Bild mit Symbolcharakter: Wermsdorfs Justus Keller strauchelt auf dem Weg zum Ball. Bild mit Symbolcharakter: Wermsdorfs Justus Keller strauchelt auf dem Weg zum Ball. © Pauline Kamm
Bild mit Symbolcharakter: Wermsdorfs Justus Keller strauchelt auf dem Weg zum Ball.

Wermsdorf stolpert und gibt 3:0-Führung aus der Hand 

Nach einer schlimmen Verletzung von Kapitän Zölfl sind die Gastgeber völlig von der Rolle und trennen sich 3:3 vom SV Frisch Auf Doberschütz-Mockrehna.

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Wermsdorf. In einem verrückten Nordsachsenligaspiel haben sich Blau-Weiß Wermsdorf und Frisch-Auf Doberschütz-Mockrehna am Sonnabend 3:3 (3:0) getrennt.

Die Gäste stehen tief im Tabellenkeller, präsentierten sich zuletzt allerdings äußerst formstark und reisten dank dem abermaligen Einzug ins Pokalfinale mit ordentlich Selbstvertrauen an. Die Mannen von Dierk Kupfer wollten nach dem Remis gegen Schenkenberg in der vergangenen Woche ihren Hinspiel-Erfolg bestätigen, um den Anschluss an die obere Tabellenregion zu halten. Dabei gelang den Blau-Weißen ein echter Blitzstart. Nach nicht einmal 120 Sekunden staubte Florian Böttger nach Beckedahl-Freistoß, Wermsdorfers derzeit wohl gefährlichster Waffe, zur Führung ab.

3:0-Führung nach 35 Minuten

Beflügelt von diesem frühen Tor hielten die Platzbesitzer den Druck auf das gegnerische Tor weiter hoch und erspielten sich diverse Möglichkeiten. Durch frühes Anlaufen und griffiges Pressing im Zentrum wurden die Doberschützer effektiv am Spielaufbau gehindert und kamen kaum aus der eigenen Hälfte. So war es eben ein abgefangener Ball, nach dem die Hubertusburger schnell umschalteten und bereits nach zehn Minuten auf 2:0 stellten. Sebastian Körner hatte am Sechzehner mit seinem Pass zwar keinen Mitspieler, dafür aber den Gegner gefunden, der den Ball zwischen die eigenen Torstangen abfälschte.

Eine ansprechende Leistung der Heimelf in der Anfangsviertelstunde, die sich so auch im Ergebnis zeigte. Nach dem fast schon furiosen Beginn verloren die Wermsdorfer jedoch etwas den Faden, wodurch nun auch die Gäste immer öfter gefährlich wurden. Bei einem Pfostenschuss Mitte des ersten Durchgangs hatten die Hubertusburger Glück. Auf der anderen Seite hätten die Blau-Weißen aber auch nachlegen können, gar müssen. Eine ganze Palette von guten Chancen, unter anderem durch Robby Staudte, der im Fünfmeterraum freistehend zweimal knapp verzog, wurde allerdings vergeben.

Vergeben, ein Wort das Sebastian Freiberg nicht kennt, wenn es um das Verwandeln von Strafstößen geht. Einen solchen bekamen die Hausherren in der

35. Minute zugesprochen, als Staudte im Strafraum nur noch per Foul zu stoppen war. Freiberg nahm sich der Sache gewohnt souverän an und erhöhte auf ein, möge man meinen, komfortables 3:0 für die Blau-Weißen. Das Fußball seine eigenen Gesetze hat und Spiele mit der Beteiligung von blau-weißen Farben auch bei Vorsprüngen von 4:0 noch nicht entschieden sind, sollte dem geneigten Zuschauer aber spätestens seit dem vergangenen Revierderby zwischen Dortmund und Schalke (das an diesem Wochenende übrigens, welch ein Zufall, wieder ausgespielt wird) klar sein.

Zölfl muss vom Platz weg ins Krankenhaus

In Wermsdorf ahnte zu diesem Zeitpunkt allerdings noch keiner, was da kommen sollte, möglicherweise kündigten aber ein paar aufziehende Wolken am Horizont das nahende Unheil an. Für den Moment war allerdings erstmal Halbzeit. Nach einem überzeugenden ersten Durchgang, indem die Hubertusburger phasenweise guten Fußball spielten, sah eigentlich alles nach drei Punkten aus. Den Eindruck bestätigten die Wermsdorfer auch nach Wiederanpfiff umgehend.

Erst scheiterte Böttger an einer Glanzparade des Torwarts, wenige Augenblicke später stand der Pfosten im Weg. In der 49. Minute dann war Sebastian Harnisch, der nach langer Verletzung zu seinem ersten Startelfeinsatz seit August kam, durchgestoßen und konnte im Strafraum nur noch durch eine absolute Risikogrätsche vom Doberschützer Kapitän Zölfl gestoppt werden. Dieser verhinderte damit zwar Schlimmeres für den Spielstand, verletzte sich beim Zusammenprall mit Wermsdorfs Nummer 8 aber auch so schwer an einer Rippe, dass es zu einem Notarzteinsatz kommen musste und er umgehend ins Krankenhaus gebracht wurde. An dieser Stelle wünscht Blau-Weiß dem Spieler beste Genesung.

Gastgeber völlig von der Rolle

Man stelle sich nun bitte einen dazwischenrufenden Regisseur vor: „Schnitt!“ Denn was sich nun auf dem Sportplatz an der Sachsendorfer Straße abspielte, wirkte wie ein anderer Film, die Szene hatte sich mit Weiterführung der Partie komplett gewandelt. Den Blau-Weißen gelang plötzlich nichts mehr, den Gästen so gut wie alles. Die Chronologie des folgenden Debakels. Drei Minuten nach der Verletzungsunterbrechung gelingt dem SV Frisch-Auf der 3:1-Anschlusstreffer, nachdem sich die komplette Wermsdorfer Elf noch im Tiefschlaf befand. Doberschütz war nun auf einmal wieder voll da und merkte, dass hier noch was ging.

Nichts mehr ging hingegen bei den Hubertusburgern. Diese gewannen keinen Zweikampf mehr, brachten Pässe über zwei Meter nicht zum Mitspieler, verzettelten sich im Lamentieren und vergeigten es tatsächlich fast komplett. Nach 73 Minuten hieß es schließlich 3:3 und damit nicht genug, die Gäste mit weiteren guten Chancen auf den Siegtreffer. Wermsdorf lief nur noch hinterher, eigene Angriffe Fehlanzeige. Dieser gesamtmannschaftliche Leistungseinbruch scheint unerklärlich, die Verletzungspause oder Fehlentscheidungen des Schiedsrichters taugen nicht annähernd als Ausreden. Die blau-weiße Lethargie endete erst mit dem nun fast schon herbeigesehnten Schlusspfiff. Man kam zusammen, blickte in leere Gesichter und raffte sich zusammen. Über der Sachsendorfer Straße hing ein kollektives Versagensgefühl, nur durchbrochen vom Jubel aus der Doberschützer Kabine. Es fällt schwer, eine abschließende Einschätzung der eigenen Leistung zu finden, wenn der Auftritt zwischen zwei Halbzeiten so unterschiedlich war, zwischen hui und pfui. Es gilt nun in sieben Tagen in Beilrode, wo noch eine offene Rechnung beglichen werden muss.

J.K.

Wermsdorf: Schönitz, Beckedahl, Lippert, Springer, Freiberg, Körner, Keller, Münch, Hanisch, Böttger, Staude (Arendt).

Schiedsrichter: Dirk Otto.

Zuschauer: 81.

Region/Leipzig Kreis Nordsachsen FSV Blau-Weiß Wermsdorf (Herren) SV FA Doberschütz-Mockrehna (Herren) SpG Wermsdorf / Luppa Kreisoberliga Kreis Nordsachsen Ur-Krostitzer Nordsachsenliga (Herren) SV FA Doberschütz-Mockrehna

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