06. Mai 2018 / 14:43 Uhr

VfL Wolfsburg im Chaos: Trainerdiskussion und Angst vor den eigenen Fans

VfL Wolfsburg im Chaos: Trainerdiskussion und Angst vor den eigenen Fans

Engelbert Hensel, Andreas Pahlmann
Der VfL steht nach dem 1:4 in Leipzig vor dem Abstieg
Der VfL steht nach dem 1:4 in Leipzig vor dem Abstieg © 2018 Getty Images
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Nach 21 Jahren Erstklassigkeit droht dem VfL Wolfsburg der Abstieg in die 2. Liga. Jetzt muss gegen Schlusslicht Köln mindestens ein Punkt her, um den direkten Abstieg sicher abzuwenden. Und der Verein versinkt immer mehr im Chaos.

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Die dritte Nicht-Leistung hintereinander, die Fans sauer wie noch nie – Endzeitstimmung beim VfL. Nach dem 1:4 am vorletzten Spieltag bei RB Leipzig, dem möglicherweise vorletzten Spiel der Wolfsburger in der Fußball-Bundesliga, fuhr der Mannschaftsbus am Samstagabend nicht wie geplant zum VfL-Trainingszentrum – nach Rücksprache mit der Polizei wurde am Nachwuchsleistungszentrum am Berliner Ring ein Zwischenhalt eingelegt und dabei entschieden, dass das Team mit dem Bus ins VW-Werk fährt. Von dort aus wurden die Profis mit Kleinbussen nach Hause gebracht. Der Grund: An der VW-Arena hatten sich gut 250 Anhänger eingefunden, die auf die Mannschaft warteten. Die Stimmung: explosiv.

Der VfL hat Angst vor den eigenen Fans. „Uns ist geraten worden, aus Sicherheitsgründen nicht dahin zu fahren, sonst hätten wir uns natürlich gestellt, das gehört dazu. Hier waren viele Menschen frustriert, im Bus war das nicht anders“, beschrieb Trainer Bruno Labbadia die Szenerie. „Wir haben auf den Rat gehört und haben es letztendlich so gemacht. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“ Bereits nach dem Abpfiff bekamen die Spieler beim Gang vor die eigene Fankurve zu spüren, wie geladen die Anhängerschaft ist. Auf der einen Seite die regungslos stehenden Profis, auf der anderen wütende Fans, die ihre Mittelfinger zeigten. Nichts geht mehr, das Tischtuch ist zerschnitten – und das vor dem Saisonfinale, in dem sich der VfL noch direkt retten kann, auf dem Relegationsplatz bleibt oder aber direkt absteigt. Alles ist möglich.

Die Relegation

Zu allem Überfluss lässt sich der VfL auch noch eine komplett unnötige Trainerdiskussion aufzwingen. Es gibt Labbadia-Kritiker im Umfeld und in der Mannschaft - aber es gibt keine starke sportliche Autorität in diesem Verein, die diesen Kritikern mit klaren internen Worten entgegentreten könnte. Stattdessen sah sich VfL-Geschäftsführer Tim Schumacher dazu genötigt, entsprechende Gerüchte öffentlich zu kommentieren. „Wir stehen voll hinter dem Trainer und sind weiterhin davon überzeugt, dass wir die fehlenden Punkte für die Relegation holen werden“, teilte er nach dem Spiel laut "BamS" mit. Beruhigt hat er die Lage damit nicht.

Die Spieler des VfL Wolfsburg gegen RB Leipzig in der Einzelkritik:

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Beim Training am Sonntagmorgen waren wegen der Vorkommnisse in der Nacht zuvor viel mehr Ordner im Einsatz als sonst, der Sicherheitsbeauftragte war ebenfalls vor Ort. Genau wie einer der Fanbeauftragten. Zudem fuhr immer wieder eine Polizeistreife um die Arena und am Trainingszentrum vorbei. Es blieb jedoch ruhig, einzig ein paar Fans hatten sich am Platz eingefunden – und ließen wie schon nach dem 1:3 gegen den HSV ihrem Frust freien Lauf und pöbelten. „Danke für nichts gestern, Jungs“, war zu hören. Oder: „Ich habe noch Freikarten fürs Kino!“ Hintergrund: Vor dem Heimspiel gegen Hamburg hatte es eine Teambuilding-Maßnahme gegeben, das Team hatte sich zusammen im Wolfsburger Delphin-Palast den Film „City of McFarland“ angeschaut...

Eine Maßnahme, die wie das Trainingslager in Teistungen vor dem Leipzig-Spiel nicht fruchtete.Der VfL braucht seine Fans jetzt mehr denn je. In der vergangenen Saison hatten Anhängerschaft und Team noch eine Einheit gebildet. Vergangenheit. Trainer Bruno Labbadia über das nervenaufreibende Saisonfinale am Samstag gegen den bereits abgestiegenen 1. FC Köln. „Die Mannschaft braucht die totale Unterstützung der Fans. Aber wir können es nicht einfordern, weil unsere Leistung nicht stimmt.“ Und das bekamen die Profis am Sonntagmorgen immer wieder zu hören. Es gab Häme und Spott. Ein Anhänger rief: „Jungs, was los? Sollen am Samstag die Frauen spielen?“ Die bilden – im Vergleich zur Richtung 2. Liga taumelnden Männermannschaft – ein Erfolgsteam, stehen in der Bundesliga kurz vor dem Titelgewinn und haben sowohl das Pokal- als auch das Champions-League-Endspiel erreicht.

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