11. Oktober 2018 / 11:48 Uhr

Ziel des Verdener Türksport: Konstanz entwickeln

Ziel des Verdener Türksport: Konstanz entwickeln

Nico Brunetti
Freude bei Abdulkadir Das (links) und Tariq-Aslam Dar: Nach der Meisterschaft in der 2. Kreisklasse ist der Verdener Türksport erfolgreich in die neue Saison gestartet.
Freude bei Abdulkadir Das (links) und Tariq-Aslam Dar: Nach der Meisterschaft in der 2. Kreisklasse ist der Verdener Türksport erfolgreich in die neue Saison gestartet. © Björn Hake
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Verein aus der 1. Kreisklasse setzt auf Fortschritte in Disziplin und Infrastruktur

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Zwei Jahre ruhte der Spielbetrieb an der Artilleriestraße: Der Verdener Türksport, der dort beheimatet ist, existierte von 2015 bis 2017 nur auf dem Papier und es schien so, als könnte der 1982 gegründete Fußballklub von der Bildfläche verschwunden sein. Für den 31-jährigen Turgay Ünlü wäre das ziemlich unbefriedigend gewesen. Seine Familie ist Träger der Klubs, er selbst wollte den Klub auf keinen Fall sterben lassen. Deshalb übernahm er vor eineinhalb Jahren den Posten als ersten Vorstandsvorsitzenden und stellte eine neue erste Herrenmannschaft auf die Beine. „Ich konnte mir das nicht mit ansehen. Das ist ein Traditionsverein, hier gibt es viel Potenzial“, begründet der selbstständige Unternehmer seinen Einstieg. Mit der Meisterschaft in der 2. Kreisklasse in der vergangenen Saison erlebte Ünlü sofort den ersten großen sportlichen Erfolg in seiner neuen Funktion.Gleichzeitig war es auch ein erster Ertrag für sein Engagement. Wie der junge Präsident beschreibt, investiere der aus zehn Personen bestehende Vorstand viel Zeit. Denn beim Verdener Türksport soll der Spielbetrieb nicht im Vordergrund stehen. „Für mich ist Fußball mehr als nur Sport“, sagt der angehende Jurist. Demzufolge treibt der Verein einige soziale Projekte voran, möchte damit einen gesellschaftlichen Beitrag leisten: „Wir identifizieren uns mit den Werten der Bundesrepublik Deutschland. Außerdem ist uns auch das Leben der deutsch-türkischen Freundschaft sehr wichtig, weshalb bei uns am Sportplatz auch die Fahnen beider Länder hängen.“

Allerdings hemmt die Infrastruktur weitere Erfolge drumherum. „Wir können unser Potenzial nicht ausschöpfen. Zwar haben wir eine Sportstätte, aber kein Vereinsheim. Deshalb ist es zurzeit nicht möglich, ein Vereinsleben zu etablieren“, erzählt Ünlü und wirbt für Unterstützung der Politik. Anders als vor knapp zehn Jahren soll diesmal der Traum eines eigenen Vereinsheimes verwirklicht werden. „Damals scheiterte es an den fehlenden Zuschüssen. Wir hoffen, die Stadt Verden greift uns diesmal unter die Arme“, meint der 31-Jährige. Dabei nennt er die Mehrwerte, die dadurch erzielt werden würden: „Wir helfen bei der Integration mit. Neben unserer ersten Herrenmannschaft könnten wir eine zweite Herrenmannschaft melden, wieder eine Damenmannschaft ins Leben rufen und Minimum drei Jugendmannschaften stellen. Statt knapp 80 Mitgliedern könnten wir 300 bis 400 Mitglieder haben. Für Flüchtlinge könnte unser Verein die erste Anlaufstation sein. Man könnte von unseren Erfahrungswerten profitieren, wir könnten Hand in Hand mit der Stadt und den umliegenden Vereinen arbeiten.“

Ünlü arbeitet unterdessen daran, eine gewisse Konstanz in den Verein hineinzubringen. Die ständigen Aufs und Abs sowie interne Probleme, die es seit der Gründung im Jahr 1982 immer wieder einmal gegeben hat, sollen endlich ein Ende haben. „Das ist aber ein langer Prozess und braucht Zeit“, bittet Ünlü um Geduld. Ein gewisses Maß an Fluktuation, sagt er, werde es aber immer geben: „Wir haben hochkarätige Spieler und bekommen immer wieder einmal welche dazu, die nur aufgrund der Herzensangelegenheit hier spielen.“ Als konkretes Beispiel nennt er Emrullah Gülalan. Der Angreifer, der in der vergangenen Meisterschaftssaison mit 47 Toren glänzte, zog weiter zum Bremer SV in die Bremen-Liga. „Das kann man ihm nicht verübeln, nochmal den sportlichen Anreiz zu suchen“, meint Ünlü.

Sein Fokus richtet sich neben der Weiterentwicklung der Infrastruktur, dem Ausbau der sozialen Projekte auch auf die Disziplin auf dem Platz. Mit dem aktuellen Stand ist er dabei zufrieden. Der vorletzte Rang in der Fairnesstabelle der 1. Kreisklasse täusche da: „Unser Gesamtbild ist in Ordnung. Im Kreis Verden haben wir ein gutes Image.“ Jedoch, das verhehlt er nicht, sei das Auftreten ab und zu noch verbesserungswürdig. „Es ist schon so, dass die meisten Mannschaften provozierend an uns herangehen. Das ist teilweise auch menschlich, obwohl ich diese Abneigung als weltoffener Mensch vorher nicht kannte. Wir wollen die Bälle aber nicht auf andere werfen, müssen uns da selbst an die eigene Nase fassen und dabei ruhig bleiben. Das leben wir vom Vorstand vor, das ist aber ein Lernprozess“, beschreibt der erste Vorsitzende vom Verdener Türksport.

Gleichzeitig betont er, dass Störenfriede nicht geduldet seien: „Wir reagieren schnell, haben uns zuletzt von einem Spieler getrennt. Das passiert dann, wenn ein vereinsschädigendes Verhalten vorliegt und es in die Persönlichkeitsrecht hineingeht.“ Sportlich dagegen gibt es nicht allzu viel zu korrigieren. Der 20 Mann starke Kader von Trainer Herbert Kamp spielt aktuell eine gute Rolle in der 1. Kreisklasse, rangiert trotz der 2:4-Pleite gegen den MTV Riede am Wochenende als Aufsteiger auf dem dritten Rang. Ünlü: „Wir sehen uns auch als Kreisligamannschaft, setzen uns dabei aber nicht unter zeitlichen Druck."

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