25. Dezember 2017 / 14:09 Uhr

Wunschzettel an den DFB: Das fordern die Ultras für das neue Jahr

Wunschzettel an den DFB: Das fordern die Ultras für das neue Jahr

Stephan Lohse
Die Dynamo-Ultras haben von nahezu allen Ultragruppen Unterstützung bekommen, nachdem sie dem Verband in Karlsruhe offen den „Krieg“ erklärt haben.
Die Dynamo-Ultras haben von nahezu allen Ultragruppen Unterstützung bekommen, nachdem sie dem Verband in Karlsruhe offen den „Krieg“ erklärt haben. © dpa
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Bezahlbare Stehplatztickets, besondere Fanrechte, Stadionverbote abschaffen und die „300-Kilometer-Regel“ - Die Ultras stellen konkrete Forderungen. Jedoch sind nicht alle tatsächlich so umsetzbar, wie es sich die Ultras wünschen.  

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Das Jahr 2017 war einschneidend für das Verhältnis zwischen Fans und DFB: Nachdem die Dynamo-Ultras dem Verband in Karlsruhe offen den „Krieg“ erklärt hatten, solidarisierten sich nahezu alle Ultragruppen bundesweit mit den Schwarz-Gelben. Ein halbes Jahr lang gab es an nahezu jedem Spieltag Aktion und Anti-DFB-Fangesänge, mit dem Pokalfinale als Höhepunkt.

Doch dadurch wurde 2017 auch zum Beginn eines Dialogs angeregt. Mehrfach trafen sich Ultra-Vertreter mit DFB-Offiziellen, um endlich miteinander zu reden. Für 2018 sind die Ultras entsprechend selbstbewusst. Der Sportbuzzer dokumentiert die zentralen Standpunkte, die quasi als „Wunschzettel“ auch an den Verband gingen.

Choreos, Spruchbänder, Schweigen: Die Proteste bei Hannover 96 in Bildern.

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Kommerzialisierung:

Die Ultras kämpfen weiter gegen den Fußball als „Produkt“. Sie pochen auf die 50+1-Regel und deren Umsetzung als Schutz der Vereine vor Investoren genauso wie auf die Einhaltung des Financial Fairplay in Deutschland und in der UEFA. Gleichzeitig soll sich der DFB für neue internationale Regelungen einsetzen, die Investoren ausbremsen sollen. Zudem solle der DFB „geeignete Maßnahmen“ erarbeiten, damit die Schere zwischen Arm und Reich im Fußball nicht weiter auseinander geht.

Zudem fordern die Fans klare Regeln, die günstige Stehplatztickets sichern sollen. Fußball müsse bezahlbar bleiben.

Ist das realistisch?

Zumindest in Sachen Ticketpreise stehen die Chancen gut. Die „englischen Verhältnisse“ sind auch vielen Vereinsbossen Abschreckung genug.

Die Kommerzialisierung werden die Ultras aber nicht aufhalten. Wie machtlos die Verbände bei 50+1 sind, hat der fall 1860 München bereits gezeigt. Beim internationalen Financial Fairplay wird sich Deutschland gegen den Rest Europas nicht behaupten können.

Zudem haben die Ultra-Vertreter offenbar selbst keine Ideen, wie man das Rad zurückdrehen könnte. Die eigenen Forderungen sind jedenfalls alles andere als konkret.

Diese Choreographie der Dynamo-Fans vom 31. Oktober 2015 (beim Drittliga-Spiel gegen den 1. FC Magdeburg) ist legendär:

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Fanrechte:

Die Ultras bezeichnen „ihre“ Kurven als „besondere Orte“, entsprechend fordern sie künftig zusätzliche rechte ein. Choreografien und Spruchbänder sollen nicht mehr angemeldet werden müssen. Fanutensilien sollen komplett freigegeben werden, Megafone oder lange Fahnenstangen nicht mehr personalisiert sein.

Einlasskontrollen und Ordnungsdienste sollen auf ein normales Maß zurückgefahren werden. Zudem pochen die Fans darauf, dass auch künftig grundsätzlich zehn Prozent der Tickets für Gäste zur Verfügung stehen – und das ohne Personalisierung.

Einlasskontrollen und Ordnungsdienste sollen auf ein normales Maß zurückgefahren werden. Zudem pochen die Fans darauf, dass auch künftig grundsätzlich zehn Prozent der Tickets für Gäste zur Verfügung stehen – und das ohne Personalisierung.

Ist das realistisch?

Eine komplette Freigabe von Choreos und Spruchbändern ist unrealistisch. Schließlich stände der Verein in der Haftung, wenn deren Inhalt am Ende die Grenzen des guten Geschmacks oder gar des Gesetzes überschreitet. Hier werden die Clubs ihr Hausrecht wahren.

Bei Einlasskontrollen und Ordnungsdiensten ist eine Verbesserung denkbar, schon weil auch einige Vereine hier längst auf einheitliche Standards drängen. Eine fanfreundliche Linie steht und fällt aber damit, dass auch die Fans ihren Beitrag leisten.  Ein oder zwei Ausschreitungen würden schnell dafür sorgen, dass die Vereine die Kontrollen wieder verschärfen.

Mehr zu Fan-Choreografien

Stadionverbote:

Die Ultra-Vertreter lehnen Stadionverbote grundsätzlich ab. Sie seien „ein fragwürdiges Strafrecht einer Paralleljustiz“ und würden oft ohne echte Beweise ausgesprochen. Fans hätten zudem keine Chance, dagegen juristisch vorzugehen. Für tatsächliche Rechtsverstöße sei der Staat zuständig und nicht der DFB. Stadionverbote sollen klar abgeschafft werden.

Ist das realistisch?

DFB und Vereine nutzen Stadionverbote als ihr zentrales Mittel zur Sanktionierung. Dass sie komplett darauf verzichten werden, ist höchst unwahrscheinlich. Möglich wäre wohl höchstens eine Änderung der aktuellen Praxis. Dafür müssten sich allerdings Verband, Vereine und Fans aufeinander zu bewegen.

Fanfreundliche Anstoßzeiten:

Die Ultras fordern, die Spieltage der ersten und zweiten Liga nicht noch weiter zu zerstückeln. Die Grenze des Zumutbaren sei erreicht. Zudem soll die „300-Kilometer-Regel“ strikt durchgesetzt werden. Die sagt, dass bei Spielen, die nicht an einem Samstag stattfinden, beide Vereine nicht weiter als 300 Kilometer auseinander liegen sollen, um Reisewege zumutbar zu halten. Weiterhin fordern die Fans, die tagesgenauen Ansetzungen mindestens vier Wochen im Voraus zu veröffentlichen.

Zur kommenden Saison fordern die Ultras ein Ende der „Englischen Wochen“ mit Spielansetzungen von Dienstag bis Donnerstag. Zudem soll kein DFB-Pokal-Spiel unter der Woche mehr vor 19.30 Uhr angepfiffen werden.

Langfristig wird die Abschaffung der Montagsspiele gefordert. Samstag und Sonntag soll nicht vor 14 Uhr, am Freitag nicht vor 19.30 Uhr angepfiffen werden.

Ist das realistisch?

Nein. Die Vereine wollen perspektivisch eher mehr als weniger Geld für ihre TV-Rechte erlösen. Das geht aber nur, wenn die Sender möglichst viele Spiele einzeln übertragen können. Für die Wünsche der Fans müssten die Vereine also auf Geld verzichten. Das wird nicht passieren.

Sportgerichtsbarkeit:

Die Ultra-Vertreter fordern eine grundsätzliche Beschränkung der Sportgerichtsbarkeit auf Vorfälle, die im direkten Bezug zum sportlichen Wettbewerb stehen. Kollektivstrafen, wie zum Beispiel Geisterspiele oder blocksperren, sollen grundsätzlich abgeschafft werden.

Zudem müsse die Sportgerichtsbarkeit transparenter werden. Für das DFB-Sportgericht müsse es klarere und überprüfbare Faktoren geben, wofür wann welche Strafe auszusprechen ist. Zudem bemängeln die Fans eine Ungleichbehandlung. So werde beispielsweise jedes Anti-Hopp-Plakat sanktioniert. Bayern-Präsident Ulli Hoeneß habe sich früher deutlich schlimmeres anhören müssen – ohne dass es dafür je Strafen gab.

Das Sportgericht sei eine „Schattenjustiz“. Für juristisch relevantes Fehlverhalten sei der Staat verantwortlich und nicht der DFB.

Ist das realistisch?

In diesem Punkt scheint der größte Fortschritt möglich. Das vorläufige Ende der Kollektivstrafen durch den DFB ist ein erster Schritt, ob es am Ende aber tatsächliche Reformen geben wird, lässt sich nicht seriös prognostizieren. Der Verband steht hier aber durchaus unter Druck, schon da verschiedene Juristen sich sicher sind, dass eine Klage vor einem ordentlichen Gericht durchaus Erfolg haben könnte.

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