08. Dezember 2015 / 18:35 Uhr

Zwischen Vietnam und Luckenwalde

Zwischen Vietnam und Luckenwalde

Oliver Schwandt
Uwe Schulz (l.) überlupft Torhüter Renè Müller vom 1. FC Lok Leipzig. Rechts lauert Sturmkollege Frank Jeske. USER-BEITRAG
Uwe Schulz (l.) überlupft Torhüter Renè Müller vom 1. FC Lok Leipzig. Rechts lauert Sturmkollege Frank Jeske. © Privat
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Warum Uwe Schulz zu Stahl Brandenburg wechselte und warum er ein Spiel gegen Ajax Amsterdam nie vergisst.

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Brandenburg/Havel - Uwe Schulz trinkt genüsslich seinen Kaffee in der Brandenburger Sankt-Annen-Galerie und sagt mit einem verschmitzten Lächeln: „Was wir mit dem FSV Luckenwalde in letzter Zeit alles so erreicht haben, macht mich unheimlich stolz und glücklich. Wir spielen in der Regionalliga und haben den Drittligisten Energie Cottbus im Viertelfinale aus dem Landespokal geworfen.“ Schulz, der sich seit Sommer 2014 als Co-Trainer beim FSV besonders um das Torhütertraining kümmert und als Bindeglied zwischen Mannschaft und Trainer Jörg Heinrich fungiert, weiß aber, dass die Saison in der Regionalliga mit sehr schmalem Etat schwierig ist.

Uwe Schulz (r.) auf der Bank des FSV 63 Luckenwalde.

„Die Jungs haben sich dieses Abenteuer einfach verdient und sie werden bis zum letzten Spieltag alles geben, um die Klasse zu halten“, sagt der 54-Jährige, der seine „schönste Fußballzeit“ in der DDR-Oberliga bei der BSG Stahl Brandenburg von 1987 bis 1991 hatte. Für die Havelstädter bestritt er insgesamt 90 Spiele und war mit seiner kämpferischen Art ein Publikumsliebling im Stahlstadion.

Vor 30000 Zuschauern in Vietnam

„Schulle“, wie er noch heute genannt wird, wurde am 6. Dezember 1960 in Brieselang geboren und begann als Siebenjähriger bei Chemie Brieselang mit dem Kicken. Schnell wurde sein Talent erkannt, mit 14 folgte die Delegierung zur Sportschule nach Frankfurt (Oder), wo er unter anderem mit Andreas Lindner und  Ingo Nachtigall zusammenspielte. „Mit Ingo bin ich seit dieser Zeit eng befreundet, er holte mich auch nach Luckenwalde“, sagt Schulz, der sich an ein besonderes Highlight während seiner Sportschulzeit erinnert: „Wir waren mit Vorwärts auf einer Vietnamreise. An meinem 18. Geburtstag spielten wir vor 30 000 Zuschauern in Da Nang. Das war ein unvergessliches Erlebnis, zumal ich nach diesem Match Stammspieler im Nachwuchsoberliga-Team war.“

Publikumsliebling Uwe Schulz.

Mit 20 Jahren machte „Schulle“ unter Trainer Gerhard Reichelt gegen den 1. FC Magdeburg (2:2) sein erstes von 201 (47 Tore) Oberligaspielen. Mit Vorwärts wurde er in der Saison 1982/83 Zweiter der DDR-Oberliga und bestritt insgesamt neun Olympia-Auswahlspiele für die DDR (2 Tore). „Ich hatte Angebote von Jena, Lok Leipzig, Dresden und Magdeburg, entschied mich aber aus regionalen Gründen im Sommer 1987 zur BSG Stahl Brandenburg zu wechseln. Mein Vater, der noch in Brieselang wohnte, hatte kein Auto und so konnte er mich endlich mal fast vor seiner Haustür kicken sehen“, erinnert sich der „Kleene“, wie er in Frankfurt immer von Trainer Reichelt wegen seiner Körpergröße genannt wurde.

* Ingo Nachtigall lotste Schulz nach Babelsberg*

Nach vier Jahren folgte im Sommer 1991 ein unfreiwilliger Wechsel zu Rot-Weiß Erfurt. „Ich hatte einen Disput mit Manager Siegfried über eine Leasingrate für einen Opel, über die wir uns nicht einig wurden. Ähnlich verlief es auch bei Timo Lange, der danach ebenfalls weg war“, ärgert sich Schulz noch heute über seinen unfreiwilligen Abgang. Er schloss sich Rot-Weiß Erfurt an,  machte dort 21 Partien in der 2. Bundesliga und spielte vier Mal im Europacup. „Unvergessen bleiben die Spiele gegen Ajax Amsterdam, wo mir sogar  ein Tor gelang. Aber wir stiegen  nach der Saison sang- und klanglos ab“, erinnert sich der Familienvater von zwei Söhnen, der anschließend nach einem Klärungsgespräch „unter Männern“ mit „Johnny“ Ziem zu Stahl zurückkehrte. „1994 besorgte mir Ingo Kahlisch beim FSV Optik Rathenow einen Job bei Erdmanns Reisedienst, wo ich als KFZ-Meister tätig war“, sagt Schulz, der KFZ-Schlosser gelernt hatte und seine Meisterprüfung in Frankfurt (Oder) auf der Abendschule ablegte. Nach weiteren Engagements bei Rot-Weiß Kyritz und dem Brandenburger SC Süd 05 landete er 1998 wieder bei Stahl Brandenburg, wo er seine Karriere nach zwei Jahren beendete.

Anschließend wurde er Trainer. Sein Freund Ingo Nachtigall lotste ihn 2001 zum SV Babelsberg 03, der gerade in die 2. Bundesliga aufgestiegen war, wo er die Amateure trainierte und bei den Profis als dritter Coach fungierte. 2002 fing Schulz bei ZF Brandenburg als Monteur an, wo er noch heute tätig ist. „Ich arbeite nur noch Normalschicht, so bleibt mir immer noch etwas Zeit, zweimal in der Woche nach Luckenwalde zum Training und zu den Spielen zu fahren“, sagt Schulz, der auf ein bewegtes und aufregendes Fußballerleben zurückblicken kann.

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