08. Juni 2018 / 11:25 Uhr

VSK Osterholz-Scharmbeck: Nach dem Klassenerhalt kommt der Trainer-Rauswurf

VSK Osterholz-Scharmbeck: Nach dem Klassenerhalt kommt der Trainer-Rauswurf

Jan-Henrik Gantzkow
Trainer Torsten Just führte den VSK Osterholz-Scharmbeck zum Klassenerhalt und bekam dann den Stuhl vor die Tür gesetzt.
Trainer Torsten Just führte den VSK Osterholz-Scharmbeck zum Klassenerhalt und bekam dann den Stuhl vor die Tür gesetzt. © Werner Maaß
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Rückblick: Die Saison des Bezirksligisten glich einer Berg- und Talfahrt

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Die Saison des VSK Osterholz-Scharmbeck in der Fußball-Bezirksliga 3 könnte mit vielen Adjektiven beschrieben werden. Langweilig war sie aber mit Sicherheit nicht. Stattdessen glich sie einer Berg- und Talfahrt, endete nach einem kräftezehrenden Abstiegskampf aber trotz zahlreicher Hindernisse mit dem Klassenerhalt. „Das war wirklich eine intensive Saison, in der alle Beteiligten an ihre Grenzen gestoßen sind. Es gab Höhen und Tiefen, sportlich gesehen ging sie dann aber positiv zu Ende“, bilanzierte Trainer Torsten Just, der im Anschluss an diese Spielzeit dennoch seinen Hut nehmen musste.

      

Den ersten Tiefpunkt erlebten die Kreisstädter bereits vor der Saison, als gleich mehrere erfahrene Stammkräfte den Verein verließen und der ohnehin kleine Kader weiter schrumpfte. Als es für die extrem junge Mannschaft dann im Pokalspiel in Hambergen eine 0:9-Schlappe setzte und auch die ersten beiden Ligaspiele verloren gingen, wurde die Just-Truppe von einigen Experten bereits totgesagt.

Doch Just behielt einmal mehr die Ruhe und impfte seiner jungen Truppe sein System ein. „Natürlich war auch mir bewusst, dass es angesichts dieses kleinen und unerfahrenen Kaders eine schwierige Saison werden würde. Ich habe den Jungs aber gesagt, dass wir, wenn wir unsere Taktik umsetzen und jeder seine Aufgaben erfüllt, Erfolg haben werden“, erklärt der Taktikfuchs.   

Kurzzeitig auf Rang drei

Und in der Tat fand die neuformierte Elf immer besser zusammen, gewann fünf der sechs folgenden Partien und stürmte kurzzeitig sogar auf den dritten Tabellenrang. Zwar gab es danach gegen starke Gegner auch wieder Niederlagen, dennoch präsentierte sich der VSK oftmals mutig und offensivstark. „Die Philosophie des Trainers ist es, Ballbesitz zu haben und nach vorne zu spielen. Das haben wir versucht, und mir als Stürmer kam das natürlich entgegen“, sagt Torjäger Mohamed Taha, der in seinem ersten Jahr auf Bezirksebene gleich 15-mal getroffen hat. Dann kam aber die lange Winterpause, und das schlechte Wetter ließ auch bei den Grün-Weißen eine wirkliche Vorbereitung kaum zu. „Wir konnten nur ein Testspiel machen und ansonsten fast nur laufen. Das schlägt natürlich auf die Stimmung“, erinnert sich Kapitän Alexander Janosch an die quälend lange fußballfreie Zeit.

Als es dann wieder losging, erwischte der VSK einen echten Kaltstart, und der kleine Kader machte sich in den folgenden Wochen deutlich bemerkbar. Die hohe Belastung der vielen Nachholspiele sorgte für weitere Ausfälle, sodass es in zehn Spielen nur einen Dreier gab. „Das konnten wir kaum kompensieren, und unsere jungen Spieler haben dann einfach zu viele kapitale Fehler gemacht, die zu Gegentoren führten“, weiß Trainer Just, dessen Team insgesamt satte 81 Gegentore hinnehmen musste. Logischerweise ärgerte dies insbesondere den Schlussmann und Spielführer, der aber nicht nur die Unerfahrenheit als Ausrede gelten lassen will: „Wir hatten viele Blackouts. Aber in manchen Phasen hat mir auch bei manchen Spielern die Einstellung gefehlt. Es ärgert dich natürlich, wenn du alles gibst, aber nicht alle voll durchziehen“, moniert Janosch.

So rutschte die Just-Elf wieder mitten in den Abstiegskampf und stand Ende April vor dem Derby in Pennigbüttel mächtig unter Druck. Doch dort erkämpfte sie sich ein 1:1, das eine Initialzündung für die folgenden Spiele war. „Da haben die Jungs verstanden, worum es geht. Sie haben gekämpft und die richtige Mentalität gezeigt. Auch wenn wir im Training nicht viele Leute waren, haben aller super mitgezogen und in kleinen Schritten eine gute Entwicklung genommen“, lobt Just, der vor allem bei Dennis Knecht und Youngster Till Gerken große Leistungssprünge erkannt hat.Nicht nur der Trainingseifer stimmte, auch der Zusammenhalt wurde in der turbulenten Saison gefördert. „Die Stimmung war immer gut, wir haben füreinander gekämpft. Das war wirklich gut“, verrät „Shap“ Taha. Durch einen Doppelsieg am Pfingstwochenende schaffte der verschworene Haufen tatsächlich den vorzeitigen Klassenerhalt und all die Schwierigkeiten der Saison waren zumindest in diesem Moment vergessen. „Da ist uns natürlich ein Riesenstein vom Herzen gefallen, und wir waren sehr froh, unser Ziel erreicht zu haben“, bestätigt Torsten Just. Doch damit war die spektakuläre Achterbahnfahrt des VSK noch nicht zu Ende, der Höhepunkt folgte noch: Nur einen Tag nach dem letzten Spiel wurde Just von seinen Aufgaben entbunden. Während der Trainer über die Art und Weise weiterhin maßlos enttäuscht ist, sind auch seine nun ehemaligen Spieler zumindest überrascht. „Ich finde es Torsten gegenüber unfair, und die Art der Trennung auch nicht gelungen. Er ist ein super Trainer, brennt für den Fußball und ist auch menschlich top“, wundert sich beispielsweise Alexander Janosch über den Paukenschlag nach Saisonende.

Aber irgendwie passt dieser auch zur Saison des VSK Osterholz-Scharmbeck: Langeweile herrschte in diesem Jahr jedenfalls nie.

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