erfurt Noch kein Glücksbringer: Schon die offizielle Eröffnung des für fast 50 Millionen Euro umgebauten Steigerwaldstadions endete in einem Fiasko. Wegen Nebels über dem Flughafen-Erfurt musste die Partie gegen Borussia Dortmund am 22. Januar kurzfristig abgesagt werden. © imago
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Verkehrte Fußball-Welt in Erfurt

 Neuer Stadion-Prachtbau sorgt für wirtschaftliche Turbulenzen – Drittliga-Profis kämpfen um den Klassenerhalt

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Die schillernden Visionen sind der nackten Existenzangst gewichen: Glanz und Gloria sollten beim Fußball-Drittligisten Rot-Weiß Erfurt mit dem fast 50 Millionen Euro teuren Umbau des altehrwürdigen Steigerwaldstadions einkehren. Stattdessen empfangen die Thüringer am Sonnabend (14 Uhr) Holstein Kiel mit einem randvollen Schuldensack, Sorgen um die Lizenzerteilung für das kommende Spieljahr sowie dem noch nicht vollends eingetüteten Klassenerhalt.

„Noch zwei Siege und ein Remis müssten mit dann 45 Punkten reichen“, rechnet RWE-Cheftrainer Stefan Krämer vor. Das Kardinalproblem des Tabellen-16. liegt in vorderster Front. „Stimmt“, besätigt Krämer: „In unserem Sturm steckt ein wenig der Wurm.“ Mit bislang nur 25 Toren rangieren die Erfurter am Ende der Effektivitäts-Tabelle der Liga. Nur vier Treffer gelangen in den sechs Heimpartien des Jahres 2017.

Dennoch ist sich Krämer sicher, dem Favoriten aus dem Norden einen „großen Fight“ liefern zu können. Gerade in den Partien gegen die Spitzenteams (2:3 in Duisburg, 0:2 in Magdeburg, 1:0 gegen Osnabrück beim vorerst letzten Heimerfolg am 14. März) „haben wir uns als absolut konkurrenzfähig erwiesen. Richtig ist aber auch, dass wir uns auswärts
leichter tun“.

Hoffnung macht dem 50-Jährigen, dass Carsten Kammlott seine Gelbsperre abgesessen hat. Mit zehn Treffern ist der 27-Jährige der mit Abstand gefährlichste Akteur in Reihen der RWE-Minimalisten, bei denen Keeper Philipp Klewin bereits zwölf Mal die Null hielt. Den Gast aus Kiel beschreibt der Coach ob dessen Fähigkeiten im Passspiel und der individuellen Quälität mit Spitzenreiter Duisburg als das Maß der aktuellen Drittliga-Dinge.

Aufstiegsplatz zwei, auf dem die Störche logieren, hatten die Thüringer vor geraumer Zeit auch als Ziel im Kopf. Die neue Multifunktions-Arena sollte dazu den passenden Rahmen bieten. Doch schon die offizielle Einweihung des zu 90 Prozent mit öffentlichen Geldern
finanzierten Prachtbautes geriet zur Tragikkomödie. 18000 Zuschauer füllten das Stadion, waren am 22. Januar bei strahlend blauem Himmel in froher Erwartung des Gastspiels von Borussia Dortmund. Doch über dem nur sechs Kilometer entfernt gelegenen Flughafen-Erfurt hatte sich eine dichte Nebelwand gebildet. Der BVB-Flieger konnte nicht landen. Die Partie musste kurzfristig abgesagt werden.

Auch die jährliche StadionPacht von 500000 Euro erweist sich zunehmend als „Groschengrab“ für die mit langfristigen Verbindlichkeiten in Höhe von 5,5 Millionen Euro belasteten Erfurter. Am 7. März bat Präsident Rolf Rombach die Stadt um finanzielle Unterstützung. Oberbürgermeister Andreas Bausewein knüpfte an die laufenden Gespräche personelle Bedingungen. Sportdirektor Torsten Traub und Geschäftsstellenleiter Konstantin Krause sollten wegen „wirtschaftlicher Fehlentscheidungen und dem Vergraulen von Sponsoren“ gehen. Laut RWE-Pressesprecher Wilfried Mohren haben sich die Wogen in den vergangenen Wochen geglättet. Die Hoffnung auf die Hilfe der Stadt lebe und damit auch der Glaube an die Lizenzerteilung durch den DFB.

Positive Signale, wäre da nicht das Problem Westtribüne. Die war im Zuge des Umbaus stehen geblieben, entspricht aber nicht den neuesten Brandschutzverordnungen. Diese mit baulichen Maßnahmen einzuhalten, wird mittlerweile mit 5,7 Millionen Euro Kosten verbunden. Es droht der Abriss.

Holstein Kiel (Herren) Region/Kiel 3. Liga Deutschland 3.Liga (Herren)

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