VfR Evesen, Teamcheck Rückrunde 2017 VfR Evesen, Teamcheck Rückrunde 2017 ©
VfR Evesen, Teamcheck Rückrunde 2017

VfR Evesen wird seiner Favoritenrolle in der Bezirksliga nicht gerecht

Teamcheck Rückrunde: Aufrüstung des Kaders vor der Saison zeigt noch keine Wirkung

BUZZER DEINE MEINUNG!

  • Fail -
  • Läuft -
  • Krass -
  • WTF -
  • Kopf Hoch -
  • Peinlich -
Anzeige

Die Rolle als Titelfavorit ist zweischneidig. Einerseits tut es gut, sich von allen Seiten bestätigen zu lassen, dass man eine tolle Truppe beisammen hat und deshalb wohl um die Meisterschaft mitspielen werde. Andererseits kann die Favoritenstellung schnell zur Bürde werden; dann nämlich, wenn es nicht klappt und wenn man der Musik hinterherläuft, statt sie zu machen.

Der VfR Evesen ist Tabellensechster. Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn es im letzten Sommer nicht die enorme Aufrüstung des Kaders gegeben hätte, wenn nicht die Vermutung bestände, dass die Mannschaft ungeahnte Potenziale hätte, weil es in ihr herausragende Protagonisten gibt. Zehn Punkte Rückstand auf Tabellenführer 1. FC Germania Egestorf-Langreder II scheint aber zu viel zu sein, um sich noch Hoffnungen auf den Landesliga-Aufstieg machen zu können. „Die Meisterschaft war eine Erfindung, die nicht von uns stammt“, erklärt Trainer Duran Gök. „Wir wollten nur oben mitspielen und wenn wir in der starken Staffel als Schaumburger Mannschaft in die Spitzengruppe rutschen, wäre das ein Erfolg“, findet Gök, räumt aber ein, dass die Verstärkungen des letzten Sommers nicht vollständig funktionierten. „Doch wir sind insgesamt stärker geworden und haben den nächsten Schritt gemacht.“

Die bisherigen Ergebnisse belegen klar, dass der VfR Evesen trotz aller hinzugekommenen personellen Qualität keine Spitzenmannschaft auf dem Platz hat. Gegen die heimischen Mitbewerber wie den SC Rinteln, den FC Stadthagen, den VfL Bückeburg II, den TSV Hagenburg und den SV Obernkirchen setzte sich die Mannschaft von A-Lizenzinhaber Duran Gök durch. Gegen den pragmatischen SV Arnum und gegen den Absteiger TSV Barsinghausen, da reichte es aber nicht. Unvergessen ist auch die 1:2-Heimniederlage gegen den TSV Algesdorf, bei der deutlich wurde, woran es hapert: Der Aufsteiger spielte gradlinigen, frischen Angriffsfußball mit Begeisterung. Der VfR Evesen operierte dagegen mit seinem üblichen Ballbesitzspiel, das häufig ohne Raumgewinn blieb. Im Handball wäre bei einigen langatmigen Angriffen Zeitspiel gepfiffen worden. Belagerung ohne die erkennbare Idee, den Ball wirklich mal durchzustecken oder es über die Außenseite zu versuchen.
Dass „Charly“ Tunc bislang nur zehn Tore erzielte, dass der VfR Evesen mit seinen nur 28 Treffern in der Spitzengruppe ohnehin extrem negativ auffällt, macht die Problemlage deutlich. Die Dominanz ist da, aber es fehlt die Vollendung. „Wir haben keinen Reinschießer“, bestätigt Gök. Von Tunc solle man nicht zu viel erwarten. Nach ganz vorne in die Spitze gehöre er nicht. Der einzige Überraschungseffekt, den der VfR Evesen im Spiel hat, ist Paskal Fichtner. Wenn er antritt, wenn er die Gegenspieler stehen lässt, nur dann entstehen Situationen, die Unordnung in der Abwehr der Widersacher schafft. In Sachen Vollstrecker bietet sich mit dem neu verpflichteten Steffen Lesemann vielleicht eine Lösung an. Er spielte in Bad Pyrmont, wohnt in Rinteln und verstärkt den VfR Evesen. Dem stehen die Abgänge von Tanis Niemeier, Patrick Benecke, Bastian Schmalkoch und Lennard Schönen gegenüber, der beim VfL Münchehagen strandete. Alle spielten zuletzt beim VfR Evesen aber keine Rolle mehr.

Das Tor von Paskal Fichtner (Mitte) zum 2:1 für den VfR Evesen bringt keine Sicherheit. © seb

„Aus den verlorenen Heimspielen fehlen uns sechs Punkte“, bewertet Gök die Bilanz der Hinrunde. Er fühlt seine Mannschaft und sich in der öffentlichen Wahrnehmung oft ungerecht beurteilt. „Wir stellen uns nicht wie andere hinten hinein und wir versuchen immer, mit Kombinationsspiel zum Erfolg zu kommen, das sollte berücksichtigt werden“, sagt er und hat damit wohl nicht ganz unrecht. Die Frage ist nur, ob der VfR mit seinen Offensivbemühungen und mit seinen Qualitäten nicht vielleicht doch eines Tages in der Landesliga spielen kann. „Auf Knopfdruck funktioniert es jedenfalls nicht“, weiß Duran Gök.

Prognose: Die Meisterschaft kann der VfR Evesen abhaken. Dafür ist der Punkterückstand zu groß. Das Team von Trainer Duran Gök spielt zu oft zu verschnörkelt, lässt den Vertikalpass in die Schnittstelle der Abwehr zu oft vermissen. Aber der VfR wird die beste Schaumburger Mannschaft in der Bezirksliga.

Sascha Romaus bleibt an Keeper Jannik Willers hängen ... © Stefan Zwing

Neuzugänge unter der Lupe:

Jannik Willers wurde wie erwartet die Nummer eins im Tor, hielt sicher und blieb nahezu fehlerfrei.

Paskal Fichtner: Der flinke Stürmer ist im Angriff eigentlich der wichtigste Spieler, der bisweilen aber nicht intensiv genug eingebunden wurde. Er ist auf dem Flügel am wirkungsvollsten und hat auch nach Meinung von Gök noch weitere Entwicklungspotenziale.

Fatih Akkus: Die monatelange Pause nach dem Abgang in Rinteln und die anschließende Verletzung warfen ihn deutlich zurück.
*
Selim Kilinc:
* War häufig angeschlagen, spielte deshalb nicht immer oder kam nur zu Teilzeiteinsätzen.

Tanis Niemeier: Seine Verpflichtung geht als Irrtum in die Vereinschronik ein. Niemeier und der VfR Evesen – das passte in keiner Hinsicht. Der FC Stadthagen nahm den Rückkehrer in der Winterpause dankbar auf.

Vito Caliandro: Er half dem VfR wirklich weiter und war zuletzt dabei, zu einer unverzichtbaren Stammkraft zu werden.

Ibrahim Khodr: Der Mittelfeldspieler war mit seinem Kreuzbandriss der Pechvogel der bisherigen Saison und wird wohl erst im kommenden Sommer wieder einsteigen können.

Patrick Benecke: Als er ab Oktober nicht mehr trainieren konnte, war er raus. Wechselte ebenfalls zum FC Stadthagen.

Yusuf Bicakci: Der Neuzugang aus der Reserve des VfL Bückeburg konnte die Konkurrenz in der Abwehr noch nicht verdrängen. Hat noch Schwächen in der Spieleröffnung.

Artur Schneider: Er musste sich als Torwart hinter Jannik Willers einreihen, hatte aber Einsätze, die er fehlerfrei absolvierte. Er ist die Nummer zwei und nimmt diese Rolle klaglos an.

Region/Schaumburg VfR Evesen (Herren) Bezirksliga Bezirk Hannover Staffel 3 (Herren) VfR Evesen

KOMMENTIEREN

Mehr zum Thema

KOMMENTARE