24. März 2020 / 19:08 Uhr

Bereits mehr als 60.000 Tickets für imaginäres Spiel beim 1. FC Lok Leipzig verkauft

Bereits mehr als 60.000 Tickets für imaginäres Spiel beim 1. FC Lok Leipzig verkauft

Anton Kämpf
Leipziger Volkszeitung
 Lok Leipzig sagt Fu§ballspiel wegen unbespielbaren Platz im Bruno-Plache-Stadion ab
Foto: Andre Kempner
Am 8. Mai bleibt das Bruno-Plache-Stadion gegen den unsichtbaren Gegner leer. © Andre Kempner
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In der Corona-Zwangspause kämpfen Fußballvereine mit finanziellen Einbußen. Die Fans vom 1. FC Lokomotive Leipzig setzen auf Solidarität. Sie orderten bisher über 60.000 virtuelle Tickets für ein imaginäres Spiel ohne Gegner.

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Leipzig. Wolfgang Wolf ahnt schon, was ihm nach der Coronakrise bevorsteht: „Ach Gott, da hab ich viel zu tun“, vermutet der Trainer und Sportdirektor in Personalunion des 1. FC Lok Leipzig. Davor möchte er keine Prognosen stellen, zum Beispiel ob, wie oder wann die Saison weitergehen könnte. „Natürlich gehe ich Szenarien im Kopf durch“, sagt er im Hinblick auf die Zukunft, „aber konkret kann ich nicht arbeiten.“

Heißt auch: die Gespräche mit nahezu jedem Spieler wegen der auslaufenden Verträge am 30. Juni liegen auf Eis, die Antwort auf die Trainerfrage zur kommenden Saison wird ebenfalls nach hinten verlegt. „Wir wollen unseren guten Kader größtmöglich zusammenhalten, aber ich glaube nicht, dass jetzt die Zeit für so etwas ist. Was soll ich den Jungs auch erzählen?“, fragt der 62-Jährige, der während der Coronakrise zusammen mit seiner Frau Dagmar und Sohn Patrick in seiner pfälzischen Heimat verweilt.

„Ich arbeite im Garten, gehe im Wald joggen. Wir Pfälzer sind hart im nehmen“, berichtet er von seinem Alltag. Den Alltag seiner Schützlinge kontrolliere er nicht. „Ich verlass mich auf die Jungs. Sie werden das Optimale draus machen“, vertraut er in die Eigenmotivation der Lok-Profis. „Sie wissen, was sie bisher geleistet haben. Ich bin zu 100 Prozent sicher, dass alle fit sein werden, wenn es irgendwann weitergehen sollte“, sagt er und räumt ein: „Jeder so, wie er kann. Der eine lebt in einem Haus am Wald, der andere mitten in Leipzig. Da haben alle unterschiedliche Möglichkeiten.“

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Nachdenken, was man macht

Einen Saisonabbruch wünscht sich Wolf nicht. „ Mir würde es unendlich leid tun für den Verein und die Spieler“, klagt er. Gleichzeitig warnt er: „Von der dritten Liga bis zur Oberliga geht es ums Überleben. Es ist ganz entscheidend, dass dort geholfen wird.“

Dass Lok Leipzig Hilfe braucht, haben bereits tausende Anhänger verstanden. Für ein imaginäres Spiel am 8. Mai wurden bereits mehr als 55 000 Karten verkauft – Tendenz steigend. Wolf hofft auf eine ähnlich solidarische Gemeinschaft in der Gesellschaft. „Jeder sollte nachdenken, was er macht. Wir müssen uns alle darauf einlassen, damit die Krise eingedämmt wird.“

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