16. September 2018 / 10:01 Uhr

Walpurgis macht Dynamo Dresden hinten dicht

Walpurgis macht Dynamo Dresden hinten dicht

Jochen Leimert
Maik Walpurgis auf der Pressekonferenz nach dem Spiel in Regensburg.
Maik Walpurgis auf der Pressekonferenz nach dem Sieg in Regensburg. © Jochen Leimert
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Der neue Trainer der Schwarz-Gelben verstärkt die Defensive und setzt auf schnelles Umschalten.

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Regensburg. Hinten dicht - und vorne hilft der liebe Gott! Ein Motto, an das sich viele der 13.629 Fans am Freitagabend in der Continental-Arena erinnert fühlten, als sie verfolgten, wie Dynamo das erste Spiel unter dem neuen Cheftrainer Maik Walpurgis anging. 20 Minuten lang kamen die Dresdner gar nicht richtig aus ihrer Hälfte - es schien fast so, als ob sie sich dort wohlfühlten und nur auf die e i n e Konterchance warteten, um den forsch angreifenden SSV kalt zu erwischen. Walpurgis überraschte das nicht: “Am Anfang hatten wir sicherlich eine Druckphase zu überstehen. Aber das war uns auch bewusst, dass uns Jahn Regensburg alles abverlangen wird. Und genauso ist es auch gekommen. Wir mussten auf unsere Chancen warten, geduldig sein, stabil stehen - das hat die Mannschaft gut gemacht.”

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Das Führungstor mit dem ersten Angriff zu erzielen, das war freilich glücklich - zumal Vorbereiter Rico Benatelli dabei den Ball nicht optimal traf und sein Schuss so zur Vorlage für Aias Aosman wurde, der ausgerechnet bei seinem Ex-Verein eiskalt abstaubte und in der 22. Minute mit einem Schlag für frisches Selbstvertrauen bei den Schwarz-Gelben sorgte. Dabei war Aosman sogar erst einen Moment lang verärgert über Benatellis Dribbling, das dem verunglückten Schuss vorausgegangen war: “Er muss von Anfang an schon quer spielen, denn da stehen zwei Leute. Aber dass der Ball so glücklich zu mir kommt, ist natürlich schöner.”

Defensivspiel sorgt für Ratlosigkeit

Vielleicht hatte der Fußballgott - so es ihn denn gibt - eben den Syrer und nicht Benatelli auserkoren, Dynamo beim Walpurgis-Debüt auf die Siegerstraße zu schießen. Das zumindest mutmaßte Ex-Dynamo Markus Palionis, der nach einem Schlüsselbeinbruch gerade erst wieder gesund geschrieben ist, aber auf Seiten des SSV Jahn gegen seinen alten Verein noch nicht hatte mitspielen können: “Wir haben Dynamo relativ gut hinten eingeschnürt, dann haben wir defensiv einmal ungenau gespielt - mit etwas Glück ist der Ball zum Aias gekommen und der steht allein vorm Tor und macht das Ding. Ich glaube, das war heute die entscheidende Szene, in der das Spiel auf die Seite von Dynamo gekippt ist.”

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Der Innenverteidiger aus Litauen erklärte: “Man hat heute gemerkt, dass wir nach dem ersten Gegentor nicht in der Lage waren, das Spiel zu drehen.” Seine Kameraden auf dem Feld seien vom Auftritt der Sachsen schon sehr überrascht worden, denn so defensiv habe die Gäste niemand erwartet: “Wir haben Dynamo sehr spielstark erwartet und dass sie immer hinten raus spielen.” Als sich die SGD dann nicht auf riskantes Kurzpass-Spiel eingelassen und oft rustikal die Bälle geklärt habe, hätte den SSV-Profis die Idee gefehlt, sei Ratlosigkeit bei ihnen eingezogen: “Das hat man so an der Körpersprache gemerkt”, befand Palionis, der von 2008 bis 2010 exakt 57 Drittliga-Spiele für Dynamo bestritten hatte und nun seit 2014 in Regensburg unter Vertrag steht.

Dass Dario Dumic dann kurz nach der Pause auch noch zum 2:0 traf (52.), als sich die Gastgeber gerade noch einmal anschickten, Dauerdruck auf das Schubert-Gehäuse aufzubauen - das war sicherlich auch eine besonders glückliche Fügung. Regensburg war danach endgültig von der Rolle, rannte nur noch kopflos an - und Dynamo konnte frech kontern. “Im Endeffekt war es so, dass wir im richtigen Moment Tore gemacht haben, was uns in den letzten Spielen gefehlt hat”, bemerkte SGD-Kapitän Marco Hartmann. “Wir haben einfach gespielt - nicht das Spiel gespielt, was wir kennen. Aber man sieht, wenn wir den zweiten Ball kriegen, dann sind wir sehr gefährlich mit der Mannschaft, die wir haben”, ist der Kapitän überzeugt.

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Es darf auch mal die grobe Klinge sein

Hartmann glaubt also nicht, dass Dynamo bei verstärkter Defensive vorn nur auf den lieben Gott hoffen muss: “Wenn wir gut verteidigen, ist es so, dass wir eine hohe Qualität im Umschaltspiel haben können, weil wir im Zentrum Spieler besitzen, die erste Bälle, Pressingsituationen lösen können.” Benatelli, Ebert, Aosman nannte er - “und natürlich haben wir mit Moussa (Koné/d. Red.) vorn wahnsinnig viel Tempo”. Dass Ebert und Koné nach sehr viel Laufarbeit - vielleicht war es eben einen Tick zu viel - etwas unkonzentriert zwei Riesenchancen zum 3:0 oder gar 4:0 vergeben hatten, überraschte ihn nicht groß: “Da muss noch viel Feinabstimmung rein.”

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Die mangelnde Chancenverwertung störte Maik Walpurgis schon ein bisschen, doch weniger als andere, denn er war vor allem froh, dass die Grundordnung im Großen und Ganzen passte: “Die Mannschaft hat das gut umgesetzt.” Den vergebenen Chancen trauerte der neue Coach nicht nach: “Es wäre vermessen zu sagen, dass wir noch höher hätten gewinnen müssen, denn Regensburg hatte auch sehr, sehr gute Möglichkeiten und hat uns auch schon mächtig unter Druck gesetzt.”

Mal den Ball auf die Tribüne zu schlagen - das ist seinen Kickern unter Dauerstress erlaubt. Sie sind offenbar etwas weniger angehalten als unter Uwe Neuhaus, Drucksituationen überwiegend spielerisch zu lösen. Es darf jetzt öfter mal die grobe Klinge sein - sie wirklich zu greifen, das trauen sich die Spieler offenbar eher als unter dem alten Coach, der ihnen das nicht grundsätzlich untersagt, aber eben doch nicht gern gesehen hatte. Walpurgis hat damit aktuell wohl kein Problem: “Konsequentes Verteidigen gehört natürlich dazu. Wir wollten unbedingt zu null spielen, das war das große Ziel. Da sind wir froh, dass das geklappt hat.”

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