10. Januar 2019 / 23:16 Uhr

VfL-Dauerbrenner William: "Meine Frau gibt mir Rückmeldung – sie versteht das Spiel"

VfL-Dauerbrenner William: "Meine Frau gibt mir Rückmeldung – sie versteht das Spiel"

Tim Lüddecke
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William strebt mit dem VfL Wolfsburg eine erfolgreiche Rückrunde an.
William strebt mit dem VfL Wolfsburg eine erfolgreiche Rückrunde an. © imago
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Rechtsverteidiger William stand in der Hinrunde eigentlich jede Minute für den VfL Wolfsburg auf dem Platz – nur eine Gelb-Sperre zwang ihn zum Aussetzen. Im Interview spricht der Brasilianer über seinen Heimaturlaub, den deutschen Winter, besondere Ratschläge und er erklärt, wie er mit seinen Fehlern umgeht.

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Beim Interview mit Renato Steffen steht plötzlich ein weiterer VfL-Profi in der Journalistenrunde. Der 23-jährige William hält seinem Mitspieler das Handy hin, erwartet mit großen Augen ein Statement. Der Schweizer nimmt die Steilvorlage natürlich an: „…wenn Willi die Freistöße mal versenken würde.“ Der Brasilianer lacht nur, das ist die Sprache, mit der er sich hauptsächlich verständigt. Das Interview führt William nicht auf Portugiesisch, sondern auf Spanisch; bei Ex-Klub International Porto Alegre spielte er mit vielen Argentiniern und Chilenen zusammen, beim VfL verständigt er sich so mit Josuha Guilavogui, Josip Brekalo und John Yeboah.

Sie sind schon ein echter Spaßvogel, oder?

Ja, ja. Ich bin immer zu Scherzen aufgelegt. Meine Mitspieler sind meine Freunde. Ich versuche, so oft es geht mit ihnen zu sprechen, um ein bisschen Deutsch zu reden. Aber es ist immer noch etwas schwierig für mich, deswegen mache ich zumindest meine Späße. Die versteht jeder. (lacht)

Sind Sie der lustigste Spieler der Mannschaft?

Ach, da gibt es viele, allen voran Josh. Aber alle haben ihre Art des Humors.

Wie haben Sie Weihnachten verbracht?

Ich hatte eine schöne Zeit mit meiner Familie in Brasilien, mit meiner Oma, meinen Brüdern, meiner Frau und meinem Sohn. Sie liegen mir alle sehr am Herzen.

VfL-Rechtsverteidiger William mit Reporter Tim Lüddecke.
VfL-Rechtsverteidiger William mit Reporter Tim Lüddecke. © Hermstein
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Nach dem letzten Hinrundenspiel in Augsburg mussten Sie direkt zum Flieger.

Das war schon sehr stressig! (lacht) Der Flug nach Brasilien dauerte 18 Stunden, man verbringt also fast den ganzen Tag im Flugzeug. Ich bin pünktlich zu Heiligabend angekommen. Aber die lange Zeit in der Luft hat sich gelohnt, um die eine Woche mit meiner Familie verbringen zu können. Das habe ich gebraucht, um die Akkus wieder aufzuladen.

Sie haben in der Hinrunde auch alle Spiele über 90 Minuten absolviert, nur gegen Hoffenheim fehlten sie gelbgesperrt.

Wenn ein Trainer mir das Vertrauen schenkt zu spielen, bin ich auch bereit dazu. Und dann will ich jede einzelne Minute spielen. Deshalb war ich auch ziemlich sauer wegen der Sperre.

Bedarf so viel Spielzeit einer besonderen Fitness?

Man muss viel investieren, um jeden Tag besser zu werden. Das gilt gerade hier im Trainingslager. Je mehr ich arbeite, umso größer ist letztlich meine Kondition.

Die Übungseinheiten des VfL Wolfsburg, im Trainingslager in Almancil, gestalteten sich auch am 7. Tag intensiv, mit und ohne Ball Zur Galerie
Die Übungseinheiten des VfL Wolfsburg, im Trainingslager in Almancil, gestalteten sich auch am 7. Tag intensiv, mit und ohne Ball ©

Gefällt es Ihnen, hart zu arbeiten?

(lacht) Die Wahrheit ist wohl: nein. Aber ich will natürlich in dem bestmöglichen körperlichen Zustand sein. Und da gehört das nun mal dazu...

Genießen Sie als Südländer die Sonne Portugals ganz besonders – bevor es am Samstag zurück ins kalte Deutschland geht?

Natürlich gefällt mir das Wetter hier besser als in Deutschland, wir haben hier die perfekten Bedingungen, um zu trainieren. Aber der Winter macht mir inzwischen nicht mehr viel aus. In meiner Heimatstadt Pelotas in Brasilien ist es auch nicht so warm, wie man das in Deutschland vielleicht von Brasilien denkt. Zwar ist es dort nicht ganz so kalt wie in Wolfsburg, aber ich komme gut mit den deutschen Temperaturen zurecht. Ich strahle auch, wenn die Sonne nicht lacht.

Noten gibt's erst ab 30 Einsatzminuten. In die Rangliste kam nur, wer mindestens acht benotete Einsätze hatte.

12. <b>William</b>: 3,69 Zur Galerie
12. William: 3,69 ©

In der Hinrunde sind Ihnen einige Fehler unterlaufen...

Ich denke, das ist normal. Ich bin noch ein junger Spieler, muss noch viel lernen. Und es ist ja so: Wenn ich einen Fehler begehe, lerne ich natürlich noch mal mehr, als wenn alles gut wäre und mich der Trainer immer nur loben würde. Ich erhoffe mir aber, dass ich diese Fehler in Zukunft nicht mehr mache. Ich muss ein harter Spieler sein! Deshalb trete ich, weil ich etwas kleiner bin, auf dem Platz umso kämpferischer auf.

Haben Sie ein besonders großes Selbstvertrauen?

Ja, das würde ich schon sagen. Die Fehler werfen mich nicht aus der Bahn. Das ist Fußball, da kommt es vor, dass man auch mal scheitert. Aber ich bin eigentlich immer klar im Kopf. Meine Familie steht stets hinter mir; meine Frau und mein Sohn geben mir die Kraft, die ich brauche.

Was können Sie besser machen?

Ich will mich jeden Tag ein bisschen verbessern. In allem. Ich will mehr laufen, genauere Pässe spielen, gefährlichere Flanken schlagen. Man darf nie damit zufrieden sein, was man erreicht hat. Morgen muss ich besser sein als heute.

Wer gibt Ihnen Ratschläge?

Meine Frau. Sie verfolgt jedes meiner Spiele und gibt mir danach Rückmeldung. Sie versteht das Spiel wirklich, sagt mir, was ich gut gemacht habe – und was weniger.

Nach dem letzten Hinrundenspiel in Augsburg waren Ihre Worte wahrscheinlich eher positiv.

Es hat sich natürlich richtig gut angefühlt, endlich mein erstes Tor für den VfL zu erzielen. (lacht)

Das sind die Hinrunden-Torschützen des VfL Wolfsburg:

1 Tor: Jerome Roussillon. Zur Galerie
1 Tor: Jerome Roussillon. ©

War das eigentlich Ihr erstes Erfolgserlebnis in Ihrer Karriere?

Das zweite, bei International Porto Alegre habe ich auch einmal getroffen. Jetzt habe ich zwei Tore auf dem Konto. (grinst)

Klingt so, als wären Sie auf den Geschmack gekommen.

Klar, ich würde gern immer Tore schießen. Aber auf meiner Position ist das eher schwierig. Ich muss viel laufen und muss mich um meinen Gegenspieler kümmern. Und das Gefühl, mit meiner Mannschaft zu gewinnen, ist ohnehin noch ein besseres.

Mehr zum VfL Wolfsburg

Sie erleben mit dem VfL gerade die beste Phase seitdem Sie 2017 nach Wolfsburg kamen.

Ich bin wirklich sehr zufrieden. Wir spielen gut, wir laufen viel – und kämpfen in dieser Saison endlich auch. Um am Ende in der Meisterschaft besser da zu stehen als in den vergangenen Jahren.

Was halten Sie für möglich?

Als ich gekommen bin, wusste ich natürlich, dass Wolfsburg schon in der Champions League gespielt hat. Wir sind ein großer Klub – und wir müssen dafür kämpfen, den Klub wieder dahin zu bringen, wo er hingehört. Vielleicht dürfen wir schon bald davon träumen. Aber grundsätzlich ist es egal, wo wir am Ende der Saison landen, solange wir unser Bestes gegeben haben.

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