15. Mai 2018 / 13:39 Uhr

Warum es unfair ist, wenn Fußballvereine ihre Frauenabteilungen rausschmeißen

Warum es unfair ist, wenn Fußballvereine ihre Frauenabteilungen rausschmeißen

Ellen Hanisch
Fußballplatz USER-BEITRAG
Fußballplatz © Virgil Cayasa on Unsplash
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Der Fall Holstein Kiel steht exemplarisch für die Ungleichbehandlung von Mädchen und Jungen im deutschen Fußball.

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Es ist gerade einmal eine Woche her, dass Holstein Kiel seine gesamte Frauenabteilung aus dem Verein geschmissen und die Entscheidung dann wieder zurückgenommen hat. Zu groß war der mediale und politische Druck auf die Vereinsführung, die einräumen musste, die Situation falsch eingeschätzt zu haben.

Am Sonntag rechtfertigte sich Kiels Sportchef Ralf Becker im NDR Sportclub damit, zwar in der Kommunikation versagt, aber in der Sache recht gehabt zu haben. Betrachten wir also einmal die Sache: Wenn Holstein Kiel der Aufstieg in die 1. Männer-Bundesliga glückt, soll das Abenteuer nicht schon nach einer Saison wieder vorbei sein. Dafür braucht der Verein Geld. Geld, mit dem er den männlichen Nachwuchs fördern möchte. Und zwar ausschließlich den männlichen. Was liegt dann also näher, als in einem Vereinsbereich Geld einzusparen?

Nun vermittelt aber die Facebook-Erklärung der Holstein Women nicht gerade den Eindruck, dass die Frauenabteilung ein Vereinsbereich ist, in den Holstein Kiel bisher viel Geld investiert hat.

Gegen das Schweigen – auch Frauen haben eine Stimme Am letzten Freitag (27.04.2018) vor dem Abschlusstraining wird der...

Geplaatst door Holstein Women op maandag 30 april 2018

Ein Parkplatz als Spielfeld, keine festen Trainingszeiten und schließlich die Auslagerung zum VfB Kiel. Immerhin spendierte Holstein Kiel neue Kabinen. Unterdessen trainieren die Jungen- und Männermannschaften im Nachwuchsleistungszentrum. Kein Wunder, dass sich die Holstein Women trotz zehnjähriger Vereinszugehörigkeit „als Außenseiter behandelt“ fühlen. Und mit diesem Gefühl sind sie nicht alleine. Bereits 2012 wurde empirisch untersucht, wie sich die Inklusion des Frauen- und Mädchenfußballs auf zuvor reine Männerfußballvereine ausgewirkt hat. Als Deutschland die Zusage für die WM 2011 bekam, war dies auch mit der Auflage verbunden, den Frauenfußball auf Verbandsebene zu fördern.

Eine Vertreterin des Frauenfußballs äußerte sich in der Studie wie folgt:

„Die Vereinsvorstände sind oft dagegen. Die wollen keinen Frauenfußball und kommen dann mit Ausreden, wie mangelnder Platz und damit, nicht genügend Umkleidekabinen zu haben.“

Von einem freiwilligen Engagement im Frauen- und Mädchenfußball und der banalen Ansicht, Mädchen genauso eine Chance zu geben wie Jungen, scheinen viele Vereine weit entfernt zu sein.

Auch Tamara Keller findet in einem aktuellen Artikel zum Ansehen des Frauenfußballs in Deutschland deutliche Worte:

„Männer, die aus Rücksicht auf die Frauen nicht feiern dürfen? Männer, die auf dem schlechteren Platz trainieren müssen? Nie gehört.“

Holstein Kiel hat es in zehn Jahren nicht geschafft, seine Frauenabteilung als einen gleichwertigen Teil des Vereins zu betrachten. So wie den Holstein Women geht es vielen Frauen- und Mädchenmannschaften in Deutschland. Sie bekommen die Trainingszeiten und -plätze, die übrig bleiben und wenn der Verein finanzielle Probleme hat, sind sie die Ersten, die die Auswirkungen zu spüren bekommen.

Die Spieler von Holstein Kiel mögen nicht zu den Spitzenverdienern in der 2. Männerbundesliga zählen. Der Vereinsvorstand mag keinen höheren Millionenetat für die Kaderplanung der Männermannschaft zur Verfügung haben. Aber ist es fair, sich deswegen die finanziellen Mittel aus der ohnehin am wenigsten geförderten Vereinsabteilung nehmen zu wollen?

Die Menschen in Deutschland haben Holstein Kiel über die sozialen Medien –

AufstehenfürVielfalt – eine klare Antwort gegeben:

Nein


Klein,Marie-Luise et al. (2012): Strukturelle Auswirkungen der Inklusion des Frauen und Mädchenfußballs in die Fußballvereine – untersucht am Beispiel des westdeutschen Fußball- und Leichtathletikkverbandes. - In: Spielen Frauen ein anderes Spiel? Geschichte,Organisation, Repräsentationen und kulturelle Praxen im Frauenfußball, Wiesbaden: Springer VS, S. 61-75.

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