06. Februar 2018 / 10:38 Uhr

Zapels Abgang durch die Vordertür

Zapels Abgang durch die Vordertür

Stefan Freye
Zapel
Schneller Abgang: U23-Trainer Oliver Zapel verlässt nach nicht einmal drei Monaten Werder schon wieder. © Frisch
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Werder trennt sich nach nicht einmal drei Monaten von seinem U23-Trainer

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Der Nächste, bitte: Am Montag haben sich nach nicht einmal einem Vierteljahr die Wege von Werder Bremen und Oliver Zapel schon wieder getrennt. Die in der 3. Liga vom Abstieg bedrohte U 23 wird zukünftig von Sven Hübscher, bislang auf der Bank der U 17, trainiert. Das junge Fußballteam erhält damit nach Florian Kohfeldt, Interimscoach Mirko Votava und eben Zapel bereits den vierten Übungsleiter in dieser Saison.

„Man muss ehrlich zu sich sein“, sagt Oliver Zapel. Dem 50-Jährigen steckt noch immer die 2:4-Niederlage gegen Preußen Münster in den Knochen. Bereits mit 2:0 hatte seine Mannschaft vorn gelegen. Dann war sie angesichts des Anschlusstreffers eingebrochen, ausgerechnet gegen einen Abstiegskonkurrenten. Das 19. Spiel ohne Sieg hatte die Stimmung rund um die U 23 nicht verbessert, Oliver Zapel war als Trainer natürlich mittendrin, auch wenn er lediglich acht sieglose Partien zu verantworten hatte. Der Trainer war sich auch sicher, dass seine Arbeit Früchte getragen hatte, die Entwicklung der einzelnen Spieler voranschritt und sich auch das Team verbesserte. „Aber wenn du nur die Ergebnisse siehst, fehlen die Argumente“, sagt Zapel.

Als er sich am Montagmorgen mit den Verantwortlichen zusammensetzte, da war dieses Gespräch also schon mal von einer gewissen Unsicherheit geprägt. Würde es Zapel und seinem nun ebenfalls scheidenden Assistenten Evangelos Sbonias tatsächlich noch gelingen, für die Wende zu sorgen?

Doch es spielte noch etwas anderes eine Rolle. Denn Oliver Zapel ist auch ein ehrgeiziger Trainer, der die SG Sonnenhof Großaspach im vergangenen Jahr freiwillig verlassen hatte, weil er beim Drittligisten die höheren Ziele vermisst hatte. Also fragte sich Zapel in den vergangenen Tagen, ob die Tätigkeit in einem Leistungszentrum tatsächlich das ist, was er sich vorgestellt hat. Sie ist es offenbar nicht. „Ich habe die Sehnsucht nach einem ambitionierten Verein mit vollen Stadien und einer Verantwortung in seiner Region“, sagt der Fußballlehrer. Und weil man sich am Montag ohnehin gerade in einer angeregten Diskussion befand, ließ Oliver Zapel durchblicken, dass er sich ein Engagement über den 30.
Juni hinaus nicht vorstellen kann.

Da es im Hintergrund dieses Gesprächs aber noch die Serie von 19 sieglosen Spielen und die akute Abstiegsgefahr gab, nahmen die Verantwortlichen diese Information zum Anlass für klare Verhältnisse – und beendeten die Zusammenarbeit mit sofortiger Wirkung. „Oliver Zapel hat sehr intensiv und akribisch gearbeitet, leider haben die Ergebnisse gefehlt“, sagt Björn Schierenbeck, der U 23-Leiter. Deshalb sei „die letzte Entscheidung“ hinsichtlich der Trennung vom Verein ausgegangen.

Für Oliver Zapel bedeutet die Art und Weise der Trennung gleichwohl, dass er mit sich und dem Verein im Reinen ist: „Unser Gespräch war von gegenseitigem Respekt geprägt,
und ich verlasse Werder durch die Vordertür.“ Schließlich habe er in den rund drei Monaten auch eine Menge Erfahrungen sammeln können.

Seine Spieler auch. Es stand eigentlich vom ersten Tag an fest, dass Zapel eine andere Herangehensweise wählen würde als sein Vorgänger Florian Kohfeldt. Es heißt, der gestandene Herrentrainer habe unnahbar gewirkt, weniger Wert auf Kommunikation gelegt und sich die Arbeit mit einer U 23 einfacher vorgestellt. Das einwöchige Wintertrainingslager sei zudem sehr hart gewesen, ungewöhnlich hart für eine U 23. „In ein paar Monaten oder Jahren wissen die Spieler, was ich gemeint habe“, sagt Oliver Zapel. Und außerdem habe die
umfangreichere Kommunikation in den elf Spielen vor seinem Einstand „auch nicht zum Erfolg geführt“. Der Trainer wird seinem Stil wohl treu bleiben. In Bremen hat er damit aber nicht nur gute Erfahrungen gemacht.

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