison in der Bremen-Liga. Ein Spielabbruch im Oktober, der später allerdings aufgehoben wurde, zwei Rote Karten nach einer Schlägerei untereinander und nun eine nachgewiesene Fälschung eines Spielerpasses beim Wiederholungsspiel gegen Brinkum.

Herr Orta, sie haben in dieser Woche mit dem Vorstand des Vereins zusammengesessen, um Konsequenzen aus den jüngsten Vorfällen zu besprechen. Was ist dabei herausgekommen?

Murat Orta: Wir hatten gleich nach Bekanntwerden der Passfälschung beim Spiel in Brinkum den Verantwortlichen rausgeworfen.

Als Verantwortlicher wurde der Betreuer ausgemacht. Ist die Trennung von ihm wirklich alles, was der Vorstand in dieser Sache unternimmt?

Nein. Wir haben diesen Vorfall auch zum Anlass genommen, die Administration zu hinterfragen. Wäre damals von mehreren Seiten kontrolliert worden, dann wäre aufgefallen, dass etwas nicht passt. Ich gucke als Präsident nicht auf die Aufstellung, sondern gehe davon aus, dass alles okay ist. Da haben ein paar andere Leute gepennt.

Was soll sich nun ändern?

Die Fußballabteilung muss da enger zusammenarbeiten. Das darf nicht mehr über nur eine Person laufen, und die Verantwort­lichen dürfen keine
Verantwortung abgeben, nach dem Motto: Nach mir die Sintflut. Zukünftig wird es Kontrollmechanismen geben.

Dann stellt sich die Fälschung aus Ihrer Sicht als Alleingang des Betreuers dar?

Das war es, genau. Das haben mir die Betroffenen jedenfalls gesagt – und das muss ich ihnen abnehmen.

Überzeugt wirken Sie nicht.

Nach den ganzen Vorfällen der letzten Monate steht nicht nur die Glaubwürdigkeit eines Betreuers infrage. Da geht es um alle Beteiligten. Das gilt für den Zeugwart, unsere Trainer Riza und Behlum Avdiji und auch für den gesamten Vorstand.

Dann halten Sie es für denkbar, dass es noch weitere Konsequenzen geben wird?

Ich hoffe, es kommt nicht dazu. Aber wir scheinen ja prädestiniert, jede Woche etwas Neues zu erfinden. Wir wollen jetzt eigentlich nur noch einen vernünftigen Saisonabschluss und werden danach alles analysieren und aufarbeiten.

Bislang wurden die beiden Spiele gegen den Brinkumer SV und die SG Aumund-Vegesack umgewertet. Nun wurde bekannt, dass der Spielausschuss zudem auch den 2:1-Sieg bei
der LTS Bremerhaven mit 5:0 für den Gegner werten will, weil auch in diesem Duell mit einem gefälschten Pass gearbeitet worden sein soll. Das würde Vatan erstmals drei Punkte kosten.

Aus den Spielen gegen Brinkum und die SAV gibt es klare Fotos. Aus Bremerhaven gibt es sie nicht – und deshalb werden wir Einspruch gegen diese Entscheidung einlegen. Da ist der Bremer Fußball-Verband in der Beweispflicht. Wir haben ihm in dieser Sache zugearbeitet. Aber dann erwarte ich auch, dass alles sauber aufgearbeitet wird.

Der KSV Vatan ist ein Verein, der in den 1970er-Jahren von türkischstämmigen Menschen gegründet wurde. Sie hatten sich vor zwei, drei Jahren dann sehr enttäuscht gezeigt von Spielern mit türkischem Hintergrund und auf einen anderen Weg gesetzt. Wie genau sieht der eigentlich aus?

Es handelt sich jetzt um eine Mannschaft mit überwiegend albanischen und griechischen Spielern. Die Jungs kennen sich alle untereinander. Wenn sie nach Bremen kommen, leben sie erst einmal in einer WG, die wir von Vatan aus angemietet haben. Dann schauen wir nach Arbeitsplätzen. Wer einen festen Job hat, sieht sich mit ein, zwei anderen Spielern nach einer Wohnung um. Dann sind wir als Vatan Sport aber raus, das machen sie eigeninitiativ. Das normale Leben geht neben dem Fußball aber weiter, da geht es um Arztbesuche oder Amts­termine. Dort hilft unser Trainerstab mit Riza und Behlum Avdiji. Das ist schon ein sehr intensives Hobby für die beiden.

Lohnt es sich für den Verein auch in sportlicher Hinsicht?

Der Weg ist sehr aufwendig und steht nicht im Verhältnis zu einem Hobby. Man muss gucken, ob es das wert ist. Menschlich bin ich bei den Jungs. Das sind supernette Kerle, denen wir dankbar sind, dass sie den Weg mit uns gehen.

Bereits jetzt liegt aber schon eine beispiellose Saison hinter dem Verein, und sein Image hat sehr gelitten.

Ganz klar: Wir haben das Vertrauen gegenüber dem Verband und der Bremen-Liga zerstört. Wir müssen einfach zum Weg zurückfinden, den die anderen Vereine auch gehen – uns ganz normal an die Regeln halten. Da hat einer Mist gebaut, und wir haben die Konsequenzen gezogen.

Sie wollen das Vertrauen durch die Trennung von einem Betreuer zurückgewinnen?

Das ist der Verantwortliche für die Sache mit der Passfälschung. Aber es gab auch noch andere Vorfälle, das stimmt. Für alle Beteiligten gilt: Jetzt stehen alle im Fokus und müssen sich bewähren. Auf dem Platz, neben dem Platz, auf der Tribüne und im Vorstand.

Aber Vatan steht offenbar nicht vor einem Neuanfang?

Nein. Einen Neuanfang haben wir vor zwei Jahren gemacht. Aber wir werden die Strukturen verändern, damit wir uns ganz sicher wieder innerhalb der Regeln bewegen.

Sie sprachen eben jedoch davon, man müsse „gucken, ob es das wert ist“. Wie war das gemeint?

Ich meinte, dass wir zukünftig auch wieder Spieler aus Bremen haben sollten. Dass setzt aber voraus, dass wir unser Image möglichst schnell verbessern, um auch für solche Spieler attraktiv zu werden. Dann kann sich der Trainer auch wieder ausschließlich um seine Aufgabe als Trainer kümmern.

Ihr Aufgabengebiet geht derzeit deutlich über das anderer Vereinspräsidenten hinaus. Sie müssen aufklären, schlichten und nicht zuletzt die ein oder andere Enttäuschung verkraften. Haben Sie schon mal an persönliche Konsequenzen gedacht?

Das habe ich, beim Spiel in Brinkum. Es war ja das Wiederholungsspiel vom Abbruch im Oktober – und dann treten wir mit einem gefälschten Pass an. Da habe ich mich schon gefragt: Haben wir das noch im Griff? Ich verspreche mir nun aber einiges von unseren Strukturveränderungen. Geht es allerdings so weiter, kommt sicher der Punkt, an dem ich meine
Position ernsthaft hinterfrage. Das lässt sich dem Verein und seinen Mitgliedern ja nicht mehr zumuten.

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