20. Juli 2020 / 20:03 Uhr

Freiwillig in die Regionalliga? Hannover Indians ohne Zuschauer in der Oberliga aufgeschmissen

Freiwillig in die Regionalliga? Hannover Indians ohne Zuschauer in der Oberliga aufgeschmissen

Stephan Hartung
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ein leeres Eisstadion am Pferdeturm würden die Hannover Indians in der Oberliga finanziell wohl nicht überstehen. 
Ein leeres Eisstadion am Pferdeturm würden die Hannover Indians in der Oberliga finanziell wohl nicht überstehen.  © Florian Petrow
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Zuletzt waren die Indians noch zuversichtlich, das Spielgericht des DEB zu überzeugen und in der nächsten Saison in der Oberliga zu starten. Trotz des Widerspruchs von Montag deutet derzeit vieles auf einen freiwilligen Start in der Regionalliga hin. Ohne Zuschauer am Pferdeturm ginge dem Traditionsverein womöglich das Geld aus.

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Die Hannover Indians haben am Montag erwartungsgemäß Widerspruch beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB) eingelegt. Damit wehrt sich der Vertreter der Oberliga dagegen, dass der DEB den Indians für diese Spielklasse keine Lizenz erteilt hat. In drei Wochen könnte es für die Hannoveraner einen Termin vor dem DEB-Spielgericht geben, das über die Zulassung des ECH entscheiden muss. Jedoch deutet derzeit viel darauf hin, dass die Indians freiwillig verzichten und sich noch vor der Verhandlung in die Regionalliga zurückziehen.

Startrecht in Regionalliga ist sicher

Für diese vierthöchste Spielklasse haben die Indians ihr Startrecht sicher – egal ob das Gericht gegen sie entscheidet oder gar nicht erst tätig werden muss. Beim Prüfungsverfahren hatte der DEB recht abstrakt „wirtschaftliche Gründe“ als Anlass für die Verweigerung der Lizenz genannt. Nach Informationen vom SPORTBUZZER spricht man beim Verband davon, dass die Jahresabschlüsse aus den Saisons 2017 bis 2019 die Knackpunkte waren.

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Fraglich ist, inwieweit die Indians in der Kürze der Zeit zwei komplette Saisons aufarbeiten und darstellen können. Darum geht es nun aber nicht. „Entscheidend ist, dass wir eine kaufmännische Bewertung vornehmen müssen, ob wir eine neue Saison überleben würden“, sagt Jan Roterberg, kaufmännischer Leiter der Indians.

Nach aktuellem Stand dürften ins Eisstadion am Pferdeturm, entsprechend den politischen Corona-Vorgaben, 1000 Zuschauer pilgern. „Und dies soll bis Ende Oktober so bleiben. Derzeit kann uns niemand sagen, wie lange das noch so bleiben wird“, sagt Roterberg und spricht davon, „dass für uns eine Saison nicht darstellbar ist, wenn wir weniger als 2000 Menschen reinlassen dürfen“.

Hilfspaket gilt nur für Teams der DEL und DEL 2

Was von den Indians-Verantwortlichen zuletzt versucht wurde und nun bis zum Gerichtstermin verstärkt wird: ein Signal von der Politik erhalten – von Land oder möglicherweise Bund. Denn über das von der Bundesregierung geschnürte Hilfspaket sind die DEL und DEL 2 abgesichert – nicht jedoch die drittklassige Oberliga, die laut Definition kein Profisport und damit unter die Breitensportförderung der Länder fällt. „Das ist nicht nachvollziehbar. Wir haben eine Mannschaft, die zu 99 Prozent aus Profi-Eishockeyspielern besteht“, sagt Jan Roterberg.

„Das ist nicht nachvollziehbar. Wir haben eine Mannschaft, die zu 99 Prozent aus Profi-Eishockeyspielern besteht.“

Am Pferdeturm hoffen sie nun auf die Landesregierung, aber auch auf den DEB, damit dieser Druck „nach oben“ ausübt. „Wenn uns niemand Ausgleichsgelder zusagt, dann macht die Oberliga keinen Sinn – soviel Verantwortung muss man haben, bevor man sehenden Auges pleite geht.“ In der Regionalliga könne man jedoch mit reduziertem Gehaltsetat und geringeren Betriebskosten die Krise überstehen, sodass eine geringe Zuschauerzahl nicht so sehr ins Gewicht fallen würde.

Indians nur der Anfang?

Offen bleibt natürlich die Frage: Wie haben es die anderen Oberligisten gemacht? Diese dürften bei ihren Lizenzanträgen auch nur eine begrenzte Anzahl von Zuschauern eingerechnet haben. Ob da besser oder naiv kalkuliert würde, dürften die nächsten Wochen zeigen. Denn ohne die Indians droht ein Dominoeffekt und damit entweder einigen Verein oder der kompletten Nordstaffel das Aus.