Bürgermeister Rosenthal sagt zum Verkauf des früheren Zentralstadions: „Der Eigentumsübergang bringt Vorteile für alle Seiten.“ © Matthias Roth

Wer verdient am Verkauf der Red-Bull-Arena an RB Leipzig?

Bürgermeister Rosenthal und andere Fachleute zählen Bund, Stadt, Betreiber Kölmel und RB Leipzig zu den Gewinnern.

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Leipzig. Am Donnerstag sickerte aus dem Rathaus, dass nun doch alles schneller gehen wird. Wahrscheinlich noch im März könne die Bauvoranfrage von RB Leipzig zur Erweiterung der Red-Bull-Arena auf 57 000 Plätze beschieden werden. Zum Saisonende sei dann mit der eigentlichen Baugenehmigung zu rechnen. Da RB-Vorstandschef Oliver Mintzlaff und Stadion-Besitzer Michael Kölmel den Abschluss eines Kaufvertrages für das Stadion an einen positiven Bescheid zur Bauvoranfrage geknüpft hatten, wird also sicher bald ein Termin beim Notar reserviert.

Wie berichtet, liegt der Kaufpreis laut gut unterrichteten Kreisen bei 70 Millionen Euro. Weitere 40 Millionen Euro in etwa will der Bundesligist in die Erweiterung um 14 000 Plätze stecken. Letzte Gewissheit über den Kaufpreis dürfte eine Stadtratsvorlage bringen, die unter Federführung von Umwelt- und Sportbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) zu dem geplanten Eigentümerwechsel entsteht. „Derzeit kommt alles gut voran“, versichert er. Zwar gehört die 2004 eröffnete Riesenschüssel Familie Kölmel. Deren Betreibergesellschaft ZSL hatte sie einst von der Stadt gekauft. Im Jahr 2030 oder 2035 hätte die ZSL das Stadion aber an die Kommune zurückgeben können.

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Zudem besitzt die Stadt diverse Heimfallrechte – etwa für den Fall, dass ein Eigentümer das Stadion nicht mehr für Fußball nutzen will, erklärt Rosenthal. Kölmel könne nur weiterverkaufen, wenn die Stadt dem zustimmt. „Um die Gemengelage zu verstehen, sollte man wissen, dass solche Anlagen im Schnitt über 25 Jahre abgeschrieben werden“, erklärt er. Danach lägen die Sanierungskosten etwa gleichauf mit einem Neubau.

Manche Leipziger argwöhnen dennoch, mit den jetzigen Plänen werde letztlich Steuergeld privatisiert. So verwies LVZ-Leser Thomas Lutter darauf, dass der Stadionbau 116 Millionen Euro gekostet hatte. „Davon verschenkte der Bund alleine unfassbare 51 Millionen Euro an Steuergeldern an die Stadt Leipzig, welche ihrerseits weitere 21 Millionen Euro bereitstellte. Herr Kölmel war wohl mit einem Anteil von 44 Millionen Euro beteiligt.“ Folglich streiche Kölmel nun einen hohen Gewinn ein: auf Kosten der 72 Millionen Euro, die Bund und Stadt gemeinsam beisteuerten, kritisiert der Leser.

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Bürgermeister Rosenthal betont indes: „Der Eigentumsübergang bringt Vorteile für alle Seiten.“ Ohne RB hätte die Stadt keine weitere Verwendung für das mittlerweile 13 Jahre alte Stadion gehabt. Künftig komme der Bundesligist für alle dort anfallenden Kosten auf, die Stadt gewinne dabei national und vielleicht bald auch international an Prestige, generiere zudem hohe Steuereinnahmen. Wie berichtet, schätzten Fachleute der Leipziger Handelshochschule die zusätzlichen Steuereinnahmen allein für die erste Bundesliga-Saison auf 6,6 Millionen Euro.

Der Bund habe seinen Zuschuss einst an die Bedingungen geknüpft, dass in Leipzig ein reines Fußballstadion für den Confed-Cup 2005 und die Weltmeisterschaft 2006 entsteht. Das Ziel, damit auch hochklassigen Fußball in Ostdeutschland zu unterstützen, sei ebenfalls erreicht. Die Förderauflagen des Bundes müsse RB nun übernehmen und weiterhin erfüllen.

Die Vorteile für RB oder Kölmel möchte Rosenthal nicht bewerten. Nach Meinung anderer Insider liegt der Nutzen für RB aber auf der Hand: Ein neues Stadion am Stadtrand hätte mindestens doppelt so viel wie die jetzige Lösung gekostet, wäre zudem bei den Fans unpopulär gewesen.

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Bliebe die Frage: Was verdient der bisherige Besitzer Kölmel an dem Deal? Trotz Einnahmen durch Konzerte dürften in den ersten fünf Jahren – als noch der FC Sachsen im Stadion kickte – einige Verluste entstanden sein, so ein Insider. Erst als RB ab 2010 einige Teile und später die ganze Arena mietete, sei pro Saison ein steigender Betrag in Millionen-Höhe in die Kasse geflossen. An die zehn Millionen Euro Jahresmiete seien durchaus üblich für einen Bundesliga-Club. Spekuliert wird auch darüber, ob Kölmel einen erheblichen Teil seiner Anfangsinvestition von 44 Millionen Euro steuerlich abschreiben konnte. Falls das stimmt, hätte ihm seine Arena-Liaison unterm Strich geschätzt an die 50 Millionen Euro Gewinn beschert. „Er trug aber auch allein das unternehmerische Risiko“, betont einer der Experten. „Was er am Stadion-Verkauf wirklich verdient, wissen wohl nur Herr Kölmel selbst, sein Buchprüfer und das Finanzamt.“

Jens Rometsch

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