Fußball DFB-Pokal 1. Runde: SV Wilhelmshaven - Borussia Dortmund am 03.08.2013 im Jadestadion in Wilhemshaven (Niedersachsen). © dpa

Vor Gericht: Provinzclub macht FIFA platt - Schadensersatz gefordert

Hammer-Urteil für den SV Wilhelmshaven: Der BGH erklärte den von der FIFA verhängten Zwangsabstieg als unwirksam. Sprecher des Vereins: "DFB und NFV sind in der Bringschuld"

BUZZER DEINE MEINUNG!

  • Fail -
  • Läuft -
  • Krass -
  • WTF -
  • Kopf Hoch -
  • Peinlich -
Anzeige

Nach einem langen Rechtsstreit hat sich ein kleinerer Verein gegen die mächtige FIFA durchgesetzt. Es geht um einen verhängten Zwangsabstieg und eine Zahlungsforderung in Höhe von 157.500 Euro. Das Urteil könnte weitreichende Folgen für andere Verbände und die FIFA haben. "Einbußen in siebenstelliger Höhe": Der Verein fordert Schadensersatz.

"Es ist ein wunderbares und befreiendes Gefühl", sagte Wilhelmshavens Vorstandsvorsitzender Hans Herrnberger bei Sky Sport News HD: "Hier hat wirklich David gegen Goliath gewonnen. Wir haben wieder eine Zukunft."

Zwangsabstieg unwirksam

Der Provinzclub SV Wilhelmshaven geht jetzt aus dem jahrelangen Machtkampf mit den großen Fußball-Verbänden als Sieger hervor. Der Bundesgerichtshof (BGH) erklärte am Dienstag den 2012 von der FIFA verhängten Zwangsabstieg des Ex-Regionalligavereins für unwirksam.

157 500 Euro Ausbildungsentschädigung

Der Zwangsabstieg wurde vollstreckt, weil sich der Club geweigert hatte, für den früheren argentinischen Spieler Sergio Sagarzazu, der auch den italienischen Pass besitzt, eine nach den FIFA-Regularien fällige Ausbildungsentschädigung zu zahlen, insgesamt 157 500 Euro. Zur Strafe ordnete die FIFA 2012 den Zwangsabstieg an, der SVW flog zum Ende der Saison 2013/14 aus der Regionalliga Nord.

Lest hier: Der SV Wilhelmshaven und sein langer Weg zum BGH

Wiedereingliederung in Regionalliga und Entschädigung gefordert

Die Satzung des Norddeutschen Fußball-Verbands (NFV), der den Abstieg vollstreckt hatte, biete dafür keine ausreichende Grundlage. Wilhelmshaven will jetzt die Wiedereingliederung in die Regionalliga und Entschädigung für den finanziellen Schaden.

Verein fordert Schadensersatz: "Unrecht getan hat"

Der Verein habe durch den Zwangsabstieg Einbußen in siebenstelliger Höhe erlitten, sagte Aufsichtsrat Harald Naraschewski nach der Urteilsverkündung am Dienstag in Karlsruhe. "Wir waren immer zu einer gütlichen Regelung bereit und sind es auch jetzt." In der Bringschuld seien aber der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und der Norddeutsche Fußball-Verband (NFV). "Es steht fest, dass man dem Verein Unrecht getan hat."

Lest hier: Fall Wilhelmshaven - Wem hat die FIFA was zu sagen?

Das Urteil könnte auch andere Verbände zwingen, ihre Satzungen rechtlich wasserdicht zu machen. Denn im Kern ging es um die Frage, ob der Verein den Abstieg hinnehmen musste, obwohl er kein Mitglied im Deutschen Fußball-Bund (DFB) war.

Der NFV, der die Revision in Karlsruhe angestrengt hatte, war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Der Verband war der Ansicht, Wilhelmshaven habe sich durch die Teilnahme am Spielbetrieb automatisch den FIFA-Regeln unterworfen.

Dem BGH-Urteil zufolge gilt das aber nur für die Wettkampfregeln im engeren Sinne. Die Möglichkeit einer Disziplinarstrafe hätte der NFV hingegen so eindeutig in seiner Satzung vorsehen müssen, dass jeder Verein auch die Konsequenzen seines Handelns überblicken könne.

Der Richterspruch bezieht sich nur auf den Zwangsabstieg. Es ging nicht um die Frage, ob Wilhelmshaven die Ausbildungsentschädigung hätte zahlen müssen. Der BGH klärte auch nicht, ob das System der Ausbildungsentschädigungen insgesamt gegen EU-Recht verstößt. Das hatte das Oberlandesgericht Bremen in der Vorinstanz angenommen. Nach den FIFA-Regularien müssen Clubs bei Wechseln junger Spieler durch Zahlung einer pauschalen Summe den finanziellen Aufwand einer Ausbildung ausgleichen, der ihnen selbst nicht mehr entsteht.

Region/National

KOMMENTIEREN

Mehr Fußball vom Sportbuzzer

KOMMENTARE

Anzeige