11. Januar 2019 / 16:52 Uhr

"Wout ist besessen": VfL-Doppelspitze Weghorst und Ginczek im Doppel-Interview

"Wout ist besessen": VfL-Doppelspitze Weghorst und Ginczek im Doppel-Interview

Tim Lüddecke
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Fußball: Bundesliga, Bayern München - Borussia Dortmund, 28. Spieltag am 08.04.2017 in der Allianz Arena in München (Bayern). Sokratis (l) und Marcel Schmelzer von Dortmund diskutieren nach Spielende miteinander. (Wichtiger Hinweis: Aufgrund der Akkreditierungsbestimmungen der DFL ist die Publikation und Weiterverwertung im Internet und in Online-Medien während des Spiels auf insgesamt fünfzehn Bilder pro Spiel begrenzt.) Foto: Andreas Gebert/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
„Wir hocken jetzt nicht 24 Stunden am Tag aufeinander“: Daniel Ginczek (l.) und Wout Weghorst verstehen sich trotzdem gut. © Roland Hermstein
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Daniel Ginczek und Wout Weghorst haben maßgeblichen Anteil an der starken Hinrunde des VfL Wolfsburg. Im Doppel-Interview mit dem SPORTBUZZER spricht das Sturmduo über gegenseitige Stärken und Schwächen, Kinderwünsche und Träume von der Nationalmannschaft.

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Einmal Platz nehmen, bitte. Als die beiden Stürmer des VfL Wolfsburg zum Foto gebeten werden, meint Daniel Ginczek (27): „Mit Küsschen, oder ohne?“ Wout Weghorst (26) stürzt sich dann aber doch lieber auf die Bälle, breitet die Arme aus und legt sich mit dem Bauch auf sie.

Die Chemie zwischen den beiden stimmt: Es gibt zwar einige Reibungspunkte, aber auch Gemeinsamkeiten. Seit dem 9. Spieltag und einem Systemwechsel vom 4-3-3 zum 4-4-2 stürmen sie als Duo für den VfL. Im Doppel-Interview mit dem SPORTBUZZER zeigt sich Ginczek etwas redseliger, der Niederländer fällt eher mit Sprüchen auf.

Herr Ginczek, Herr Weghorst, Sie wurden vor der Saison beide vom VfL verpflichtet. Hand aufs Herz: Kannten Sie den jeweils anderen vorher überhaupt?

Ginczek: (schüttelt nur schmunzelnd den Kopf)

Weghorst: Ja, ich schon. (lacht) Ich habe schon immer viel Fußball geguckt, natürlich auch die Bundesliga – und da wusste ich, wer du bist.

Daniel hat dann also erst mal die Suchmaschine angeschmissen?

Ginczek: Als ich mit dem VfL einig war, wusste ich ja, dass noch ein anderer Stürmer verpflichtet wird. Das erste Mal gesehen habe ich dich aber eigentlich bei Instagram, als Wolfsburg dann deine Verpflichtung noch vor meiner als perfekt gemeldet hat. Und dann habe ich schon ein bisschen geguckt nach den Statistiken – und ob du auch was kannst.

Weghorst: Ja, ja! (lacht)

Bilder vom Doppel-Interview mit Ginczek und Weghorst

Im WAZ/AZ-Doppelinterview: Daniel Ginczek und Wout Weghorst Zur Galerie
Im WAZ/AZ-Doppelinterview: Daniel Ginczek und Wout Weghorst ©
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Und, zufrieden mit der Partnerwahl des Vereins?

Weghorst: Nein, überhaupt nicht. (lacht)

Ginczek: Ach, ich glaube bei uns hat man nie das Gefühl, dass es für Schadenfreude sorgt, wenn der eine spielt und der andere nicht. Am Anfang war ich es ja, der draußen bleiben musste, da bin ich auch immer respektvoll mit ihm umgegangen. Aber klar, auf dem Platz knallt es auch schon mal zwischen uns beiden, wenn man unzufrieden ist.

Als Sturmduo geben Sie sich professionell, wie ist das Verhältnis neben dem Platz?

Ginczek: Wir hocken jetzt nicht 24 Stunden am Tag aufeinander und es ist auch nicht so, dass wir jeden Tag zusammen essen gehen, aber wir verstehen uns schon gut. Und dadurch, dass wir beide Familienväter sind, haben wir ähnliche Gesprächspunkte. Wir sitzen hier im Hotel zum Beispiel auch zusammen an einem Tisch beim Essen, fahren mit einem Auto zusammen zum Training.

Weghorst: Wie du schon gesagt hast: Wir kommen gut miteinander aus.

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Immer für einen Spaß zu haben: VfL-Kapitän Josuha Guilavogui. ©

Gehen die Gemeinsamkeiten auch so weit, dass Sie wissen, was die Tattoos des jeweils anderen bedeuten?

Ginczek: Darüber haben wir uns noch nicht so sehr unterhalten. (lacht)

Daniel hat bereits zwei Töchter, Wout ist gerade zum ersten Mal Vater geworden, geben Sie ihm Tipps?

Ginczek: Wenn ich gefragt werde, gern. Aber was die eigenen Kinder angeht, findet jeder seinen eigenen Weg. Doch wenn ich beispielsweise sehe, wie Wout seine Tochter im Arm hält, sieht das schon ganz gut aus. Ich weiß auch, dass er mich überholen will, was die Anzahl der Kinder angeht.

Sie wollen also mehr als Daniels zwei?

Ginczek: Viel mehr als zwei! (lacht)

Weghorst: Ich habe immer gesagt, dass ich gerne, wenn das möglich ist, vier oder… Ja, sagen wir vier Kinder hätte. (schmunzelt)

Wie sieht es bei der Anzahl der Tore aus, was glauben Sie, wer hat da in seiner Karriere bislang die Nase vorn?

Ginczek: (zeigt auf Weghorst)

Weghorst: Ja, das dürfte ich sein. (Weghorst führt mit 76 Treffern , Ginczek kommt auf 55; Anm. d. Red.) Es ist aber auch ein Riesenunterschied, ob man die in den Niederlanden oder in Deutschland erzielt hat.

Ginczek: Und ich habe wahrscheinlich auch weniger Spiele gemacht.

Weghorst: Das auch noch... (lacht)

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VfL Wolfsburg: Die Top-Ten-Momente 2018 ©

Sind elf Treffer nach der Hinrunde eine gute Quote für zwei Stürmer?

Ginczek: Von den Chancen, die wir hatten, hätten es sicherlich auch 15 sein können. Aber wenn man sieht, dass wir als Mannschaft insgesamt 27 Treffer haben, sind die elf Tore okay, das ist fast die Hälfte. Wir setzen uns da aber keine Marke, ich weiß nicht, wie das bei dir ist…

Weghorst: Ich sehe das auch so. Als Stürmer will man einfach immer treffen, das will ich, das willst du auch. Aber es ist jetzt nicht so, dass wir bei der Anzahl an Toren gegeneinander konkurrieren.

Wenn Sie an erfolgreiche Sturmduos denken, nennen Sie…

Weghorst: Es sind ja nicht mehr so viele Mannschaften, die mit zwei Stürmern spielen… (überlegt) Hier in Wolfsburg haben sie Dzeko und Grafite gehabt, die waren natürlich gut.

Ginczek: (überlegt ebenfalls) Ich habe ein magisches Dreieck im Kopf, kein Duo…Aber wie viele Tore haben Dzeko und Grafite zusammen erzielt, 53 oder so?

Weghorst: In zwei Saisons?! (schmunzelt)

54 waren es, in einer.

Ginczek: Das ist natürlich schon eine Hausnummer, war aber auch noch eine andere Zeit. Ich glaube, es war dann irgendwann auch ein Selbstläufer, sie haben in der Rückrunde gefühlt jedes Spiel mit drei Toren Unterschied gewonnen. Wir schießen mit dem VfL ja mittlerweile auch mehr Tore, aber so viele in einer Saison zu zweit – das ist schon ein Brett.

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Die 13 Top-Fakten zur Hinrunde des VfL Wolfsburg ©

Eine unerreichbare Bundesliga-Bestmarke?

Ginczek: Das kann man im Fußball nie sagen, aber dass beide Stürmer jeweils über 25 Tore schießen, ist schon schwierig, weil die Bundesliga sich entwickelt hat. Es kommen immer mehr gute Spieler in die Bundesliga, weil es mit die attraktivste Liga der Welt ist – das macht es nicht einfacher.

Was ist eigentlich typisch holländisch an Wout?

Weghorst: Na, Fußball spiele ich eher nicht wie ein Holländer.

Ginczek: Nee, vom Spielstil nicht viel, da denke ich eher an kleine, wendige Spieler und ein fußballbezogenes 4-3-3-System mit schnellen Außen. Aber Bas Dost war ja auch in Wolfsburg, der hat eher deine Statur und hat die Bälle lieber vorn verwertet.

Was ist typisch deutsch für Sie, Wout?

Weghorst: Die Mentalität und die Bereitschaft. In Holland gibt es tatsächlich viele technisch starke Spieler, die schön kicken können. Aber ich bin nach Deutschland gekommen, damit es mal richtig zur Sache geht.

Sie dürfen jetzt jeweils etwas Positives über den anderen sagen.

Ginczek: Naja, du bist positiv verrückt! Eigentlich bist du ja total ruhig, aber auf dem Platz bist du ein ganz anderer Mensch, da schreist du auch schon mal rum, wenn du unzufrieden bist. Aber ich finde das positiv: Weil du andere damit mitreißen kannst.

Weghorst: Es ist schon gut, wie ruhig du beim Abschluss vor dem Tor bist. Und im Sechzehner stehst du meistens an der richtigen Stelle.

Das sind die Hinrunden-Torschützen des VfL Wolfsburg:

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1 Tor: Jerome Roussillon. ©

Jetzt natürlich noch etwas Negatives.

Weghorst: Schwierig, ich glaube, da nennen wir jetzt das gleiche…

Ginczek: Du meinst bestimmt den Hang zur Negativität, wenn mal etwas nicht klappt. Dass wir uns in Dinge reinsteigern. Irgendwo ist man als Stürmer ja auch Egoist. Dann rege ich mich auf, wenn du den Ball nicht quer legst, nur weil dein Nationaltrainer hier beim Training zuguckt.

Weghorst: Das ist bei dir doch dasselbe! (lacht) Nein, das passiert. Und eigentlich sollte man das dann direkt abhaken, aber manchmal bleiben wir an diesen Situationen hängen…

Ihre Vita ist grundverschieden: Daniel spielte schon im Nachwuchs bei Borussia Dortmund, Wout war ein Spätstarter, der mit 18 noch in der vierten niederländischen Liga spielte.

Ginczek: Wenn man sich deinen Weg anguckt, hast du dich von unten nach oben gekämpft – mit Ehrgeiz, Fleiß, harter Arbeit. Vielleicht kann man schon sagen, dass ich ein bisschen mehr Talent mitbekommen habe.

Verdient sein Weg mehr Respekt als wenn man – etwas überspitzt – schon beidfüßig auf die Welt kommt?

Ginczek: Ist das schon mal vorgekommen? (lacht) Ich glaube, man kann es gut mit Messi und Ronaldo vergleichen: Messi kann kicken, hat das Talent und Ronaldo hat sich alles hart erarbeitet. Das ist jetzt zwar etwas hoch gegriffen, aber dieses Vernarrte bringst du vielleicht ein Stück weit mehr mit.

Weghorst: Naja, du arbeitest auch viel. Es hängt einfach vom Charakter eines Stürmers ab. Und bei mir ist es von Natur aus so, dass ich zum Beispiel automatisch gegen den Ball arbeite.

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Kann dieses „getrieben sein“ auch manchmal hinderlich sein?

Weghorst: Ich weiß, dass es nicht immer einfach mit mir ist…

Ginczek: Wout ist besessen, Tore zu schießen. Er braucht das schon! Wenn er mal zwei, drei Spiele nicht trifft, merkt man ihm das an. Nicht negativ, sondern er macht dann noch mehr, will noch mehr arbeiten, noch mehr laufen…

Weghorst: (unterbricht) ...ich wusste gar nicht, dass du mich so gut kennst.

Läuft es in der Rückrunde weiter so, wird auch die Nationalmannschaft zum Thema für Sie beide, oder?

Weghorst: Ich wäre natürlich wieder gern dabei, aber ich habe gelernt, dass das so nicht funktioniert. Man muss nur auf seine eigene Entwicklung gucken – der Rest kommt dann von allein.

Ginczek: Sollten wir jetzt eine ähnliche Rückrunde spielen, mit einer besseren Quote vielleicht noch, dann kann das immer ein Thema sein. Wenn man in der Bundesliga Fünfter ist, hat das für jeden Spieler Vorteile – und die wollen wir nutzen. Aber ich glaube, dass du etwas näher dran bist, weil Deutschland auch noch mal eine andere Qualität hat, trotz des schlechten Jahres.

Weghorst: 0:3 habt ihr letztens erst gegen uns verloren, oder?

Ginczek: Ja… Aber auf die letzten Jahre gesehen, ist in Deutschland der Sprung schon noch größer.

Macht es sich eigentlich bemerkbar, dass Sie mit Bruno Labbadia ein ehemaliger Bundesliga-Topstürmer trainiert?

Weghorst: Er will natürlich immer offensiv spielen, das ist gut für uns beide.

Ginczek: Er musste sich seinerzeit auch viel erarbeiten, das erwartet er also auch von uns – und belohnt uns auch dafür, dass wir beide spielen dürfen. Ich erinnere mich aber auch an seine Aussage, dass wir trotzdem besser sind, als er es damals war. Von daher freuen wir uns einfach darüber.

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