USER-BEITRAG RB-Nachwuchschef Frieder Schrof. © Dirk Knofe

"Wollen Spieler nicht mit Geld locken" - RB-Nachwuchschef Schrof im Interview

Unter der Regie von Frieder Schrof (59) und Thomas Albeck blühten die U-Mannschaften von RB Leipzig regelrecht auf.

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Leipzig. Frieder Schrof (59) und Thomas Albeck (58) leiten seit knapp einem Jahr die Nachwuchsabteilung von RB Leipzig. Unter ihrer Regie blühten die U-Mannschaften regelrecht auf, sammelten Titel und feierten Aufstiege. Im Interview mit LVZ-Online erklärt Schrof, weshalb geldfixierte Jugendliche keine Chance bei den Bullen haben, wieso RB eine Lehrerin eingestellt hat und wieso Nachwuchsspieler mehr leisten als die Profis.

Frage: *Herr Schrof, die U 19 von RB ist in die Bundesliga aufgestiegen, die Bundesliga-U-17 und die U 16 stehen kurz vor dem Meistertitel. Wie zufrieden sind Sie mit ihren Nachwuchsteams in der abgelaufenen Saison? *

Frieder Schrof: Wir hatten eine sehr, sehr gute Saison. Mit sechs Mannschaften sind wir aufgestiegen. Die U 17 hat sich sogar für die Endrunde der Deutschen Meisterschaft qualifiziert, spielt das Halbfinale am 22. Juni in der Red Bull Arena. Wenn sie weiterkommen sollte, würde sogar das Finale am 27. Juni im Stadion ausgetragen werden. Das ist sensationell, wenn man bedenkt, dass wir uns vor einem Jahr in der Bundesliga noch im Mittelfeld bewegt haben und jetzt Mannschaften wie Hertha BSC, Wolfsburg Bremen und Hannover hinter uns stehen. Die Qualität unserer Spieler hat sich verbessert, da macht sich mittlerweile unsere Ausbildung bezahlt. Den wichtigsten Aufstieg hat die U 19 mit dem Sprung in die Bundesliga geschafft.

Warum war dieser Aufstieg so wichtig?

Weil die Anforderungen und Lerneffekte für unsere Spieler, wenn sie in der Bundesliga spielen, wesentlich höher sind. Dazu kommt, dass es natürlich einfacher ist, talentierte Spieler von außerhalb für unseren Verein zu gewinnen, weil sie wissen, dass sie jetzt auf höchstem Junioren-Niveau Fußball spielen können. Das war vor einem Jahr noch anders. Da hat noch mancher Spieler gesagt: Was mache ich nach der B-Jugend, wenn die U 19 nicht aufsteigt.

Wie haben Sie die Mannschaften in die Erfolgsspur bekommen?

Wir haben die Qualität unserer Spieler und Ausbilder erhöht. Vier Trainer sind Inhaber der Fußballlehrer-Lizenz, die beispielsweise auch berechtigt, Männer-Bundesligateams zu trainieren. Zehn Übungsleiter verfügen darüber hinaus über die A-Lizenz. Zusammen ist das eine unglaubliche Zahl. Außerdem sind die Rahmenbedingungen in Leipzig super, besser etwa als bei manchem Bundesligisten. Mit Ralf Rangnick arbeitet der beste Sportdirektor Deutschlands bei RB.

Für die U 17 haben Sie gerade Achim Beierlorzer als neuen Trainer von Greuther Fürth geholt. Wie sind Sie auf ihn aufmerksam geworden und was erwarten Sie von ihm?

Auf ihn sind wir bei zwei Testspielen unserer U 17 gegen seine Mannschaft aufmerksam geworden. Achim Beierlorzer verfolgt die gleiche Spielphilosophie wie wir: ballorientiert, vorwärtsverteidigend, laufintensiv und aggressiv. Das hat uns beeindruckt. Zusätzlich schloss er vor Kurzem seine Prüfung zum Fußball-Lehrer als Jahrgangsbester mit der Note 1,0 ab. Als Gymnasiallehrer und Pädagoge ist er für unsere U 17 genau der Richtige. Denn die Jahrgänge U 16 und U 17 sind unserer Erfahrung nach von der Entwicklung her der schwierigste Jahrgang.

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Im kommenden Jahr soll das Nachwuchszentrum am Cottaweg fertig sein. Wie viele Anfragen bekommen Sie schon jetzt von Eltern, die dort ihre talentierten Jungs unterbringen möchten?

Es kommen viele Anfragen. Wir wählen die Spieler aber sehr sorgfältig aus. Wenn wir jeden nehmen wollten, der dort hinein möchte, müssten wir fünf Gebäude bauen.

Welchen Ausschlag geben die Schulnoten, zittern die Jungs vor jeder Zeugnisausgabe um ihren Platz in der Mannschaft?

Sicher müssen unsere Spieler nicht nur Einser oder Zweier bringen. Es ist aber wichtig, dass sie unfallfrei durch die Schule kommen, sonst sind sie im Hinterkopf belastet und haben Stress mit den Lehrern und Eltern. Diese Probleme würden sie mit auf den Trainingsplatz schleppen. Ein weiterer Punkt ist: Nicht jeder Junge kann später sein Geld mit Fußball verdienen. Deshalb ist ein zweites Standbein wichtig. RB hilft bei Schulproblemen und hat dafür extra eine Gymnasial-Lehrerin als pädagogische Leiterin eingestellt.

Wie hoch ist der Trainingsaufwand in den U-Teams und wie viele Kinder pro Jahrgang haben tatsächlich das Zeug zum Profi?

Das ist ganz unterschiedlich, je nach Alter. Die U 8 trainiert zweimal in der Woche. Ab der U 16 können bis zu sieben Einheiten zusammenkommen, einige davon noch vor der Schule. Der Aufwand ist enorm. Spieler in diesem Alter müssen mehr leisten als Profis, da sie zeitgleich die Schule zu bewältigen haben. Sie stehen um 6 Uhr auf und sind erst um 20 Uhr wieder zu Hause. Für andere Hobbys oder eine Freundin bleibt da kaum Zeit. Sie sehen dafür aber auch viel von der Welt, die U 17 war in diesem Jahr beispielsweise für zwei Wochen in der Fußball-Akademie von Red Bull Brasil. Wie viele tatsächlich einmal Profi werden, ist ganz unterschiedlich. In unserer U 19 sind derzeit gleich fünf Spieler auf dem Sprung in den bezahlten Fußball.

Zuletzt gab es einige Misstöne aus Frankfurt zu hören, weil RB einen 15 Jahre alten Nachwuchsspieler von der Eintracht verpflichtet hat. Können Sie die Aufregung von Frankfurts Nachwuchschef Armin Kraaz verstehen?

Das wurde sicher etwas überzogen dargestellt. Die Initiative ging nicht von uns aus. Der Junge war bei der Eintracht unzufrieden und wurde uns angeboten. Wir wickeln unsere Vereinswechsel immer korrekt ab. Ich habe inzwischen auch noch einmal mit Armin Kraaz, den ich seit vielen Jahren kenne und schätze, telefoniert. Die Irritationen sind ausgeräumt.

Die Frankfurter behaupten, dass RB den Markt mit Geld leer räumt. Welche Aufwandsentschädigung erhalten die Spieler in Leipzig wirklich?

Wir wollen unsere Spieler nicht mit Geld zu uns locken. Wer wegen des Geldes zu RB will, ist bei uns an der falschen Stelle. Wir wollen durch die Qualität unserer Ausbildung, durch unsere sehr guten Rahmenbedingungen und auch durch die schulische Betreuung überzeugen. Von den genannten 2000 Euro im Monat sind wir jedenfalls ganz weit entfernt. Die Spieler bekommen einen Sportförderbeitrag, der sich jedes Jahr etwas erhöht.

RB will erste Anlaufstelle für Talente in Ostdeutschland sein, in welchen Gebieten wird noch gescoutet?

Unser Scoutingsystem ist weltweit aufgestellt. Die zuständige Abteilung ist aber für alle Bereiche zuständig, auch für die aktiven Männer. Im Nachwuchs gilt: Bis zur U 11 werden die Kinder nur aus Leipzig oder der direkten Umgebung geholt. Bis zu U 15 rekrutieren wir die Spieler aus einem Umkreis von 100 Kilometern. Ab der U 16 schauen wir deutschlandweit, unter Umständen auch weltweit. Wir hatten schon zwei Brasilianer aus der Partnerakademie in Sao Paulo bei uns. 

Einige Bundesligisten haben gerade ihre U-23-Teams aufgelöst. In Leipzig ist die zweite Mannschaft am vergangenen Sonntag in die Oberliga aufgestiegen. Wie wichtig ist dieser Unterbau für RB und in welcher Liga soll er mittelfristig spielen?

Unsere Jugendspieler sollen über die U 23 den Sprung in die erste Mannschaft schaffen. Wir denken deshalb derzeit nicht darüber nach, sie abzuschaffen. Mittelfristig wollen wir mit der U 23 in die Regionalliga aufsteigen.

Sie haben neben vielen anderen Talenten auch die Nationalspieler Sami Khedira und Mario Gomez entdeckt und ausgebildet. Hätten Sie Gomez zur WM mitgenommen und was trauen Sie Khedira in Brasilien zu?

Das ist schwierig zu beantworten. Mario war lange verletzt, das war ausschlaggebend. Er hätte der deutschen Mannschaft sicher sehr gut getan. Joachim Löw hat sich die Entscheidung bestimmt nicht leicht gemacht. Sami wäre die WM durch seinen Kreuzbandriss auch fast durch die Lappen gegangen. Er hat brutal hart gearbeitet und es noch rechtzeitig geschafft. Sami ist mit seinen Fähigkeiten sehr wichtig. Ich habe zu beiden Spielern noch Kontakt. Mit Mario per SMS, zu Sami über dessen Familie. Mit Vater Lazhar gehe ich joggen, wenn ich in Stuttgart bin. Wir kennen uns seit fast 20 Jahren und sind gut befreundet.

Zum Schluss Ihr Tipp: Wer wird Weltmeister?

Hoffentlich Deutschland.

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