18. Juni 2020 / 20:28 Uhr

0:2 in Kiel: Dynamo Dresden kurz vorm Abstieg

0:2 in Kiel: Dynamo Dresden kurz vorm Abstieg

Stefan Schramm
Dresdner Neueste Nachrichten
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Dynamo Dresden verliert das Auswärtsspiel bei Holstein Kiel mit 0:2. Jannik Müller sah in der 39. Minute die rote Karte. © dpa
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Die Hoffnung schwindet: Dynamo verliert nicht nur Jannik Müller in Minute 39, sondern auch die Partie bei den Störchen mit 0:2. Die Zeichen stehen damit immer deutlicher auf Liga Drei.

Kiel/Dresden. Dritte Niederlage in Folge, wieder kein Tor: Nach dem 0:2 (0:1) bei Holstein Kiel wird Dynamo Dresdens Kampf ums Überleben in der 2. Fußball-Bundesliga immer aussichtsloser. Nach den Treffern von Iyoha (45.+1) und Lauberbach (80.) haben die Schwarz-Gelben weiter fünf Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz 16, auf dem momentan der Karlsruher SC steht, können aber in den verbliebenen beiden Spielen nur noch sechs Punkte holen und haben eine miserable Tordifferenz. Schlüsselszene der Partie war die gelb-rote Karte für SGD-Verteidiger Jannik Müller (39.), deretwegen Dynamo 50 Minuten in Unterzahl spielte. Neben Müller fehlt am Sonntag zum Auswärtsspiel gegen Sandhausen auch noch Ondrej Petrak nach seiner fünften gelben Karte.

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Drei Tage nach der höchsten Saisonniederlage, der 0:4-Klatsche bei Tabellenführer und Aufsteiger Arminia Bielefeld, tauschte Cheftrainer Markus Kauczinski erneut auf sechs Positionen in seiner Startelf: Linus Wahlqvist, Kevin Ehlers, Brian Hamalainen, Marco Terrazzino und Alexander Jeremejeff fanden sich auf der Bank wieder, Jannis Nikolaou fehlte ohnehin gelbgesperrt. Stattdessen begannen Niklas Kreuzer, Jannik Müller, Chris Löwe, René Klingenburg, Sascha Horvath und Stürmer Simon Makeniok, der nach Problemen am Sprunggelenk erst kurz vor Beginn sein O.K. gab.

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Dynamo Dresden verliert das Auswärtsspiel bei Holstein Kiel mit 0:2. Zur Galerie
Dynamo Dresden verliert das Auswärtsspiel bei Holstein Kiel mit 0:2. ©

Die Partie begann mit einer heiklen Situation für die Dresdner: Nach schöner Kombination der Hausherren ging Fabian Reese im Strafraum zu Boden, da Kreuzer ihn beim Laufduell im Gesicht getroffen hatte. Doch Schiedsrichter Patrick Ittrich genügte das nicht für einen Elfmeterpfiff. Die „Störche“ waren zu Beginn das aktivere Team. Die erste Großchance aber hatte Dynamo, als Dynamos Sechser Ondrej Petrak ganz weit vorn presste und nach Pressschlag gegen Meffert tatsächlich an der Strafraumgrenze in Ballbesitz kam. Seinen Schuss lenkte Kiels Keeper Ioannis Gelios noch um den Pfosten (10.). Einen weiteren Abschluss des Tschechen nur zwei Minuten später blockte der Holsteiner Thesker.

Müller fliegt mit Gelb-Rot

Auch der kleine Österreicher Sascha Horvath tat was fürs Spiel nach vorn, rannte sich aber erst nach einem Konter im Strafraum fest (16.) und verstolperte kurz darauf einen Doppelpass mit Klingenburg (17.). Dann jedoch kamen auch die Nordlichter richtig gefährlich vors Dresdner Gehäuse: Ex-Dynamo Hauke Wahl, nunmehr Kapitän und Innenverteidiger der Kieler, verlängerte Iyohas Flanke per Kopf in Richtung Tor. Doch Außenverteidiger Chris Löwe passte auf und rettete kurz vor der Linie für den geschlagenen Torwart Kevin Broll (20.). So blieb es in einer ausgeglichenen Partie weiter beim Stand von 0:0.

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Wenig später hielten die Fans jedoch wieder den Atem an: Bei einem Konter liefen die Kieler in einer 3:2-Überzahlsituation in Richtung Kevin Broll. Doch sie ließen sich zu viel Zeit, so dass der heransprintende Kreuzer den Ball ins Toraus spitzeln konnte (25.). Auch Reeses Schlenzer (29.) wäre fast gefährlich geworden, flog aber ums lange Eck herum. Nachdem Porath auf der Gegenseite nach Foul gegen Horvath eine berechtigte Gelbe Karte sah, drosch Löwe den Freistoß durch die Zwei-Mann-Mauer hindurch und zwang Gelios zu einer Parade (31.).

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(1) Kevin Broll: Der Schlussmann hatte in der ersten Halbzeit wenig zu halten. Der Schuss von Iyoha passte genau, der war ganz schwer zu parieren. Nach der Pause musste er mehrmals zupacken, da konnte er sich einige Male auszeichnen. Beim 0:2 in der 80. Minute hatte er aber nicht die Spur einer Abwehrchance. Note 3 Zur Galerie
(1) Kevin Broll: Der Schlussmann hatte in der ersten Halbzeit wenig zu halten. Der Schuss von Iyoha passte genau, der war ganz schwer zu parieren. Nach der Pause musste er mehrmals zupacken, da konnte er sich einige Male auszeichnen. Beim 0:2 in der 80. Minute hatte er aber nicht die Spur einer Abwehrchance. Note 3 ©

Dann wurde es bitter für Dynamo: Erst stellte Verteidiger Jannik Müller, der bis dahin kein Foulspiel begangen hatte, den Körper gegen Reese rein und holte sich dafür den Gelben Karton ab (35.) – den folgenden Freistoß entschärfte Makienok. Keine vier Minuten später ging Müller dann mit offener Sohle in den Zweikampf gegen Dehm, traf zwar zuerst den Ball, aber auch den Gegner rustikal. Ittrich blieb keine Wahl: Gelb-Rot gegen Müller (39.), der erste Platzverweis seiner Profikarriere. Das war schlecht von Müller, der als verwarnter Spieler an der Mittellinie ein unnötig hohes Risiko ging und Dynamo entscheidend schwächte.


Dynamo mit frühen Wechseln und dicker Chance

Trainer Kauczinski protestierte heftig an der Seitenlinie und erhielt auch noch eine Gelbe Karte. Er sah das Unheil vielleicht kommen, denn noch vor der Pause rächte sich die Unterzahl und die Schwarz-Gelben gerieten in Rückstand: Der Ex-Auer Emmanuel Iyoha ließ in der ersten Minute der Nachspielzeit auf der linken Außenseite Kreuzer und Schmidt mit einer einfachen Körpertäuschung aussteigen und zog dann mit rechts aus 20 Metern ab. Der Schuss fand zielgenau seinen Weg ins rechte obere Eck, Kevin Broll streckte sich vergebens – 1:0 zur Pause für die Elf von der Förde!

Kauczinski reagierte, besetzte mit dem Seitenwechsel die nach dem Platzverweis verwaiste Innenverteidigerposition durch Kevin Ehlers neu und brachte zudem Patrick Ebert. Für René Klingenburg und Josef Husbauer war dagegen Feierabend und Dynamos Mittelfeld damit um einen Mann ärmer. Die Gastgeber begannen die zweite Hälfte mit druckvollem und hohem Pressing und drängten auf den zweiten Treffer. Poraths Aufsetzer ließ Broll nach vorn rechts abprallen, doch der zweite Ball blieb ungefährlich (48.). Iyohas Versuch ging drüber (50.), Reeses Abschluss war kein Problem für Broll (56.).

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Markus Kauczinski (Trainer SG Dynamo Dresden): Glückwunsch an Holstein Kiel! Das war ein verdienter Sieg. Wir waren gut im Spiel. Ondrej Petrak hatte gleich eine gute Chance, aber auch Kiel hatte immer wieder Möglichkeiten. Es war auch ein ausgeglichenes Spiel. Wir sind dann in Unterzahl geraten, haben beim Gegentor vor dem Pausenpfiff schlecht verteidigt. In der zweiten Halbzeit haben wir versucht, das auszugleichen. Marco Terrazzino hatte noch zwei Schüsse, dann hat man aber insgesamt schon gemerkt, was wir in den Beinen hatten. Wir haben es probiert, aber es tat dann weh zu sehen, wie die Spieler beißen. Wir müssen diese Niederlage hinnehmen, sind jetzt alle down. Ob in Sandhausen noch was geht, weiß ich nicht. Zur Galerie
Markus Kauczinski (Trainer SG Dynamo Dresden): "Glückwunsch an Holstein Kiel! Das war ein verdienter Sieg. Wir waren gut im Spiel. Ondrej Petrak hatte gleich eine gute Chance, aber auch Kiel hatte immer wieder Möglichkeiten. Es war auch ein ausgeglichenes Spiel. Wir sind dann in Unterzahl geraten, haben beim Gegentor vor dem Pausenpfiff schlecht verteidigt. In der zweiten Halbzeit haben wir versucht, das auszugleichen. Marco Terrazzino hatte noch zwei Schüsse, dann hat man aber insgesamt schon gemerkt, was wir in den Beinen hatten. Wir haben es probiert, aber es tat dann weh zu sehen, wie die Spieler beißen. Wir müssen diese Niederlage hinnehmen, sind jetzt alle down. Ob in Sandhausen noch was geht, weiß ich nicht." ©

Zehn Minuten nach Wiederbeginn dann schon der nächste Doppelwechsel: Terrazzino und Jeremejeff ersetzten Dynamos zwei torgefährlichste Spieler der Rückrunde: Schmidt (fünf Treffer) und Makienok (drei) waren diesmal allerdings ohne Torchance geblieben. Nun hatte sich ein Spiel entwickelt, in dem die Kieler extrem viel Ballbesitz hatten und die Schwarz-Gelben nach Belieben laufen ließen. So ergab sich erst bei einem Standard eine dicke Dresdner Chance: Nach Kreuzers Freistoß landete Wahls Abwehrversuch an der Strafraumgrenze auf dem Fuß von Terrazzino, dessen schöne Volleyabnahme aber einen Meter übers Tor zischte (66.).

Mit einem Bein in Liga Drei

Nun erhöhte Dynamo das Risiko, spielte in Unterzahl offensives Pressing, wollte – und musste – nun den Torerfolg erzwingen. Denn die Uhr lief gnadenlos gegen die Gäste. Eine Folge davon war aber auch die höhere Anfälligkeit für Konter. Einen davon vereitelte aber der erneut gut aufgelegte Kevin Broll gegen Reese (70.). Kurz darauf die nächste schlechte Nachricht für Kauczinski: Porath nahm Ondrej Petraks verspätete Grätsche dankbar an und ließ sich darüber fallen – Dynamos Tscheche sah dafür seine fünfte Gelbe Karte in dieser Saison und fehlt deshalb ebenso wie Jannik Müller am Sonntag gesperrt in Sandhausen /72.).

Dann der endgültige Knockout: Der eingewechselte Ehlers verlor im Aufbauspiel den Ball an der Mittellinie gegen Atanga, der daraufhin von Özcan sofort mit einem Pass in die Tiefe geschickt wurde. Dort schob er quer auf den freien Lauberbach, der den Konter mustergültig zum Kieler 2:0 vollendete (80.). Broll hatte keine Chance, Kapitän Ballas kam am Ende knapp zu spät. Wie tief der Frust nun saß, machte Horvaths gelbe Karte für Ballwegschlagen deutlich (82.). Mit Godsway Donyoh zog Kauczinski dann seinen letzten Joker, Petrak ging dafür aus dem Spiel (84.).

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Donyoh fügte sich gut ein, doch bei seinem Steilpass stand Jeremejeff hauchdünn mit dem Oberkörper im Abseits. Der Ball zappelte zwar im Netz, doch Schiedsrichter Ittrich gab den Treffer nach Videobeweis korrekterweise nicht (86.). Nichts war es mit dem erhofften Anschlusstor. Nach drei Minuten Nachspielzeit, in denen Broll noch mal gegen Lauberbach sein Können zeigen musste, war dann Schluss. Dynamos Abstieg in die 3. Liga ist mit dieser Niederlage zwar immer noch nicht besiegelt, die Chance auf das Erreichen des Relegationsplatzes aber allenfalls nur noch theoretisch vorhanden.