25. Mai 2018 / 15:07 Uhr

Von Dynamo Dresden zum 1.FC Köln: Eine Geschichte über den Weg von Niklas Hauptmann

Von Dynamo Dresden zum 1.FC Köln: Eine Geschichte über den Weg von Niklas Hauptmann

Redaktion Sportbuzzer
Ralf Hauptmann (re.) mit seinen Söhnen Lukas (li.) und Niklas sowie seinem Vater Reinhard zu Gast bei der Dresdner Zweiligapartie gegen Köln, als ehemaliger Spieler beider Mannschaften natürlich ein Muss
Ralf Hauptmann (re.) mit seinen Söhnen Lukas (li.) und Niklas sowie seinem Vater Reinhard zu Gast bei der Dresdner Zweiligapartie gegen Köln, als ehemaliger Spieler beider Mannschaften natürlich ein Muss © imago/Delhi-News
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Wie ist es, mit Niklas Hauptmann in einem Team zu spielen? Ich erlebte es in der Grundschule und schrieb meine Erinnerungen auf.

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Drehung rechts, Drehung links und schon hat sich der kleine Zwerg an einem vorbei gespielt. Vor ihm sind nur noch zwei Verteidiger sowie der Torwart. Der Fußballplatz ist von Löchern übersät, dennoch macht der Elfjährige einen vorbildlichen Übersteiger, gefolgt von einem Zinedine-Zidane-Trick, einer speziellen Finte, die nach dem großen französischen Weltfußballer und heutigen Trainer von Real Madrid benannt ist. Aber zurück zum Spiel auf dem Bolzplatz neben der Turnhalle der Grundschule Süd in Radeberg. Dort zaubert der kleine Niklas Hauptmann gerade auch den Torwart aus und schiebt den Ball zum 3:2 ein. „Zum Glück spielt er beim Schulturnier in unserer Mannschaft“, denke nicht nur ich, sondern auch meine Mitspieler.

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„Ding dang dong“ klingelt es zum Unterricht. Die Pause ist zu Ende, alle müssen wieder in ihre Klassen. Gemeinsam mit Niklas gehe ich in das Klassenzimmer der 4b. Wir haben Englisch. Das ist nicht so meins. Deswegen beschäftige ich mich meist anderweitig. Für Niklas dagegen ist Englisch das Lieblingsfach, aber so richtig zuhören kann auch er nicht. Wie ich muss er an den nächsten Tag denken, wenn es beim Schulfußballturnier der Radeberger Grundschulen daran geht, den Titel zu verteidigen.

In diesem Moment 2007 dachte ich nicht daran, dass Niklas eines Tages einmal Profifußballer wird. Viel zu kindlich war unser Denken. Da ging es nur darum, wer der nächste Sieger bei dem Spiel auf dem Bolzplatz in der großen Pause ist. „Immer der Beste sein und Profifußballer beim FCB werden“, schrieb er einmal in ein Freundebuch. Der Beste war er in jedem Fall. Deswegen gewannen wir das Schulturnier am nächsten Tag auch sehr souverän. Profi-Fußballer beim FCB, egal ob beim FC Bayern oder dem FC Barcelona, davon ist Niklas noch etwas entfernt.

Niklas Hauptmann hat den Sprung in den Profifussball gemeistert. Jetzt geht es in seine Heimatstadt. Nach Köln.
Niklas Hauptmann hat den Sprung in den Profifussball gemeistert. Jetzt geht es in seine Heimatstadt. Nach Köln. © imago/Karina Hessland

Aber wer hätte das damals in der vierten Klasse überhaupt vermutet, dass er es soweit schafft? Die Wenigsten! Aber jeder hätte es ihm zugetraut, mal einer davon zu werden. Schließlich spielten sein Opa und sein Vater auch schon auf hohem Niveau: Großvater Reinhard zu DDR-Zeiten bei Stahl Riesa, Papa Ralf unter anderem bei Dynamo Dresden und beim 1. FC Köln. Bei Niklas’ Vater durften wir die Pokale, Medaillen und Erinnerungen im Keller anschauen: zweimal DDR-Meister, einmal FDGB-Pokalsieger – Wahnsinn. Ob im Keller, den Niklas Hauptmann mal den Freunden seiner (noch nicht vorhandenen) Kinder zeigen wird, ebenso viele spannende Sachen zu entdecken sind, steht noch in den Sternen.

Klar dagegen ist, dass der kleine Zwerg vom Bolzplatz heute in der 2. Bundesliga die Verteidiger zur Verzweiflung bringt. Zehn Jahre war er für Dynamo Dresden aktiv. Doch damals wollte er von den Schwarz-Gelben nicht so viel wissen. In der Abschlusszeitung der vierten Klasse schrieb er als seine Lieblingsvereine den FC Bayern München an erster Stelle, gefolgt vom FC Chelsea und dem FC Barcelona sowie dem FV Dresden Nord, Niklas’ damaligen Verein. Heute sieht das natürlich ganz anders aus. „Haupe“, wie er von seinen Mitspielern genannt wird, identifiziert sich mit Dynamo und seinem neuen Verein, dem 1. FC Köln.

In der Grundschule nannten ihn alle nur "Niki, der Techniker".​

Damals in der Grundschule an dem heißen Sommertag vor dem Schulturnier nannten ihn alle nur „Niki“. „Niki, der Techniker“ – so hat er sich selber in einem Poesiealbum beschrieben. Seine Spezialität war die Technik, und das ist sie noch heute. Wie eine Schlange windet er sich durch die Abwehrreihen. Seine damalige Position: das offensive Mittelfeld. Heute ist er etwas nach hinten gerutscht auf die Acht – keine große Veränderung. Beim Schulturnier vor 13 Jahren spielten wir noch auf Kleinfeld. Niklas spielte auch da gut. Auf dem Bolzplatz wollte deswegen jeder in seiner Mannschaft sein. Wer damals mit ihm kickte, hatte gute Chancen, das tägliche Fußballspiel auf dem Pausenhof zu gewinnen.

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Wir als Kinder freuten uns natürlich, wenn wir mit dem Pausenklingeln als Gewinner den Platz verließen. Am nächsten Tag ging es zur gleichen Zeit wieder heiß her. Fußball stand für uns Jungs im Vordergrund – auch für „Haupe“. Während die anderen Jungs und ich diese Einstellung irgendwann abgelegt hatten und uns andere Dinge mehr interessierten, hat „Niki“ sie bis heute behalten.

Der Weg führt nach Köln - in die Fußstapfen des Vaters​

Seine damaligen sportlichen Vorbilder waren Pele, Ronaldinho, Zinedine Zidane und nicht zuletzt Lukas Podolski. Stolz trug er das FC-Trikot von „Poldi“, der von 2003 bis 2006 in Köln kickte. Nun erhält der 21-Jährige sein eigenes Dress bei den „Geißböcken“. Am Mittwoch gaben die Domstädter und die SGD den Wechsel von der Elbe an den Rhein bekannt. „Sobald es ein Angebot vom 1. FC Köln gibt, geht er zu Fuß dorthin“, hatte Ralf Hauptmann schon vor einem halben Jahr hinter vorgehaltener Hand das Interesse seines Sohnemanns an seinem nächsten Schritt umschrieben.

Nun hat er ihn gemacht. Bei Null fängt er im Westen Deutschlands nicht an. Die Kontakte der Familie in die Rheinmetropole sind nie abgerissen. Dort wurde „Niki“ 1996, während der Kölner Zeit seines Vaters, geboren. Nun tritt er in dessen Fußstapfen und will genau wie Ralf Hauptmann mit dem „Effzeh“ in die Bundesliga aufsteigen. Vielleicht gelingt das schon in seiner ersten Saison. Drehung rechts, Drehung links und Übersteiger wie damals – das geht auch auf dem Rasen im Rheinenergiestadion zu Köln-Müngersdorf.

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