29. April 2018 / 19:21 Uhr

1:2 gegen Essen: Turbine Potsdam verliert Königsklasse aus den Augen (mit Galerie)

1:2 gegen Essen: Turbine Potsdam verliert Königsklasse aus den Augen (mit Galerie)

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
Turbine-Kapitänin Lia Wälti (re.) im Zweikampf mit Linda Dallmann.
Turbine-Kapitänin Lia Wälti (re.) im Zweikampf mit Linda Dallmann. © Jan Kuppert
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Frauen-Bundesliga: Linda Dallmanns Doppelschlag dreht das Spiel der Turbinen gegen Essen innerhalb von drei Minuten.

Nein, erklären könne man diese drei Minuten kaum, stellte Lia Wälti gestern nach der 1:2-Heimniederlage des 1. FFC Turbine Potsdam gegen die SGS Essen enttäuscht fest. Die Kapitänin des Brandenburger Frauenfußball-Bundesligisten versicherte zwar, dass die elf Turbinen motiviert aus der Pause gekommen seien – es schien aber, als hätten sie noch etwas länger beim Pausentee gesessen. Trainer Matthias Rudolph brachte die Szenen, in denen Linda Dallmann die Partie mit ihrem Doppelschlag zugunsten der Gäste entschied, auf den Punkt: „Da haben wir katastrophal verteidigt. Das darf uns mit der Erfahrung einfach nicht passieren.“

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Potsdams Champions League-Hoffnungen sind nach der Niederlage wohl auf ein Fünkchen zusammengeschrumpft. „Der Plan war, das Spiel heute zu gewinnen, um dann nächste Woche einen Showdown in München zu haben“, sagte Rudolph und ergänzte: „Das hat nicht geklappt.“

Starke 45 Minuten, aber nur ein Tor

Dabei begannen seine Spielerinnen vor 1595 Zuschauern im Karl-Liebknecht-Stadion bis in die Haarspitzen motiviert. Spielfreudig agierten die Turbinen, suchten zügig den Weg in die Spitze. Lara Prasnikar traf nach feinem Wälti-Pass das Außennetz (5.), Anna Gasper nach Diagonalball von Sarah Zadrazil ebenfalls (9.) und abermals Prasnikar scheiterte an der Fußabwehr von SGS-Keeperin Lisa Weiß (17.). Längst überfällig war der Potsdamer Führungstreffer, als Svenja Huth dann in der 24. Minute tatsächlich abgeklärt zum 1:0 einschob. „Wir müssen zur Pause eigentlich mit 2:0 oder 3:0 führen“, ärgerte sich der Turbine-Coach. Sein Gegenüber Daniel Kraus sah das genau so: „Wir brauchen uns nicht beschweren, wenn wir schon nach 20 Minuten deutlicher zurückliegen.“ Doch Anna Gasper vergab noch eine weitere Großchance (39.).


In Bildern: Turbine Potsdam unterliegt der SGS Essen.

Essens Sara Doorsoun (li.) im Zweikampf mit Anna Gasper. Zur Galerie
Essens Sara Doorsoun (li.) im Zweikampf mit Anna Gasper. ©

Essens Shootingstar Lea Schüller war abgemeldet. Und als sie in der 33. Minute doch mal frei vor Lisa Schmitz auftauchte, bekam sie keinen Druck hinter den Ball. Die Turbine-Torfrau war auch bei einem 18-Meter-Freistoß von Manjou Wilde auf dem Posten (36.).

Nach der Pause dauerte es nur 50 Sekunden bis der Ball hinter Schmitz im Kasten lag. Dabei hatte die Keeperin noch glänzend pariert, ehe Linda Dallmann das Leder im Nachsetzen über die Linie bugsierte. „Dann verlieren wir kurz völlig den Faden und schaffen es mit fünf Spielerinnen nicht, eine Linda Dallmann zu stoppen“, beschrieb Lia Wälti. Zwei Minuten nach dem Ausgleich reagierte Lisa Schmitz ein weiteres Mal stark, aber irgendwie stocherte die Essenerin den Ball wieder über die Linie. Das Spiel war gedreht.

Nicht nur die Partie haben die Potsdamerinnen in diesen drei Minuten zum Vergessen verloren, sondern wohl auch ihre Chancen auf eine Qualifikation für die Königsklasse. „So lange es rechnerisch möglich ist, sollte man die Hoffnung nicht aufgeben“, lautet Wältis Durchhalteparole, „aber klar ist, dass wir uns heute selbst Steine in den Weg gelegt haben.“

Ehegötz sorgt für Wembleymoment

Dass die Ausgangslage von nun fünf Zählern Rückstand auf den FC Bayern vor dem direkten Duell in München nicht besser ist, lag auch daran, dass die Kickerinnen von der Havel nach dieser kalten Dusche nicht an ihre starke erste Hälfte anknüpfen konnten. „Wir haben zu viel mit langen Bällen gespielt“, so die Kapitänin. Chancen gab es trotzdem noch, aber Lara Prasnikar zögerte vor dem Tor zu lange (73.) und die eingewechselte Nina Ehegötz traf „wembleytormäßig“ nur die Unterkante der Latte (76.). Eine knifflige Entscheidung, zu der Matthias Rudolph eine klare Meinung hat: „Es würde mich wundern, wenn der nicht drin war.“ Auch Lea Schüller hatte auf der anderen Seite im Fallen den Querbalken getroffen.

Den Videobeweis gibt es im Frauenfußball nicht. Dass Schiedsrichterin Franziska Wildfeuer den Lattenabpraller von Ehegötz vor der Linie sah, sei passend an diesem Tag, kritisierte Rudolph. "Was die Frauen in Gelb heute geboten haben, war katastrophal", so der Turbine-Coach. Ein Grund für die Niederlage sei das freilich nicht, ließ Rudolph keine Ausreden gelten. "Daran sind wir schon selbst schuld."