31. März 2021 / 18:26 Uhr

0:3 gegen Chelsea: Wolfsburg ist nicht mehr europäische Frauenfußball-Spitze

0:3 gegen Chelsea: Wolfsburg ist nicht mehr europäische Frauenfußball-Spitze

Andreas Pahlmann und Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Das entscheidende Duell: Sara Doorsoun (l.) gegen Chelseas Sam Kerr.
Das entscheidende Duell: Sara Doorsoun (l.) gegen Chelseas Sam Kerr. © Marton Monus/dpa
Anzeige

Die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg haben eine der heftigsten Niederlagen der letzten Jahre erlitten. Im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gab es ein 0:3 gegen Chelsea. Von der europäischen Spitze hat sich der VfL damit erst einmal entfernt.

Anzeige

Die Leistung war ordentlich - und doch haben die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg am Mittwochnachmittag in Budapest ihre Grenzen aufgezeigt bekommen. Vorn nicht konsequent genug, hinten mindestens zwei schwache Momente zu viel: Das reicht in fast allen Spielen der Bundesliga, das reicht auch in der Champions League bis zum Achtelfinale. Aber es reicht nicht gegen einen FC Chelsea, der eine Weltklasse-Stürmerin hat. Und so steht unterm Strich das dritte Viertelfinal-Aus (nach 2017 und 2019) in der Königsklasse, nach dem 1:2 im Hinspiel ging auch das Rückspiel verloren. Pernille Harder, Samantha Kerr und Fran Kirby trafen beim 3:0-(2:0)-Sieg für die Londonerinnen.

Anzeige

Chelsea-Torjägerin Kerr gegen VfL-Innenverteidigerin Sara Doorsoun - das war das entscheidende Duell. Erst ging Doorsoun höchst ungeschickt in einen Zweikampf auf der Strafraumlinie, die Australierin setzte geschickt ihren Körper ein und provozierte so einen umstrittenen (aber nicht klar falschen) Elfmeterpfiff, den Ex-Wolfsburgerin Harder sicher verwandelte. Und dann ließ sich Doorsoun am eigenen Fünfer von Kerr abkochen, die 27-Jährige traf zum 2:0. Das Spiel war entschieden, denn wegen der Auswärtstor-Regel hätte der VfL nun schon vier Tore erzielen müssen.

Und gefährlich war er gegen eine alles andere als sattelfeste Chelsea-Abwehr durchaus - aber im Abschluss haperte es. Bereits nach zehn Minuten rettete Chelsea-Torfrau Ann-Katrin Berger eine abgefälschte Hereingabe von Felicitas Rauch stark, was folgte, war eine intensive Druckphase der Niedersachsen. Im letzten Drittel agierte der Tabellenzweite der Bundesliga aber oft nicht präzise genug - Pässe kamen nicht an, Flanken wurden zu weit geschlagen, eine hundertprozentige Chance gab es erst, als Ewa Pajor nach einer Flanke von Fridolina Rolfö am langen Pfosten nur knapp zu spät kam, um den Ball über die Linie zu drücken. Aber da lag Chelsea schon vorn, und die Wolfsburger Hoffnung, mit einem 1:0-Sieg weiterzukommen, war schon geplatzt.

Wolfsburg fehlte die Kaltschnäuzigkeit vorm Tor - genau die Eigenschaft, die unter anderem auch Kerr auszeichnet. Nach deren Treffer zum 2:0 war die Luft fast schon raus, auch wenn der VfL (mit Rebecka Blomqvist statt der Gelb-gesperrten Lena Oberdorf in der Startelf) zumindest um Ergebniskorrektur bemüht war.

Als der Mut, den die gute Hinspiel-Leistung dem VfL gemacht hatte, lang weg war, legte Chelsea noch mal nach. Drei angreifende Londonerinnen reichten gegen sechs verteidigende Wolfsburgerinnen, um Kirby in Abschlussposition zu bringen. Ein Tor zum 3:0 mit Souveränität, Abgeklärtheit und Willen - drei Dinge, von denen der VfL offensiv zu wenig hatte.

"Zum einen haben wir in der Summe mit 1:5 dieses Duell verloren. Das ist die eine Sache", so VfL-Trainer Stepahn Lerch nach dem Abpfiff, aber die andere sei, "dass wir auch heute wieder gute Phasen hatten und immer wieder überlegen waren. Wir können uns vorwerfen, dass wir es versäumt haben, die notwendigen Tore zu erzielen, denn die Möglichkeiten gab es." Die Kaltschnäuzigkeit und individuelle Qualität der Londonerinnen habe letztlich den Unterschied gemacht.

Chelsea ist nach dem Sieg gegen Wolfsburg sicherlich auch ein Kandidat für den Champions-League-Titel - aber nicht einmal der Top-Favorit, denn Lyon, Paris, Bayern oder Barcelona scheinen die stabileren Teams zu sein. Ob und wann Wolfsburg - zweifacher CL-Sieger und dreifacher CL-Vize - mal wieder nach den ganz großen europäischen Sternen greifen darf, ist offen. Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter der Wolfsburgerinnen, hatte schon vor der Partie in Budapest betont, dass die Top-Star-Ansammlungen schon jetzt in anderen europäischen Klubs stattfinden. Der Harder-Wechsel von Wolfsburg nach London im vergangenen Jahr war da nur ein Beispiel.

Nach dieser Saison wird unter anderem die Norwegerin Ingrid Engen den VfL verlassen, bezeichnenderweise gilt auch Chelsea als interessiert. "Man kann nicht verlangen", so Kellermann, "dass wir Jahr für Jahr die besten Spielerinnen verlieren und trotzdem weiter alle Titel holen."

Den kürzesten Weg zu einem Wolfsburger Titel in dieser Saison gibt es nun im DFB-Pokal, am Sonntag (14 Uhr, ARD) steht das Halbfinale gegen die Bayern an. Dort kann der VfL die Münchnerinnen (die erst am Donnerstag ihr CL-Rückspiel gegen Rosengard bestreiten) ärgern, in der Liga (fünf Punkte Rückstand) wird das eher nicht gelingen.

Sollte sich der VfL in den kommenden Jahren als zweite Kraft im deutschen Frauenfußball etablieren, ist das womöglich aller Ehren wert - nach Jahren als erste Kraft könnte die Gewöhnung daran allerdings schwerfallen. Die Spiele gegen Chelsea indes zeigten, dass diese Gewöhnung nötig sein könnte.

VfL: Kiedrzynek - Hendrich, Janssen, Doorsoun, Rauch - Engen (85. Cordes), Popp - Huth, Blomqvist (75. Svava), Rolfö (60. van de Sanden) - Pajor (75. Jakabfi).

Chelsea: Berger - Carter, Bright, Eriksson, Andersson - Leupolz (78. So-Yun), Ingle (84. Spence), Cuthbert (78. Fleming) - Kirby, Harder, Kerr (63. Reiten).

Tore: 0:1 (26.) Harder (Foulelfmeter), 0:2 (32.) Kerr, 0:3 (81.) Kirby.

Schiedsrichterin: Pustovoitova (Russland).