08. Juni 2018 / 11:44 Uhr

Von der Bezirks- in die Regionalliga: Sven Apostel wird Co-Trainer beim BSV Rehden

Von der Bezirks- in die Regionalliga: Sven Apostel wird Co-Trainer beim BSV Rehden

Michael Kerzel
Sven Apostel fungierte bis zum Saisonende als Co-Trainer von Marcel Bragula beim VfL Wildeshausen und wird künftig an der Seite von Benedetto Muzzicato den BSV Rehden betreuen.
Sven Apostel fungierte bis zum Saisonende als Co-Trainer von Marcel Bragula beim VfL Wildeshausen und wird künftig an der Seite von Benedetto Muzzicato den BSV Rehden betreuen. © Janina Rahn
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41-Jähriger kommt vom VfL Wildeshausen und wird dort seinem ehemaligen Mitspieler Benedetto Muzzicato zur Seite stehen

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Wenn Sven Apostel von Taktiken im Fußball redet, leuchten seine Augen. Er blickt sein Gegenüber konzentriert an und erklärt mit ausladenden Gesten, wie sich Spieler in welchen Momenten wohin bewegen müssen und welche Aufgaben sie dabei haben. Visuell verdeutlicht der 41-Jährige das auf seinem iPad: Dort speichert er Standbilder einzelner Spielszenen ab und zeichnet darauf beispielsweise Laufwege ein. „Im Spiel erkennen die Spieler eventuell gar nicht, was sie falsch oder richtig gemacht haben. In der Analyse kann man das dann zeigen und Lösungen präsentieren“, erklärt Apostel.

In der kommenden Saison vermittelt der A-Lizenzinhaber sein fußballerisches Wissen den Akteuren des Regionalligisten BSV SW Rehden. Dort fungiert er künftig als Co-Trainer von Benedetto Muzzicato. Diese Saison arbeitete er mit Chefcoach Marcel Bragula beim Bezirksligisten VfL Wildeshausen zusammen. „Ich stehe gerne etwas im Hintergrund und mache in Ruhe meine Arbeit“, sagt Apostel.

Lieber im Hintergrund

Der Ganderkeseer schnürte seine Fußballschuhe für diverse Vereine. „Ich war ein echter Wandervogel“, sagt er. Ende der 1990er-Jahre trug er das Trikot des SV Atlas Delmenhorst, es folgten Stationen unter anderem beim SC Weyhe, Eintracht Nordhorn, BV Cloppenburg sowie beim VfL und VfB Oldenburg. Deutlich mehr als 100 Einsätze stehen in der vierthöchsten Spielklasse, damals noch Oberliga Niedersachsen/Bremen, in seiner Bilanz. „Ich stand häufiger knapp vor der 3. Liga“, berichtet der 41-Jährige. Zweimal qualifizierte sich sein Team für den DFB-Pokal, doch jeweils vorher wechselte er den Verein. Beim FC Oberneuland spielte er gemeinsam mit Muzzicato, seitdem kennen sich die beiden Fußball-Verrückten gut.

Im etwas gesetzteren Alter (35) ging Apostel zu seinem Heimatverein TSV Ganderkesee zurück, um die Trainerlaufbahn einzuschlagen. Er legte die Lizenzen von C bis A ab und trainierte parallel die B-Jugend. „Bei den jeweils dreiwöchigen Lehrgängen lernt man vor allem beim Austausch mit den Kollegen viel dazu. Ich habe da interessante Leute kennengelernt“, sagt Apostel. Beispielsweise Daniel Bierofka, der jüngst 1860 München als Trainer in die 3. Liga zurückgeführt hat oder Peter Perchtold, der derzeit als Co-Trainer bei Schalke 04 an der Seite von Domenico Tedesco die Geschicke leitet. Apostel sammelte erste Co-Trainer-Erfahrung in Wildeshausen, wo er ab Juli 2016 als spielender Coach agierte. Nun wartet also das Abenteuer Regionalliga auf den 41-Jährigen.

Eine festgelegte Taktik hat er nicht. „Man muss schon gucken, was für Spieler einem zur Verfügung stehen. Man kann einen Weltklasse-Torwart wie Oliver Kahn haben, trotzdem kann man mit ihm kein Dreiecksspiel mit den beiden Innenverteidigern und zwei hochstehenden Außenverteidigern aufziehen, weil er fußballerisch dafür nicht die Technik hat“, nennt Apostel ein Beispiel. Grundsätzlich lässt er gerne Fußball spielen, beispielsweise imponiert ihm die Arbeit von Christian Titz, der im Laufe der Bundesliga-Rückrunde den späteren Absteiger Hamburger SV übernommen hat. „Vorher hatte der HSV oft nur etwa 25 Prozent Ballbesitz, mit ihm hat sich das teilweise fast umgekehrt. Er hat neue Ideen eingebracht, beispielsweise Torwart Pollersbeck bei Ballbesitz fast bis zur Mittellinie aufrücken und ihn als zentralen Passspieler einer Dreierkette agieren lassen“, erklärt Apostel. Bei Titz sehe man einen klaren Plan. „Auch bei seinen Spielanalysen auf Youtube sieht man gleich, dass er was draufhat“, erzählt der Ganderkeseer.

Besondere Spielsysteme

Für besondere Spielarten wie der Torwartkette benötigt es passende Spieler, ebenso für bestimmte Taktiken und Laufmuster. „Man darf die Spieler nicht überfordern, gerade Amateure nicht. Die haben ja auch andere Sachen als Fußball im Kopf und können sich damit nicht acht Stunden jeden Tag beschäftigen“, meint Apostel. Da sei es manchmal sinnvoller, einfache Vorgaben zu machen. „Wenn der Gegner im 4-4-2 spielt, ist es idiotensicher, ein 4-4-2 dagegenzustellen. Da hat jeder Spieler einen Gegenspieler und weiß genau, was er machen soll.“

Komplizierter werde es bei verschiedenen Formationen, da es dann darum gehe, wer wie laufen müsse, um Gleich- beziehungsweise Überzahl in bestimmten Räumen zu kreieren. Dafür lohnt es sich, die Schwächen der Gegner zu kennen. Die Analyse der Kontrahenten fällt in Apostels Aufgabenbereich. „In Rehden werden die Spiele alle aufgenommen, dazu gibt es das Angebot von Sporttotal, das alle Spiele zeigt“, sagt Apostel. Er sucht dann passende Sequenzen heraus, bereitet diese auf und bespricht sie zuerst mit seinem Chefcoach und dann mit den Spielern. „Es ist dabei wichtig, die positiven Sachen herauszustellen. Niemandem ist geholfen, wenn man dem Spieler nur sagt, was er alles nicht kann und falsch gemacht hat“, meint der 41-Jährige. Beim Erklären gehe es mindestens genauso um Sozialkompetenz wie um Fußballfachwissen.

Die Zeiten der Schinder á la Felix Magath seien vorbei. Das gelte auch für die Trainingsgestaltung. „Schon bei der C-Lizenz lernt man, dass Belastungssteuerung und Superkompensation wichtig sind. Die Spieler solange laufen zu lassen, bis einer kotzt, um so die Kondition reinzubekommen, ist überholt. Konditionstraining geht auch mit dem Ball, Erholungsphasen sind wichtig“, erklärt Apostel.

Für seine Zeit in Rehden hat sich Apostel einen Taktik-Koffer mit Tracking-System zugelegt. So kann er die Daten von Spielern erfassen, beispielsweise deren Laufleistung. „Wir wollen da etwas professioneller werden. Aber klar ist auch, dass niemand ein Tor schießt, nur weil man weiß, wie schnell er laufen kann“, sagt Apostel. Dennoch legt er Wert auf Statistiken. Es gehe darum, ein Bewusstsein bei den Spielern zu schaffen, beispielsweise dafür, wie groß die Chance ist, nach Ecken Tore zu erzielen.

Durch seine Analysen sollen die Spieler besser werden. „Handlungsschnelligkeit spielt eine große Rolle“, sagt Apostel. Und diese steigt, wenn die Akteure wissen, was sie auf dem Feld warum machen sollen. Apostel verdeutlicht das an seinem iPad anhand einer Szene. Zwar bilden die Innenverteidiger im eigenen Strafraum eine Überzahl gegen den Stürmer, doch der Raum zwischen Strafraumkante und Mittellinie ist nahezu komplett verwaist. Die eigenen Stürmer sind vorne stehen geblieben, drei Mittelfeldspieler orientieren sich zum ballführenden Gegner an der Außenlinie. Einen eigenen Akteur hat Apostel umkringelt. „Er muss in die Mitte gehen und den nachrückenden Gegner abschirmen“, erklärt er. Deckungsschatten ist ein Wort, das immer wieder fällt. Steht der eigene Mann richtig im Raum, kann der Gegner nicht angespielt werden, obwohl er nicht direkt gedeckt wird. Verinnerlichen die Spieler seine Analysen, erhalten sie einen taktischen Vorteil. Das ist Apostels Aufgabe. So wird der Taktikfuchs zum Bessermacher.

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