15. November 2018 / 08:38 Uhr

Fußball-Boom und leere Stadien: Was von der WM in Russland übrig bleibt

Fußball-Boom und leere Stadien: Was von der WM in Russland übrig bleibt

René Wenzel und Alexander Salenko
Jubelnde Nationalelf, überdimensionierte Stadien: Die WM in Russland - und was davon übrig geblieben ist.
Jubelnde Nationalelf, überdimensionierte Stadien: Die WM in Russland - und was davon übrig geblieben ist. © imago/ITAR-TASS
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Frankreich hat sich vor exakt drei Monaten gegen Kroatien zum Weltmeister gekürt. Gastgeber Russland war vier Wochen lang in der Hand vieler Tausend Fans aus aller Welt. Doch was ist geblieben von der WM-Begeisterung?

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Drei Monate nach dem russischen Sommermärchen ist wieder Tristesse in die russische Provinz eingekehrt. In den Städten sind die Fanzonen abgebaut, die Flaggen auf den Flaniermeilen abgehängt und die südamerikanischen Fans, die während der Fußball-WM 2018 den Karneval auf Russlands Straßen brachten, sind längst abgereist. Es ist Alltag eingekehrt – Zeit um eine Bilanz zu ziehen.

Teuerste WM in der Geschichte

Die Fußballweltmeisterschaft war für Russland ein Kraftakt. Nach offiziellen Angaben wurden 688 Milliarden Rubel (umgerechnet neun Milliarden Euro) für den Bau von Sportstätten, Sanierung der Infrastruktur und Organisation ausgegeben. Die Russische Wirtschaftszeitung RBC schätzt die Ausgaben sogar auf 11,5 Milliarden Euro – damit ist die WM in Russland die teuerste in der Geschichte des Fußballs.

Die Hälfte der WM-Stadien musste aus dem Boden gestampft werden, die anderen wurden aufwendig modernisiert. Trotz der Befürchtungen wurden sie alle pünktlich zur WM fertig, doch die Eile beim Bau rächte sich schnell. Noch während der WM ist in Nischni Nowgorod nach Regenfällen die neue Promenade am Stadion meterweit abgesackt. In Wolgograd fegte am Tag des WM-Finales ein Starkregen die Zufahrtstraße zum Stadion hinweg. Auch in Kaliningrad und Samara klagen Bürger über Baumängel an Stadion und Infrastruktur.

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Luzhniki-Stadion (Moskau) Zur Galerie
Luzhniki-Stadion (Moskau) ©
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Überdimensionierte Arenen in der Provinz

Von Anfang an war unklar, wie die riesigen Stadien in den Regionen nach der Weltmeisterschaft genutzt werden sollen. Außer in Moskau und St. Petersburg kann kaum ein Klub die mehr als 40.000 Zuschauer fassenden Arenen auch nur annähernd füllen. Die Stadien in der Provinz werden umfunktioniert zu Mulitfunktionsarenen – dort sollen Konzerte oder Messen stattfinden. Die Räume werden an Fitness-Center oder Vereine vermietet. Das klappt allerdings nicht immer: In der „Samara Arena“ wurde wegen der hohen Verschuldung des Stadionbetreibers bereits zeitweise der Strom abgestellt.

Der überraschende Einzug der russischen Nationalmannschaft ins Viertelfinale hatte einen positiven Effekt auf den Stellenwert der Sportart im Land. Viele Russen, die sonst keinen Fußball schauen, haben mit ihrer Sbornaja mitgefiebert – ob im Stadion oder vor dem Fernseher. Nationaltrainer Stanislav Tschertschessow betont die zuvor unvorstellbaren Zuschauerzahlen: „Bei einem Länderspiel der U21 in Nischni Nowgorod waren kürzlich 38.000 Fans", sagte Tschertschessow der „Bild am Sonntag“. Bei Ligaspielen bleiben ausverkaufte Stadien weiterhin die große Ausnahme.

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Auf ausländische Spezialisten angewiesen

Die gute Form der russischen Nationalmannschaft hält auch nach der WM an. Mit zwei Siegen in der Nations League gegen Schweden und die Türkei sowie einem Testspielsieg gegen Tschechien sorgen die Russen weiter für Begeisterung. Was weiterhin fehlt ist die starke Nachwuchsarbeit. „Die Russen laden jetzt immer mehr ausländische Spezialisten ein. Damit versuchen sie besser an moderne Trainingsmethoden zu kommen“, sagt Andrej Weibert, der als Berater einer Fußballschule in Moskau mit mehreren Jugendteams in Verbindung steht.

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Fans sollen als Touristen nach Russland zurückkehren

Trotz der immensen Kosten hält das russische Organisationskomitee das Turnier für einen finanziellen Erfolg. In den letzten fünf Jahren habe die Fußball-WM umgerechnet 12,5 Milliarden Euro zum russischen Bruttoinlandsprodukt beigetragen, zitiert die Zeitung Kommersant einen Komitee-Bericht. Es seien insgesamt 315.000 Arbeitsplätze entstanden.

Den großen Zustrom von ausländischen Fans in die WM-Standorte konnte Russland für sich als einen großen Image-Erfolg verbuchen. Laut den russischen Grenzschützern, haben rund 633.000 Ausländer eine Fan-ID beantragt, berichtet die Nachrichtenagentur TASS. Trotz Befürchtungen verlief das Turnier friedlich und die Organisation klappte gut. In der Hoffnung, dass die Fans einen positiven Eindruck von Russland gewonnen hatten und als Touristen wiederkommen wollen, hat Präsident Putin kurz nach der WM allen Fan-ID Inhabern eine visafreie Einreise bis Ende des Jahres erlaubt.

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