15. September 2019 / 10:20 Uhr

Deshalb ist das 1:1 gegen den FC Bayern für RB Leipzig mehr als nur einen Punkt wert

Deshalb ist das 1:1 gegen den FC Bayern für RB Leipzig mehr als nur einen Punkt wert

Anton Zirk
Leipziger Volkszeitung
Die Mannschaft freut sich nach dem Spiel über den Punktgewinn gegen den FC Bayern München.
Die Mannschaft freut sich nach dem Spiel über den Punktgewinn gegen den FC Bayern München.
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RB Leipzig hat gegen den FC Bayern trotz einer schwachen ersten Hälfte zumindest noch einen Punkt geholt. Das Unentschieden im Topspiel könnte für den Rest der Saison und den Champions-League-Auftakt gegen Lissabon jedoch deutlich mehr wert sein.

Zehn Punkte aus den ersten vier Spielen, ein Unentschieden gegen Bayern München, Tabellenführer der Bundesliga. Auf dem Papier hat RB Leipzig dieser Tage wenig Luft nach oben. Weil aber im Spitzenspiel längst nicht alles perfekt lief, stellt sich die Frage: Was ist der Punkt gegen den FCB wert? Thomas Müller nahm die Roten Bullen nach dem hart umkämpften 1:1 (1:1) zunächst direkt in den Kreis der Titelaspiranten auf: "Jeder, der der sich da vorn aufhält, ist zum aktuellen Zeitpunkt ein Meisterkandidat."

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RB Leipzig - FC Bayern München (1:1) Zur Galerie
RB Leipzig - FC Bayern München (1:1) ©

Bei aller Ehrerbietung schreckte der sichtlich enttäuschte Weltmeister von 2014 jedoch auch nicht davor zurück, auf Bullenseite den Finger in die Wunde zu legen: "Vor dem Spiel wurde Leipzig höher gehandelt, als sie sich in der ersten Halbzeit präsentieren konnten.“ Das sitzt und war in Anbetracht der Leistung in den ersten 45 noch diplomatisch ausgedrückt. Die Leipziger gingen da schon härter mit sich ins Gericht, kritisierten mangelnden Zugriff auf das Münchner Spiel, hohe Fehlpassquote und zu wenig Bewegung bei eigenem Ballbesitz.

Nagelsmann überzeugt

Zudem agierte Gegner München in Leipzig über weite Strecken des Spiels nah an seiner Top-Form, wie auch Bayern-Coach Niko Kovac im Anschluss feststellte: "Wir haben in der ersten Halbzeit das beste Spiel gemacht, seitdem ich hier bin." Auch Julian Nagelsmann machte nach Abpfiff noch einmal deutlich, dass bei Betrachtung der ersten Hälfte ein völlig anderes Ergebnis hätte zu Buche stehen können: "Wenn ich jetzt hier als Verlierer sitzen würde, würde ich auch nicht sagen, dass es glücklicher Sieg für die Bayern gewesen wäre."

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Dass es nicht so kam, ist neben der überragenden Einstellung seiner Mannschaft in erster Linie dem nun auch bei RB endgültig unter Beweis gestellten taktischen Verständnis und Spielgefühl des 32-jährigen Trainers zu verdanken. Die Halbzeit-Umstellung auf eine Viererkette und zwei statt einem Sechser ließ die Roten Bullen erstmals richtig ins Spiel kommen. Auch die Einwechslung von Diego Demme, der in einer schwierigen Situation mit beeindruckender Zweikampfstärke und Ruhe agierte, erwies sich als probates Mittel, um dem Kombinationsspiel der Bayern endlich Paroli zu bieten.

Die Art und Weise bleibt

So gelang es RB nicht nur, das in er ersten Hälfte noch glückliche 1:1 über die Zeit zu retten, die Sachsen deuteten auch an, warum sie aktuell ganz oben in der Tabelle stehen. Die Erkenntnisse, nach schwachem Start auch gegen einen Gegner wie den FC Bayern zurückkommen zu können sowie taktische und spielerische Mittel zu haben, um sich aus misslichen Lagen zu befreien, könnten im Laufe der Saison noch Gold wert sein. Vielleicht sogar schon am Dienstag beim Champions-League-Auftakt am gegen Benfica Lissabon, wie Nagelsmann bestätigte: "Die Art und Weise kannst du mitnehmen. Ich habe in der Champions League gelernt, dass man sich mit einer guten Stabilität aus der Liga leichter tut. Die haben wir aktuell. Wir sind gut gestartet, haben keine extremen sorgen."

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Yussuf Poulsen (RB Leipzig): „In der ersten Halbzeit haben wir die Mitte nicht richtig zubekommen. Das war in der zweiten Halbzeit anders, nachdem wir umgestellt hatten. Da waren wir eigentlich die bessere Mannschaft.“ Zur Galerie
Yussuf Poulsen (RB Leipzig): „In der ersten Halbzeit haben wir die Mitte nicht richtig zubekommen. Das war in der zweiten Halbzeit anders, nachdem wir umgestellt hatten. Da waren wir eigentlich die bessere Mannschaft.“ ©

Auch Kapitän Willi Orban betonte das Positive am Auftritt in der ausverkauften Red-Bull-Arena: "Es gibt ein bisschen Selbstvertrauen. Viele Tugenden aus der zweiten Halbzeit müssen wir auch am Dienstag in hitziger Atmosphäre zeigen." Wie unterschiedlich die Einschätzung eines Unentschieden ausfallen kann, verdeutlichte hingegen die Reaktion von Nationaltorhüter Manuel Neuer: „Ich bin enttäuscht. Es war viel mehr drin.“ Während der FC Bayern am Mittwoch gegen Roter Stern Belgrad mit dem Gefühl zweier verlorener Punkte ran muss, dürfen sich die Leipziger bereits auf ihre Reise nach Portugal freuen. So versprach Emil Forsberg: „Es wird ein geiles Spiel.“