NOR_20170618_rst009 Das Ende: Werders U17-Fußballer stehen frustriert auf dem Rasen des Grünwalder Stadions herum. © nordphoto
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Werders U17: Enttäuschung in Lametta

Bundesliga-Nachwuchs verpasst gegen den Fc Bayern den ersten deutschen Meistertitel - und muss sich nun völlig neu formieren

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Geknickt schritten die U 17-Junioren des SV Werder Bremen in die Kabine, bei einigen Spielern flossen Tränen. Nichts war es geworden mit dem ersten deutschen Meistertitel der B-Junioren in der Vereinsgeschichte. 0:2 (0:0) hatte die Mannschaft von Trainer Marco Grote durch die Tore der Münchner Marcel Zylla (75.) und Benedict Hollerbach (80.+2) verloren. Erschwerend hinzu kam, dem FC Bayern bei den Feierlichkeiten zusehen zu müssen. Während die Münchner ihren fünften Titelgewinn und den ersten seit 2007 bejubelten, mussten sich die Bremer auch noch vom goldenen Lametta befreien, das der Wind bei der Siegerehrung genau auf sie niedergehen gelassen hatte. Viel unangenehmer hätte die erfolgreiche Saison der Bremer U 17 nicht enden können als am Sonntag im Grünwalder Stadion in München.

Trotz aller Enttäuschung über den verpassten Coup konnten Trainer Grote und Nachwuchsdirektor Björn Schierenbeck ein positives Fazit ziehen. „Die Bayern waren einfach die bessere Mannschaft“, sagte Schierenbeck, „aber wir haben eine herausragende und außergewöhnliche Saison gespielt.“ Sehr souverän war Grotes Mannschaft in der Staffel Nord/Nordost Meister geworden, hatte dabei den Startrekord von 23 Siegen hintereinander aufgestellt und nun erst ihre zweite Niederlage der Saison hinnehmen müssen. „Unabhängig von diesem Spiel haben wir sehr viel erreicht. Die Jungs haben sich super entwickelt“, befand Grote, der künftig die U 19 übernimmt.

Schierenbeck hofft, bis Ende des Monats einen Nachfolger für die U 17 präsentieren zu können, da die Saison bereits Mitte Juli wieder beginnt. „Wir wollen keinen Schnellschuss, sondern jemanden, der Erfahrung im Jugendbereich hat und über die Fußballlehrer-Lizenz verfügt“, sagte Schierenbeck. Der zuvor gehandelte Christian Brand „wäre interessant gewesen“, fügte er hinzu. Allerdings steht der Ex-Profi der Bremer noch bei Hansa Rostock unter Vertrag. Eine schnelle Einigung war unter diesen Umständen nicht zu erwarten, weshalb man von weiteren
Gesprächen mit Brand Abstand nahm. Der künftige Coach wird eine fast komplett neue Mannschaft formieren müssen, da aus Altersgründen nur zwei Spieler aus dem bisherigen Kader erhalten bleiben. „Wir müssen uns schon strecken, damit wir oben mithalten können“, sagte Schierenbeck.

In München hatte es dazu nicht gereicht. Die sonst so ausgeprägte Spielstärke der Bremer kam auch deshalb nicht wie gewohnt zur Geltung, weil die Münchner flexibler und robuster auftraten. „Eine extrem hohe individuelle Qualität“ erkannte Grote beim Gegner. Auf seinen besten Spieler und mit 18 Treffern erfolgreichsten Torschützen der Saison, Jean-Manuel Mbom, musste er wegen dessen Leistenverletzung verzichten. Gefährliche Torannäherungen der Bremer blieben wohl auch deshalb die Ausnahme. Das galt zunächst zwar auch für die feldüberlegenen Münchner, die immerhin zwei gute Gelegenheiten im ersten Durchgang hatten. Zunächst durch Daniel Jelisic, dann durch Innenverteidiger Alexander Nitzl. Brenzlig wurde es zudem für die Gäste, als sich Werders Torwart Luca Plogmann, der im Sommer bei den Profis mittrainieren soll, kurz vor der Halbzeit auf ein Solo gegen Franck Evina einließ und den Ball vertändelte, ehe er den Münchner im Strafraum zu Fall brachte. Schiedsrichter Timo Gerach sah jedoch vom möglichen Elfmeterpfiff ab. Zu Beginn der zweiten Halbzeit intensivierten die Bremer ihre Offensivbemühungen und kamen durch David Lennart Phillipp aus spitzem Winkel zu einer ersten guten Chance. Danach wurden die Gäste in ihrem Eifer rasch ausgebremst. Pascal Hackethal sah die Gelb-Rote Karte wegen eines wiederholten Foulspiels (45.), nachdem er sich Zylla an der Außenlinie in einem Laufduell in den Weg gestellt hatte. „Durch die Gelb-Rote Karte war es vorbei“, sagte Schierenbeck.

In Unterzahl sahen sich die Bremer wieder verstärkt Angriffen der Münchner und zunehmend auch guten Torchancen ausgesetzt. Zunächst traf Evina mit einem leicht abgefälschten Freistoß die Unterkante der Latte (46.). Fünf Minuten später war es Meier, der im Strafraum an Henry Rorig vorbeiging, aber Plogmann aus kurzer Distanz nicht überwinden konnte.
Weitere fünf Minuten danach traf Meier mit seinem Abschluss das Außennetz.

Die Bremer Defensive stand nun beinahe unter Dauerdruck, Entlastungsangriffe gab es nur noch selten. Allerdings konnten die Münchner in der Folge nicht mehr viele Chancen kreieren. Zyllas Abschluss aus kurzer Distanz ans Außennetz bildete einen der nun wieder seltenen Höhepunkte. Erst ein Ballverlust von Patrick Osterhage im Aufbauspiel brachte den Bayern die verdiente Führung ein. Evina kam zu einem wuchtigen Abschluss, den Torwart Plogmann zwar noch abwehren konnte. Gegen Zyllas Nachschuss war Werders Schlussmann aber machtlos.

Als in der Nachspielzeit Hollerbach auf 2:0 erhöhte, war das letzte Fünkchen Hoffnung der Bremer auf ihren ersten deutschen B-Juniorentitel erloschen.

Region/Bremen Bezirk Bremen SV Werder Bremen (B-Junioren)

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