USER-BEITRAG Leipzigs größte Fanszenen bei RB Leipzig, Lok Leipzig und Chemie Leipzig. © Christian Nitsche

„Wahnsinniger Schritt nach vorn“: Positive Zwischenbilanz beim Leipziger Fußball-Fanprojekt

Leipzig. Zwei Jahre nach dem Neustart des Leipziger Fußball-Fanprojekts haben Stadt und Polizei der Initiative hervorragende Arbeit bescheinigt.

BUZZER DEINE MEINUNG!

  • Fail -
  • Läuft -
  • Krass -
  • WTF -
  • Kopf Hoch -
  • Peinlich -
Anzeige

Leipzig. Zwei Jahre nach dem Neustart des Leipziger Fußball-Fanprojekts haben Stadt und Polizei der Initiative hervorragende Arbeit bescheinigt. Es sei gelungen, einen Draht zu den rivalisierenden Anhängern zu finden, so Polizeipräsident Bernd Merbitz am Dienstag. „Ich bin dankbar, dass es das Fanprojekt gibt, in Leipzig wurde damit ein wahnsinniger Schritt nach vorn gemacht“, so Merbitz weiter. Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) lobte vor allem die ruhige und bestimmte Art von Projektleiterin Sarah Köhler: „Sie hat geräuschlos, aber auch wirkungsvoll Netzwerke geknüpft“. Inzwischen reichen diese auch bis in die Fanszene von Lok Leipzig.

Köhler hatte das Fanprojekt im Herbst 2011 übernommen, nachdem Experten des Deutschen Fußballbundes (DFB) ihren Vorgängern zu geringe Distanz zum Rechtsextremismus vorgeworfen hatten. DFB und Stadtverwaltung fanden mit der Outlaw gGmbH einen erfahrenen Partner und konnten den Neustart letztlich auch gegen Widerstände von Fußballverband und Innenministerium durchsetzen. Nach einem persönlichen Besuch von Bürgermeister Fabian beim damaligen Landespolizeipräsidenten Merbitz in Dresden wurde das neue Fanprojekt auf den Weg gebracht. „Es gab einige strittige Fragen, die konnten inzwischen aber aus dem Weg geräumt werden“, freute sich Merbitz am Dienstag.

In enger Zusammenarbeit mit Behörden und Polizei werden nun alle Spiele der drei großen Leipziger Vereine intensiv vor- und nachbereitet, berichtete Köhler. Dabei habe man auch voneinander gelernt. Das Fanprojekt konnte der Polizei etwa das Wesen des Fandasein näher bringen. Polizeipräsident Merbitz wurde am Dienstag entsprechend großes Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Anhängern bescheinigt. „Fans sind etwas besonderes und wollen eben auch besonders behandelt werden“, so Leipzigs oberster Polizist, der anfügte: „Fans artikulieren sich eben auch mal, das muss erlaubt sein.“ Kein Verständnis zeigte Merbitz dagegen für diskriminierende Äußerungen. „Rassismus auf dem Spielfeld oder auf den Rängen ist mit mir nicht zu machen – da ist meine Schmerzgrenze erreicht.“

Fanszene bei Lok Leipzig im Wandel – enormer Zulauf bei RB Leipzig

Beim Fanprojekt sieht man das ähnlich und lehnt – im Gegensatz zu den Vorgängern – die Arbeit mit Neonazis ab. Lange Zeit blieb Sarah Köhler und ihren vier hauptamtlichen Mitarbeitern auch der Zugang zur Anhängerschaft von Lok Leipzig verwehrt. „Inzwischen hat sich aber nicht nur in der Fanszene bei Lok einiges verändert“, sagte Köhler am Dienstag. Die Zusammenarbeit mit dem neuen Vorstand sei hervorragend, diverse gemeinsame Projekte konnten angeschoben werden. Demnächst werde in Probstheida ein neuer Fantreff eröffnet, so die Fanprojekt-Chefin am Dienstag.

Die ohnehin guten Kontakte zu Bezirksligist Chemie Leipzig konnten in der Vergangenheit noch weiter intensiviert werden. Aktuell finde in der Leutzscher Ultra-Szene eine selbstkritische Auseinandersetzung statt, die vom Fanprojekt mit Hilfe von internationalen Referenten unterstützt wird, erklärte Köhler. Ähnlich intensiv sei auch der Draht zu RB Leipzig und deren Anhängern. „Bei RB sieht unsere Arbeit aber ganz anders aus. Hier kann ich schließlich nicht jeden Fan mit Handschlag begrüßen“, so die Fanprojektleiterin scherzend. Vor allem in den Altersgruppen unter 18 Jahren haben die Roten Bullen derzeit enormen Zulauf. Das Fanprojekt biete deshalb Auswärtsfahrten für minderjährige Fans an. Ähnlich wie die Chemie-Anhänger im Jahr zuvor, wollen einige RB-Fans demnächst auch nach Krakau fahren – inklusive Besuch im Konzentrationslager Auschwitz.

Wachsende Herausforderungen – Fangewalt rückläufig

Der wachsende sportliche Erfolg bei RB sei laut Polizeipräsident Merbitz eine Herausforderungen für seine Beamten – vor allem hinsichtlich der zu erwartenden Auswärtsfans. „Man stelle sich vor, RB würde in der Relegation zur Zweiten Liga auf Dynamo Dresden treffen. Ein Alptraum“, so Merbitz scherzhaft. „Trotzdem würde ich auch dann vor Schreck keinen Urlaubsschein einreichen. Wir stellen uns der Herausforderung“, sagte der Polizeipräsident. Bei bisherigen Extremsituationen, wie etwa dem Gastspiel von Hansa Rostock, sei alles weitgehend im Rahmen geblieben. „Im Stadion blieb es ruhig, nur die An- und Abreise der Hansa-Fans war mit Angriffen auf Polizisten, Sachbeschädigungen und Pyrotechnik noch nicht zufriedenstellend“, so Merbitz.

Insgesamt habe die Fußballgewalt in Leipzig in den vergangenen Jahren aber deutlich abgenommen. „Das hat schon lange nicht mehr die Dimension, wie noch vor Jahren“, so Merbitz weiter. In der berüchtigten „Gewalttäter Sport“-Datei seien derzeit 26 Personen aus Leipzig verzeichnet. Zudem gebe es auch bei den Zahlen der Gewalt suchenden Fans (sogenannte Kategorie C) eine abnehmende Tendenz. Im Umfeld von Lok Leipzig schätzte Merbitz den aktuellen C-Anteil auf 80 Personen, bei Chemie Leipzig sollen es zwischen zehn und 20 Personen und bei der SG Sachsen Leipzig zwischen fünf und zehn sein.

Auch in den unteren Ligen will der Polizeipräsident künftig weiter massiv Präsenz zeigen. „Wir haben aus den Vorfällen in Brandis gelernt“, erinnerte Merbitz an den Nazi-Überfall auf ein Spiel von Roter Stern Leipzig anno 2009. Deshalb nimmt der 58-Jährige auch in Kauf, dass es Kritik an der Strategie gibt: „Wenn mich einer fragt: Warum seid ihr hier gleich mit einem ganzen Einsatzzug angerückt? Dann sage ich nur: Weil nicht mehr zur Verfügung stand“. Angesprochen auf die bundesweite Aufmerksamkeit, die im vergangenen Jahr ein Polizeieinsatz bei einem Bezirksliga-Spiel in Zwenkau ausgelöst hatte, sagte Merbitz: „Wir sind kritisch genug, dass wir danach darüber reden, wie es beim nächsten Mal besser geht. Aber wichtig ist eben auch, dass man erstmal miteinander redet, ehe es an die Presse gelangt.“

RasenBallsport Leipzig 1. FC Lokomotive Leipzig BSG Chemie Leipzig 3. Liga Deutschland 3.Liga (Herren) Landesklasse Sachsen Nord (Herren) Regionalliga Nordost Region Nordostdeutschland (Herren) Region/Leipzig RB Leipzig (Herren) BSG Chemie Leipzig (Herren) 1. FC Lokomotive Leipzig (Herren) ugccontent

KOMMENTIEREN

Mehr Fußball aus der Region

Mehr Fußball vom Sportbuzzer

KOMMENTARE

Anzeige