16. Juli 2022 / 12:36 Uhr

Doppelbelastung und Özcan-Abschied: Diese Baustellen machen Köln-Trainer Baumgart den Job schwieriger

Doppelbelastung und Özcan-Abschied: Diese Baustellen machen Köln-Trainer Baumgart den Job schwieriger

Tobias Manzke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Köln-Trainer Steffen Baumgart steht mit dem FC vor einer komplizierten zweiten Saison.
Köln-Trainer Steffen Baumgart steht mit dem FC vor einer komplizierten zweiten Saison. © Getty Images/IMAGO/Beautiful Sports (Montage)
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Unter Steffen Baumgart sind beim 1. FC Köln Spaß und Euphorie zurückgekehrt. Doch mehrere Baustellen – im Kader und im Spielplan – lassen erwarten, dass die zweite Spielzeit des bei den Fans so beliebten Trainers mit der Schiebermütze komplizierter wird.

Die beste Nachricht des Sommers aus Sicht des 1. FC Köln bekamen die Fans am Morgen des 27. Junis zum Frühstück serviert: Um 9.32 Uhr gab der Klub über seine sozialen Kanäle bekannt, dass Trainer Steffen Baumgart seinen Vertrag bei den Geißböcken vorzeitig verlängert hat – das Arbeitspapier läuft nun bis 2024. "Ich bin sicher: Das Projekt ist noch nicht zu Ende", sagte Baumgart voller Optimismus.

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Der Projektleiter mit der kultigen Schiebermütze hat dem FC neues Leben eingehaucht und den vermeintlichen Abstiegskandidaten in der vergangenen Saison in die Conference League geführt. Nicht nur deshalb ist Baumgart unantastbar. Mit seiner impulsiven Art an der Seitenlinie und klaren Worten fliegen ihm die Herzen der Fans zu. Unvergessen das Video seiner Tochter, als Baumgart wegen einer Corona-Infektion das Heimspiel gegen Freiburg vor dem Fernseher verfolgen musste, er diesen anbrüllte und sein Hund ihm beruhigend die Pfote auf die Schulter legte.

In dieser Saison wartet allerdings eine andere Aufgabe auf den Cheftrainer. Der Erwartungsdruck ist im traditionell unruhigen Kölner Umfeld gewachsen. Dazu kann die mögliche Doppelbelastung – der FC muss sich erst für die Gruppenphase der Conference League qualifizieren – zum Problem werden.

2017/18 nahm Köln ebenfalls am internationalen Geschäft teil und stieg am Ende der Saison als Tabellenletzter ab. "Im Moment wird sehr viel über das gesprochen, was wir in diesem Jahr nicht erreichen können. Weil wir so eine Saison nicht wiederholen könnten, weil wir international spielen, weil dies, weil das", sagte Baumgart zuletzt genervt. "Ich möchte mich aber gar nicht damit beschäftigen, was wir nicht können, sondern mit dem, was wir können."

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Um für die neuen Aufgaben gerüstet zu sein, haben die Kölner auf Transfermarkt investiert. Für die Offensive kam aus Dortmund Stürmer Steffen Tigges, von Zweitligist Hannover 96 wechselte Flügelflitzer Linton Maina. Sargis Adamyan (Hoffenheim) und Eric Martel (Leipzig) sollen im Mittelfeld aufräumen, die Abwehr sollen Kristian Pedersen (Birmingham City) und der zuletzt nur geliehene und jetzt fest verpflichtete Luca Kilian (Mainz) dicht machen.

Modeste-Zukunft sorgt für Nervosität bei FC-Fans

"Ich sehe uns schon sehr gut aufgestellt", findet Baumgart. Schwer wiegt allerdings der Abgang von Mittelfeldstratege Salih Özcan, der nach Dortmund ging. Und ein weiterer könnte drohen. Anthony Modeste, letzte Saison mit 20 Treffern in 32 Ligaspielen der Erfolgsgarant, kokettierte in der Vorbereitung überraschend mit seinem Abschied. "Ich habe eine klare Linie. Wenn etwas kommt, muss ich mit dem Verein reden", sagte Modeste. "Ich bin 34 Jahre alt. Ich habe nur eine Karriere."

Da könnte dem FC noch Ärger in der bisher so harmonischen Vorbereitung drohen. In drei Testspielen gab es bisher keine Niederlage. Als erster Härtetest wird sich das Spiel am Samstag (18.30 Uhr live und kostenfrei bei Magenta TV) gegen die AC Mailand erweisen.

Die Ziele für die kommende Spielzeit verkauft der FC-Trainer so: "Wir wollen guten Fußball spielen und den Verein weiterentwickeln. Das eine ist, oben anzukommen, das andere, auch oben zu bleiben. Das ist das Schwierige daran", erklärte Baumgart. Ganz Köln ist scheint sich aber sicher: Wenn es einer schaffen kann, dann der Kauz mit der Schiebermütze.

Prognose des Autors: Der FC wird seine starke Vorsaison nicht wiederholen können, im gesicherten Mittelfeld landen. Die mögliche Doppelbelastung wird den Klub trotz der Neuzugänge an seine qualitative Grenze bringen. Dank Baumgart ist Abstiegskampf aber kein Thema.

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