Mike Geppert blickt sorgenvoll drein. Der Trainer hatte in der vergangenen Saison mit dem ESV Delitzsch einige schwierige Phasen zu bewältigen. Nun wird die Mannschaft weiter verjüngt. © Alexander Prautzsch

„Wir hatten Bedenken, wie es weitergeht“

Fußball-Landesklasse: Trainer Mike Geppert spricht über die turbulente Saison des ESV Delitzsch

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Delitzsch. Hinter dem ESV Delitzsch liegt eine turbulente Saison in der Fußball-Landesklasse. Verletzungsprobleme und interne Querelen setzten der Mannschaft von Trainer Mike Geppert zwischenzeitlich arg zu. Letztlich reichte es trotzdem zu einer Punktlandung. Im Interview spricht der Übungsleiter erstmals darüber, wie schlimm es wirklich um die Eisenbahner stand, wie er den nächsten Umbruch bewältigen will und wie ihm der Personalmangel einen Torjäger servierte.

Herr Geppert, Sie hatten einen einstelligen Tabellenplatz und 40 Punkte als Saisonziel ausgegeben. Am Ende war es Rang acht mit genau 40 Punkten. Kann man also sagen, Klassenziel erreicht?

Eigentlich schon. Auch wenn im Nachhinein betrachtet, mehr drin gewesen wäre, wenn der ein oder andere mehr Willen an den Tag gelegt hätte. Gegen Ende der Saison war die Trainingsbeteiligung unterirdisch. Die Luft war völlig raus. Da müssen wir jetzt ansetzen, damit die Jungs wieder gerne kommen.

Gegen Ende der Saison brodelte die Gerüchteküche, haben viele hinter vorgehaltener Hand vom Ende des ESV-Landesklasse-Teams gesprochen ...

Wir hatten Bedenken, wie es im Verein weitergeht. Da herrschte eine große Unsicherheit, weil alles etwas komisch gelaufen ist in den letzten zwei, drei Monaten. Auch wenn man jetzt sagen muss: Ende gut, alles gut, bleibt viel zu tun im Verein, aber ich bin guten Mutes.

Es war nicht alles schlecht. Immerhin fünf zu-Null-Spiele stehen im Abschlusszeugnis. Für Delitzscher Verhältnisse fast schon paradiesische Zustände.

Ach, gucke an, hätte ich gar nicht gedacht (lacht). Andererseits haben wir insgesamt wieder über 60 Gegentore gekriegt (62, um genau zu sein, d. Red.), was natürlich auch daran lag, dass wir immer wieder umstellen mussten. Ausfälle wie Andreas Böhland, Patrick Döhler oder Bastian Hampel kannst du einfach nicht kompensieren und dann kriegst du eben mal in einem Spiel fünf oder sechs Gegentore, und das ist dann ganz schön happig.

Auf der anderen Seite haben Sie Sebastian Rast vom Mittelfeldspieler zum Torjäger umgeschult. Ein Glücksgriff?

Das war eigentlich aus der Not heraus geboren. Gegen Blau-Weiß Leipzig hatten wir keinen gelernten Stürmer dabei, also habe ich Basti vorne reingestellt, er hat sich hervorragend bewegt, gleich zwei Tore gemacht. Da konnte und wollte ich ihn vorn nicht mehr rausnehmen.

Am Ende der Saison hatte er insgesamt 17 Tore erzielt. Sowas weckt doch sicher Begehrlichkeiten anderer Mannschaften.

Basti hatte einige Angebote, hat die alle abgelehnt. Mir hat er gleich nach der Saison gesagt, er ist ein Delitzscher und bleibt ein Delitzscher. Das finde ich natürlich richtig gut.

Sie haben den 2:1-Sieg bei Blau-Weiß Leipzig schon angesprochen. Das war der einzige Erfolg gegen ein Spitzenteam der Liga – und damit das beste Saisonspiel des ESV?

Es war auf jeden Fall beeindruckend, wie wir das dort gemacht haben. Wir sind praktisch mit dem letzten Aufgebot hingefahren, dann hält Sven Gedigk einen Elfmeter und plötzlich geht die Fuhre ab. Aber auch die Spiele gegen Bad Lausick oder Krostitz haben mir sehr gut gefallen, vor allem die Art und Weise. So viel Willen und Laufbereitschaft würde ich mir immer wünschen. Manchmal sollten wir das fußballerische hinten anstellen, aber dafür ist die Truppe wohl noch ein bisschen zu grün.

Und sie wird noch grüner. Einige Leistungsträger haben den Verein verlassen, sollen durch junge Talente ersetzt werden. Wird der ESV für`s erste kleinere Brötchen backen müssen?

Mal sehen, wie die Jungschen einschlagen. Das war ja so nicht geplant. Es wird auf jeden Fall ein Stück schwerer. Warten wir mal die Vorbereitung und die ersten Spiele ab und schauen, was die anderen Mannschaften machen. Anderswo ist die Situation auch nicht einfacher.

Blicken Sie angesichts des Personals eigentlich manchmal etwas neidisch nach Krostitz?

Sicher hätte ich gerne ein paar Spieler von ihnen, aber das geht denen vielleicht andersherum genau so. Auch die Krostitzer müssen dran bleiben, sonst stehen sie vielleicht in zwei, drei Jahren vor der gleichen Situation wie wir jetzt.

Die letzten drei Plätze der Landesklasse wurden ausnahmslos von Mannschaften aus Nordsachsen besetzt. Was ist hier los? Ist die Nordsachsenliga so viel schwächer als die anderen Kreisoberligen?

In Leipzig ist es jedenfalls einfacher Spieler zu finden als auf dem Land. Richtig weit draußen, in Torgau zum Beispiel, wird es dann noch schwerer. Grundsätzlich haben es fast alle Aufsteiger in der Landesklasse schwer. Und wenn du keine guten Mannschaften im Nachwuchs hast, vergrößern sich die Probleme.

Apropos Nachwuchs, da sieht es beim ESV auch alles andere als rosig aus. In der vergangenen Saison hatte Delitzsch nur zwei Großfeld-Teams im Nachwuchs im Einsatz, eins davon sogar nur in einer Spielgemeinschaft. Was ist in der Vergangenheit falsch gelaufen?

Wir haben Schenkenberg gleich nebendran, die neben zwei Männermannschaften auch eine sehr gute Nachwuchsarbeit haben. Wir stecken in einer schwierigen Situation, müssen umdenken und wollen uns intensiver um den Nachwuchs bemühen. Zudem gehen in Delitzsch viele zum Handball. Wir müssen die Kinder und Jugendlichen wieder mehr für Fußball interessieren. Dafür muss an einigen Stellschrauben gedreht werden und die entsprechenden Leute geholt werden. Das ist eine schwierige, aber lösbare Aufgabe.

Der ESV steigt morgen wieder ins Training ein. Bisher feststehende Testspiele: 22. Juli, 15 Uhr: Blau-Weiß Bennewitz – ESV Delitzsch, 27. Juli, 18.30 Uhr: Concordia Schenkenberg – ESV Delitzsch.

Region/Leipzig Kreis Nordsachsen ESV Delitzsch ESV Delitzsch (Herren) Landesklasse Sachsen Nord (Herren)

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