28. November 2018 / 06:00 Uhr

Vor Salzburg gegen RB Leipzig: Stallorder laut Mintzlaff „Nonsens“

Vor Salzburg gegen RB Leipzig: Stallorder laut Mintzlaff „Nonsens“

Guido Schäfer
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Fachmänner? Leipzig-Boss Oliver Mintzlaff (li.) im Gespräch mit Dosen-Gigant und Mäzen Dietrich Mateschitz.
RB Leipzigs Vorstandschef Oliver Mintzlaff (links) tauscht sich mit Club-Gründer Dietrich Mateschitz aus. © dpa
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Im SPORTBUZZER-Interview spricht RB Leipzigs Geschäftsführer Oliver Mintzlaff über das so wichtige Red Bull interne Duell in der Europa League, die Folgen eines vorzeitigen Ausscheidens, das Bundesliga-Duell gegen Mönchengladbach, Trainer, Personalplanung und mehr.

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Leipzig. Er hat einen kometenhaften Aufstieg hingelegt, würde laut Lothar Matthäus supergut zu den Bayern passen. Einstweilen bleibt Oliver Mintzlaff, 43, bei RB Leipzig. Der drahtige Geschäftsführer des auf drei Hochzeiten tanzenden Bundesliga-Vierten über Lob aus berufenem Munde, Note 1 für Cheftrainer Ralf Rangnick, das inhaltsschwangere Spiel in Salzburg (Donnerstag, 18.55 Uhr), den nahezu ausverkauften Hit gegen ausgeruhte Gladbacher (Sonntag, 15.30 Uhr), Verletzungssorgen, neue Stadion-Besucher, neue Spieler, neue Marketingstrategien und die Kostenexplosion beim Stadionum- und Ausbau. Übrigens: Dietrich Mateschitz wird beim Europa-League-Duell RBS versus RBL am Donnerstag nicht in der Red-Bull-Arena sein.

DURCHKLICKEN: Die Bilder zum Spiel gegen Salzburg

RB Leipzig unterliegt dem FC Salzburg 2:3, nachdem sich die Rangnick-Elf von einem 0.2-Rückstand auf 2:2 herangekämpft hatte. Zur Galerie
RB Leipzig unterliegt dem FC Salzburg 2:3, nachdem sich die Rangnick-Elf von einem 0.2-Rückstand auf 2:2 herangekämpft hatte. ©
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Es gibt Menschen, die schlagen die Hände überm Kopf zusammen und ängstigen sich vorm nahen Ende des Abendlandes. Was ist so schlimm am Duell FC Salzburg gegen RB Leipzig?
Gar nichts. Ich will aber auch nicht wegdiskutieren, dass es ein besonderes Spiel ist. Die Entstehungsgeschichte ist bekannt, beide Clubs waren ein paar Jahre nicht nur über den gemeinsamen Sportdirektor Ralf Rangnick miteinander verbunden und zudem spielen bei uns einige ehemalige Salzburger. Es geht ums Überwintern im internationalen Geschäft.

Eine Stallorder könnte dafür sorgen, dass beider Chancen auf die K.o-Phase vital bleiben.
Stallorder? Von wem soll die kommen?

Von Herrn Mateschitz. Oder von Ihnen.
Nonsens! Dietrich Mateschitz mischt sich nullkommanull ins operative Geschäft ein und auch ich habe keinen Einfluss auf Salzburg. Salzburg und Leipzig haben eine gemeinsame Vergangenheit, aber weder eine gemeinsame Gegenwart noch Zukunft. Salzburg braucht selbst noch einen Punkt, um sicher weiterzukommen. Wir müssen punkten, um weiter in drei Wettbewerben dabei zu sein. Salzburg wird sicherlich wieder hochmotiviert gegen uns auftreten. Und wir wollen es nach dem Hinspiel (2:3; Red.) natürlich besser machen.

Laut Salzburgs Ass Hannes Wolf ist die „Phase, dass jeder von uns nach Leipzig gehen will, lange vorbei“ (Kleine Zeitung). Spricht für gewachsenes Selbstwertgefühl und gegen den Fortbestand der Leipziger Werkbank.
Ich muss nicht jede Aussage kommentieren. RB Salzburg hat sich klasse entwickelt, steht in jeder Hinsicht gut da.

1899 Hoffenheim hat sich vor exakt einem Jahr aus der Europa League verabschiedet, auf die Bundesliga konzentriert und wurde Dritter – ein Champions-League-Platz. Kann man so machen...
Ich glaube nicht, dass sich in Hoffenheim jemand über das Ausscheiden gefreut hat. Wir wollen in drei Wettbewerben das Optimum, insgesamt erfolgreich bleiben und möglichst auch in der kommenden Saison wieder in einem internationalen Wettbewerb dabei sein. Also wäre es doch auch ein Stück weit widersinnig, wenn wir uns jetzt ständig über die Mehrfachbelastung beschweren würden.

Ein Ausscheiden aus der Europa League...
...wäre kein Weltuntergang.

...aber käme einem sehr nah.
Nein. Wir werden alles tun, um die K.-o.-Phase zu erreichen.

Dietrich Mateschitz wird nach unseren Informationen nicht im Stadion sein, weil er in einer anderen Ecke der Welt beschäftigt ist.
Herr Mateschitz wird nicht da sein.

Drei Tage nach Salzburg kommt Gladbach. Die Borussen sind raus aus dem DFB-Pokal, spielen nicht international, gehen alle sieben Tage in der Bundesliga frisch ans Werk.
Und das heißt, dass wir deswegen gegen Gladbach keine Chance haben? Wir wollen in Salzburg punkten und dann mit unseren Fans alles gegen die momentan superstarken Gladbacher in die Waagschale werfen. Das Stadion wird voll sein, wir haben schon über 40.000 Tickets verkauft. Unsere Mannschaft hat schon öfter gezeigt, dass sie alle drei Tage liefern kann. Wir hatten nach Glasgow noch weniger Zeit und haben danach 3:0 gegen Leverkusen gewonnen.

Das 0:1 in Wolfsburg...
...hat uns allen nicht gefallen. Aber Niederlagen gehören im Sport dazu. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir die ausstehenden sieben Spiele erfolgreich gestalten und weiter eine tolle Saison spielen werden.

DURCHKLICKEN: Das sagt die Presse

Kicker: RB gegen RB - es war ein brisantes Duell, was da in Leipzig zum Auftakt der Europa League stattgefunden hatte. Und unterhaltsam war es auch noch. Eine bemerkenswerte Erklärung, warum es aus Leipziger Sicht nicht gereicht hat, hatte Ralf Rangnick parat - unter anderem wies er auch auf die schwache österreichische Liga hin. Zur Galerie
Kicker: "RB gegen RB - es war ein brisantes Duell, was da in Leipzig zum Auftakt der Europa League stattgefunden hatte. Und unterhaltsam war es auch noch. Eine bemerkenswerte Erklärung, warum es aus Leipziger Sicht nicht gereicht hat, hatte Ralf Rangnick parat - unter anderem wies er auch auf die schwache österreichische Liga hin." ©

Ralf Rangnick ist mit seiner zweiten Aushilfszeit als Trainer ins Risiko gegangen, nach dem ersten Bundesligaspieltag und dem 1:4 in Dortmund titelte ein Boulevard-Blatt „Rangnick Letzter!“ Welche Schulnote würden Sie dem Trainer Rangnick jetzt geben?
Eine 1. Er hat das Steuer nach einem etwas ruckeligen Bundesliga-Start und dem 2:3 gegen Salzburg herumgerissen. Da, wo wir jetzt stehen, sind wir auch verdientermaßen.

Rangnick wurde beim 2:3 gegen Salzburg von Teilen der Ösi-Fans derb beleidigt. Braucht er auch am Donnerstag ein dickes Fell?
Die Beleidigungen waren das Allerletzte – und sie entbehren jeglicher Grundlage. Ralf Rangnick hat in Salzburg von 2012 bis 2015 Strukturen, eine Philosophie und Marktwerte geschaffen, ein bestelltes Feld hinterlassen. Viele Mitarbeiter, die er damals geholt hat, sind heute noch dort und machen einen top Job.

Könnte es sein, dass Ralf Rangnick nach der Saison hinter sich abschließt und ein neues Abenteuer sucht?
Warum sollte er? Unser Abenteuer ist längst nicht beendet.

Und was ist, wenn die Premier League ruft? Rangnick liebt England, ist Englisch-Lehrer und er wurde von der englischen Fußball-Bibel FourFourTwo 2017 zum weltbesten Manager gekürt.
Dass Ralf einen sensationellen Ruf und ein gutes Image hat, ist mir bekannt. Den hat er sich verdient. Ich kann und will mir RB ohne Ralf Rangnick nicht vorstellen. Er war, ist und bleibt unser sportlicher Motor.

Der Achtzylinder-Motor der Mannschaft läuft im Mittelfeld aktuell unrund. Wie nah ist der Geschäftsführer dran am Lazarett und den angeschlagenen Herren Kevin Kampl, Marcel Sabitzer, Dayot Upamecano und Emil Forsberg?
Das ist in allererster Linie die Sache unserer Trainer, Ärzte und Physiotherapeuten. Dass ich mich nach dem Stand der Dinge erkundige, gehört aber einfach dazu.

DURCHKLICKEN: RB Leipzig gegen Salzburg in der Einzelkritik

(28) Yvon Mvogo: Bei den Gegentoren allein gelassen und machtlos. Note 3. Zur Galerie
(28) Yvon Mvogo: Bei den Gegentoren allein gelassen und machtlos. Note 3. ©

In Wolfsburg musste Rangnick auf alle Kreativen verzichten.
Wir haben einen kleinen, feinen Kader, da fällt jeder Ausfall ins Gewicht. Wir sind verletzungstechnisch bis zum Wolfsburg-Spiel sehr gut durchgekommen, dann kam das eine zum anderen. Das passiert, auch andere Vereine haben Verletzte.

Emil Forsberg wird eher weniger in diesem Jahr zurückkehren.
Emil ist ein fantastischer Fußballer und fehlt uns mit seiner Qualität natürlich sehr. Wir haben ihn nicht ohne Grund langfristig an uns gebunden (bis 2022; Red.).

Zwei Neuzugänge sind schon fixiert. Ist es in Stein gemeißelt, dass es dabei bleibt?
Nein, denn im Fußball weiß man das nie so genau. Es könnten vielleicht auch mehr werden.

Wird die Akte Ademola Lookman zur Wiedervorlage gezückt?
Wir hätten ihn im Sommer gerne verpflichtet, aber Everton war nicht wirklich bereit, ihn zu verkaufen und wir haben auch Grenzen. Es gibt nicht nur Ademola Lookman. Ralf Rangnick entscheidet, wo er seine sportlichen Schwerpunkte setzt.

Meldungen zum Europa-League-Spiel RB Salzburg – RB Leipzig

Der Rückgang der Zuschauerzahlen hat mit späten Anstoßzeiten und der – kostspieligen – Flut an Spielen zu tun. An welchen Stellschrauben können sie drehen?
Wenn das Stadion nicht voll ist, frage ich mich unabhängig von den genannten Gründen, warum das so ist bzw. ob das so bleiben muss. Wir müssen um jeden bestehenden Zuschauer und um jeden neuen kämpfen. Es gibt sehr viele Menschen, die RB toll finden aber bislang noch nicht im Stadion waren. Wir sind an vielen Fronten unterwegs, wollen überall besser und attraktiver werden. Service, Preise, Erlebnis-Charakter und so weiter. Da ist noch viel Luft nach oben.

Die von Florian Scholz geleitete Marketingabteilung ist neuerdings preisgekrönt. Zurecht?
Ja, absolut. Das ist eine tolle Wertschätzung für kreative Arbeit und neue Wege. Es ist heutzutage nicht damit getan, einfach nur ein paar coole Plakate aufzuhängen. Wir haben nichts zu verbergen, gehen auf die Leute zu, sind sozial engagiert. Wir wollen und müssen unsere Fans abholen und mobilisieren. Und: Fußball soll für alle bezahlbar sein.

Der Stadionaus- und Umbau wird zig Millionen Euro teurer als angenommen. Was bedeutet das für die avisierten Gewerke und den EM-2024-Standort Leipzig?
Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen und ich habe die Verantwortung für über 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wenn die konkreten Angebote der Baufirmen deutlich teurer sind, als von unseren Experten geplant, muss man reagieren. Jede Entscheidung dieser Größenordnung ist bei RB Leipzig mit einem Businessplan unterlegt und muss sich rechnen. Wollen und Können müssen zueinander passen.

Es passiert demnach zunächst nicht viel?
Es passiert eine Menge, wir packen das Stadion an, werden bis zum Sommer 13 Millionen Euro investieren. Leipzig ist der einzige Standort im Osten und hat bereits bei der WM 2006 und zuletzt beim Länderspiel seine Tauglichkeit als Austragungsort für große Turniere unter Beweis gestellt.

Lothar Matthäus hält Sie für Bayern-tauglich.
Ich fühle mich bei RB sehr wohl und habe einen Vertrag bis 2023. Damit ist alles gesagt.

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