14. Mai 2018 / 22:01 Uhr

VfL Wolfsburg: Wer ist eigentlich dieses Holstein Kiel?

VfL Wolfsburg: Wer ist eigentlich dieses Holstein Kiel?

Tim Lüddecke
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Ein echtes Team: Holstein Kiel besticht durch Geschlossenheit - hat aber auch individuelle Einzelkönner in seinen Reihen.
Ein echtes Team: Holstein Kiel besticht durch Geschlossenheit - hat aber auch individuelle Einzelkönner in seinen Reihen.
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Der VfL Wolfsburg trifft in der Relegation auf Holstein Kiel. Der SPORTBUZZER erklärt die Überraschungsmannschaft der 2. Liga.

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Am Montag ging es für die Profis von Holstein Kiel erst mal auf die Schulbank. Nicht, dass sie vor den beiden Relegationsspielen gegen den VfL Wolfsburg Nachholbedarf in Sachen niedersächsischer Geographie hätten, und schon gar nicht an der Taktiktafel, doch eine Sache wird ab Donnerstag neu sein für sie: der Videobeweis. So etwas gibt es nur in der 1. Bundesliga. Dort, wo die Überraschungsmannschaft der 2. Liga hin will. Höchste Zeit, die Kieler mal zu beleuchten.

Der Verein

Das Wichtigste zuerst: Einmal wurde die Kieler Sportvereinigung Holstein von 1900 e. V. Deutscher Fußball Meister – im Jahr 1912. Und bis zur Einführung der Bundesliga 1963 gehörte der Klub stets der ersten Liga an. Vor dem Zweitligaaufstieg vor dieser Saison spielten die Störche (so werden sie wegen der roten Stutzen und des ersten Vereinslokals namens „Zum Storchennest“ genannt) vier Jahre in der 3. Liga. Sonstige Erfolge: Deutsche Meisterschaft 1971 im Handball mit den Frauen.

Die Form

„In neun Tagen können wir Bundesligist sein, dementsprechend müssen wir uns darauf freuen“, sagt Holstein-Sportchef Ralf Becker. Das tun sie in Kiel, am Sonntag fand die bisherige Sensations-Saison mit der 6:2-Sause gegen Eintracht Braunschweig einen würdigen vorzeitigen Abschluss, nachdem sie zuvor schon ein für Fortuna Düsseldorf schmeichelhaftes 1:1-Unentschieden beim Zweitliga-Meister und einen 5:1-Sieg bei Bundesliga-Absteiger FC Ingolstadt einfahren konnten. Doch das soll natürlich noch nicht alles gewesen sein.

Das Stadion der Sorgen

Denn in der Stadt und im Verein herrscht die totale Begeisterung. Am Montag versuchten tausende Kieler Fans Tickets für die beiden Spiele gegen den VfL zu ergattern. 50.000, vielleicht 60.000 Karten hätten verkauft werden können, heißt es im Umfeld. Im kleinen Holstein-Stadion – das Stand jetzt die Auflagen (mindestens 15.000 Plätze) der DFL für eine Heimstätte in der 1. oder 2. Bundesliga immer noch nicht erfüllen würde – finden allerdings lediglich 10.200 Menschen Platz. Eine Ausnahmegenehmigung regelte zumindest in dieser Saison, dass es kein Problem darstellte, wenn etwa der SV Sandhausen zu Gast war. Heißen die Gegner demnächst aber Bayern und Dortmund, ist das etwas anderes. Bedeutet: Um die Lizenz für die 1. Liga zu bekommen, müsste Holstein ein alternatives Heimstadion finden, auch wenn man sich mit einem möglichen "Zwangsumzug" noch nicht im Ansatz befasst habe, wie Geschäftsführer Wolfgang Schwenke erklärte. Stand jetzt, Stand möglicher Aufstieg müsste er das dann aber, es sei denn, die DFL gibt dem erneuten Ausnahmeantrag doch noch einmal statt.

Holstein-Stadion
Holstein-Stadion ©
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Die Superlative

Doch wer konnte schon damit rechnen , dass der Drittliga-Aufsteiger (als Zweiter) der Vorsaison nur ein Jahr später um den Aufstieg in die Beletage spielt... Wer konnte damit rechnen, dass die Kieler Herbstmeister in der 2. Liga werden? Wer konnte damit rechnen, dass sie die mit Abstand meisten Tore schießen würden? Wer konnte damit rechnen, dass sie die wenigsten Niederlagen kassieren? Nicht nur all diese Dinge belegen: Diese Mannschaft, die zum Großteil dieselbe ist wie zu Drittliga-Zeiten, ist unberechenbar.

Das Holstein-System

Das gilt vielmehr noch auf dem Platz. Trainer Markus Anfang, zwischen den und seine Mannschaft trotz seines Abgangs zum 1. FC Köln kein Blatt Papier passt, hat Holstein ein 4-1-4-1-System eingebläut, das sich in den vergangenen eineinhalb Jahren blind eingespielt hat. Und das ohne Kompromisse durchgezogen wird. Egal, in welcher Liga, egal, gegen welchen Gegner. Angst? Kennen die Kiel-Profis, die auch innerhalb eines Spiels als lernfähig gelten, nicht, unabhängig von der Zuschauerkulisse. Ein mutiges Pressingspiel wechselt sich mit einem geordneten Zurückfallen ab – um dann gnadenlos mit Tempo nach vorn zu spielen. Die Ansage lautet: Jeder Angriff soll zu Ende gebracht werden.

Die Ballermänner

Das funktioniert, wie 71 Zweitliga-Tore manifestieren. Anführer in der Offensive ist Torschützenkönig Marvin Ducksch (18 Tore,  Foto), der wie Dominick Drexler (12 Tore) in dieser Saison noch mal einen Entwicklungsschritt genommen hat. Aber auch Kingsley Schinder (12 Tore) und Steven Lewerenz, der gegen Braunschweig viermal (!) traf, können für Gefahr sorgen. Mehr Sorgen neben diesen individuellen Qualitäten dürfte aus VfL-Sicht allerdings bereiten, dass Holstein Kiel als Team, als echte Einheit auftritt.

Ducksch
Ducksch ©

Der Ausblick

„Beim VfL verdient wahrscheinlich ein Spieler so viel wie bei uns fast die gesamte Mannschaft“, betont Holstein-Sportchef Becker und zeigt Selbstbewusstsein: „Aber wir spielen bisher eine geile Runde und wollen jetzt auch aufsteigen.“ Am Dienstag wird dafür erstmals in der gesamten Saison ein Geheimtraining abgehalten, ehe am Mittwochabend um 18 Uhr noch mal in der Volkswagen-Arena trainiert wird. Und wenn es nicht klappen sollte mit dem Aufstieg, bricht in Kiel auch keine Welt zusammen. In Wolfsburg wäre das anders...

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